Digitale Privatsphäre "Alexa, spionierst du mich aus?"

Amazons Echo-Lautsprecher hört dauernd zu.

(Foto: dpa)
  • Smarte Lautsprecher sind im Trend. Google und Amazon beherrschen den Markt.
  • Die Geräte hören dauernd zu. Sie speichern Umgebungsgeräusche aber erst dann, wenn sie mit einem bestimmten Stichwort aktiviert werden.
  • Allerdings bedrohen Hacker, Geheimdienste und schlampige Entwickler die Privatsphäre der Nutzer.
Von Marvin Strathmann

Sie schalten auf Zuruf das Licht aus oder spielen die Party-Playlist ab: Nach smarten Handys könnten smarte Lautsprecher das nächste große Ding werden. Die Analysefirma Canalys sagt für 2018 den endgültigen Durchbruch voraus. Bis 2022 sollen allein in den USA 66 Millionen Haushalte ein solches Gerät besitzen, prophezeien die Analyse-Kollegen von Forrester.

Immer mehr smarte Produkte sammeln immer mehr Nutzerdaten. Das löst Bedenken aus: Bundesdatenschutzbeauftrage Andrea Voßhoff warnt vor den Lautsprechern, die Verbraucherzentrale sieht Risiken für die Privatsphäre, und in sozialen Medien dominieren die Vergleiche mit Wanzen und die Furcht vor Überwachung. Aber belauschen die smarten Lautsprecher wirklich heimlich ihre Nutzer? Spionieren persönliche Assistenten die arglosen Kunden aus?

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Zwei Unternehmen teilen fast den gesamten Markt unter sich auf: Google und Amazon. Google nennt seinen digitalen Helfer schlicht Assistent. Er steckt in fast allen Geräten des Unternehmens, von Smartphones bis Lautsprechern. Die Stimme in den Echo-Lautsprechern von Amazon hört auf den Namen Alexa. Und die Konkurrenz steht schon bereit: Apple will mit Siri in die Wohn- und Schlafzimmer einziehen, der Homepod startet im Frühjahr. Auch Samsung plant angeblich, seinen digitalen Assistenten Bixby in Lautsprecherform auf den Markt zu bringen.

Die Geräte hören pausenlos zu - aber zeichnen nicht alles auf

Tatsächlich hören die smarten Lautsprecher von Amazon und Google die ganze Zeit zu. Das klingt, als seien die Überwachungsszenarien vieler Science-Fiction-Autoren Realität geworden. Wenn man den Beteuerungen der beiden Unternehmen glaubt, sind die Bedenken aber unbegründet. Die Geräte haben ihre Ohren angeblich auf Durchzug geschaltet: Was in die Mikrofone hineingehe, gehe sofort wieder hinaus. Die Boxen lauschten lediglich auf ihr Stichwort. Erst wenn Nutzer sie mit "Alexa", oder "Okay Google" aktivieren, würden Aufnahmen gespeichert und verarbeitet. Das gelte ausschließlich für den Befehl nach dem Stichwort, etwa "Alexa, wie wird das Wetter?"

Um solche Fragen zu beantworten, müssen die Geräte die Aufzeichnungen an die eigenen Server schicken, wo sie analysiert werden. Erst dann können Alexa oder der Google Assistent im Wohnzimmer Auskunft geben. Hier setzt die Kritik von Datenschützerin Voßhoff an: Es sei nicht erkennbar "wie, in welchem Umfang und wo die erfassten Informationen verarbeitet werden", sagte sie dem Tagesspiegel.

Die Frage nach der Verarbeitung der Sprachbefehle ist berechtigt - die Aufregung über angebliche Dauerüberwachung wohl weniger. Während Geheimdienste Verdächtige gezielt rund um die Uhr im Blick behalten und jedes gesprochene Wort aufzeichnen, sind Unternehmen wie Google und Amazon nicht an Einzelpersonen interessiert. Zwar wollen sie Nutzern möglichst viel personalisierte und dementsprechend relevante Informationen bieten. Wahllos Millionen Wohnzimmer zu überwachen, hilft dabei aber nur bedingt weiter.

Tonaufnahmen sind schwer zu analysieren

Womöglich wären Google und Amazon mit ihren gigantischen Server-Kapazitäten sogar in der Lage, Hunderte Millionen Stunden Audiomaterial pro Tag zu speichern. Spätestens bei der Auswertung müssten aber selbst moderne Hochleistungsrechner und Algorithmen passen. Ein Großteil der Aufzeichnungen sind ohnehin banale Umgebungsgeräusche, von Geschirrklappern über Klospülungen bis zum nächtlichem Schnarchen. Auch Unterhaltungen müssen richtig zugeordnet werden: Hat der Nutzer wirklich gerade einen Todessschrei ausgestoßen, oder läuft da nur Game of Thrones im Hintergrund?

Amazon und Google wissen ohnehin verdammt viel über ihre Kunden: Produkte, die Nutzer bestellen, Suchanfragen, die sie eingeben, E-Mails, die sie schreiben, Orte, an denen sie sich aufhalten. Das sind eindeutige Informationen, die kaum Verwechslungsgefahr bergen. Um massenhaft Audiodateien auszuwerten und daraus eindeutige Schlüsse zu ziehen, müssten die Firmen Dialekte erkennen, mit Ironie umgehen und den Kontext verstehen können.

Wen das nicht beruhigt, der lässt sich vielleicht von einem weiteren Argument überzeugen: Wenige Unternehmen werden so misstrauisch beäugt wie Amazon und Google. Neben kritischen Verbraucher- und Datenschützern sind vor allem fähige Hacker ständig auf der Suche nach Sicherheitslücken und Daten, die ohne Einverständnis der Nutzer übertragen werden. Für die Firmen ist das Risiko viel zu groß: Sollte ein IT-Sicherheitsforscher herausfinden, dass Millionen Menschen heimlich ausspioniert werden, wäre sämtliches Vertrauen schlagartig verspielt. Der Ertrag steht in keinem Verhältnis zu den Kosten (überquellende Server, rauchende Rechner) und dem möglichen Verlust (drakonische Strafen und abwandernde Nutzer).