In wenigen Tagen müssen alle Facebook-Nutzer die umstrittene Chronik "Timeline" verwenden - ob sie wollen oder nicht. Die Mitglieder sollen so ein hübscheres Profil erhalten, doch in der Realität dürften vor allem Facebooks Werbekunden profitieren.
Es ist ein bisschen wie in den Gangsterfilmen, wenn der Böse dem Guten die Waffe in den Bauch drückt und sagt: "Sie haben die Wahl: Entweder so wie ich will, oder ..."
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Facebook-Gründer bei der Vorstellung der Timeline im Herbst 2011: Vision einer vernetzten Welt. (© dapd)
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Facebook, das größte soziale Netzwerk im Internet, hat seinen 800 Millionen Nutzern in diesem Sinne die Wahl gelassen. Erst erklärte der Konzern, dass jeder, der Facebook nütze, sich für oder gegen eine neue, umstrittene Funktion entscheiden könne.
Jetzt aber hat das Unternehmen wie nebenbei in einem Blogbeitrag auf der offiziellen Firmenseite bekannt gegeben: Diese neue Funktion, die sogenannte Timeline, wird in den nächsten Tagen bei jedem Nutzer installiert - ob er will oder nicht. Bleibt die Frage: Was ist das für eine Waffe, die Facebook seinen Kunden da in den Bauch drückt? Und: Wie gefährlich ist sie?
Eingeordnet in die Lebenschronik
Für den Nutzer ändert sich mit aktivierter Timeline zunächst mal nur das Layout der Webseite - alles sieht ein bisschen schöner aus. Dahinter verbirgt sich jedoch Facebooks Ansinnen, künftig jede Aktion von jedem Nutzer - zum Beispiel eine Nachricht an Freunde, eine veröffentlichte Reise oder ein ins Netz gestelltes Foto, in eine lebenslange Chronologie einzuordnen.
So entsteht eine Lebenschronik von jedem einzelnen Facebook-Kunden, einsehbar je nach Datenschutzeinstellung, nur für Freunde oder für die ganze Welt. Wo war Nutzer X im Oktober 2010? Wann gab Nutzer Y die Geburt seinen Sohnes bekannt? Der Konzern fordert so seine Nutzer auf, künftig ihr gesamtes Leben zu speichern.
Niemals zuvor hat es einen weiter reichenden Versuch gegeben, den gläsernen Menschen zu schaffen. Bereits heute laden die Nutzer täglich 250 Millionen Bilder auf Facebook hoch, mehr als die Hälfte dieser Menschen verwenden die Webseite täglich.
Transparenter als je zuvor
Viele von ihnen synchronisieren bereits heute freiwillig ihr digitales Facebook-Profil im Minutentakt mit ihrem realen Leben, indem sie zum Beispiel automatisiert veröffentlichen, wo sie sich gerade befinden. Die chronologische Übersicht macht das Leben der Nutzer transparenter, als es ohnehin war: Etwa für Facebooks Werbekunden, die den dort registrierten Menschen stets das Produkt anbieten können, das sie gerade angeblich benötigen oder - künftig dank Timeline - schon einmal besessen haben.
In der Einführungsperiode hat jeder Nutzer zwar sieben Tage lang die Möglichkeit, die eigene Timeline auf Einträge zu prüfen, die er lieber noch löschen möchte. Dann schaltet Facebook die Timeline für andere Nutzer im Netzwerk frei.
Auch später noch hat der Nutzer die Möglichkeit, Einträge vor allen oder bestimmten Facebook-Nutzern zu verstecken. Doch wirklich löschen kann er nichts. Wer ein bestimmtes Bild aus dem eigenen Profil entfernt, markiert es wohl lediglich als unsichtbar. Das bedeutet nicht, dass es tatsächlich von Facebooks Großcomputern verschwindet.
Auch Google vereinheitlicht Profil
In Europa besorgt die Erweiterung viele Menschen. Zuletzt rügte EU-Kommissarin Viviane Reding Facebook wegen mangelhafter Datenschutzpolitik. Die Entwickler zeigen sich unbeeindruckt. Gründer und Chef Mark Zuckerberg betont gerne, er arbeite an der Vision einer vernetzten Welt. Da ist wenig Platz für vermeintlich kleinliche Bedenken.
Facebook erringt mit der Entwicklung auch einen Sieg im Konkurrenzkampf mit Google. Die Firma hat jetzt - Facebook nicht unähnlich - im Firmenblog angekündigt, zahlreiche weitere Funktionen auf einzelne Nutzer zuzuschneiden. Auch dieser Schritt wird von Datenschützern kritisiert.
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- Besuch auf der Facebook-Baustelle Zuckerbergs Gespür für Schnee 01.01.2012
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(SZ vom 26.01.2012/joku)
Zunächst einmal finde ich den Vergleich der Facebook Timeline mit einer (gefährlichen) Waffe extremst unpassend - zumindest habe ich noch nichts davon gehört, dass jemand durch die Timeline getötet, oder sonst wie verletzt wurde.
Mich würde interessieren, was der Autor hier bezwecken wollte - ob der verantwortliche Redakteur nur gerne das Klientel bedienen wollte, dass hier so fleißig kommentiert: jene, die die Welt vor dem bösen bösen Facebook warnen wollen und nur allzu gut wissen, wie es funktioniert (natürlich im negativen Sinne), wahrscheinlich ohne selbst jemals angemeldet gewesen zu sein.
Aber was soll man auch machen, außer meckern und fluchen, über eine Plattform, die weltweit über 800 Mio. Mitglieder hat und sich in den letzten Jahren zu einer neuen Sozialisationsinstanz für Jugendliche etabliert hat - davon kann man halten was man will: es ist so und wird - voraussichtlich - auch erst einmal so bleiben.
Facebook ist absolut kein Musterkind in Sachen Datenschutz und ich denke, dass jeder, der sich dort anmeldet weiß, dass es ebenso kein Wohlfahrtsunternehmen ist. In Sachen Privatsphäre Einstellung wurde in letzter Zeit dennoch vieles zum Positiven geändert und meiner Meinung nach ermöglicht die neue Timeline sogar einen noch besseren Überblick als zuvor.
Ich nutze die Timeline mittlerweile seit zwei Monaten und habe mich bisher nicht genötigt gefühlt, mehr von mir Preis zu geben. Einen Nachteil, wenn man es nicht tut, ist für mich jedenfalls nicht erkennbar. Zumal ich nun vermehrt differenzieren kann, welche Daten ich nur meinen Freuden oder der Öffentlichkeit zugänglich mache. Sollen Dinge, wie Musik, Filme, Aufenthaltsorte automatisch veröffentlicht werden, so ist dazu die Aktivierung einer App notwendig. Und bisher stand Herr Zuckerberg noch nicht vor meiner Tür und hat mich mit einer Waffe gezwungen dies zu tun.
Anstatt Facebook zu verteufeln, sollte lieber mehr Sorge dafür getragen werden, dass die Jugendlichen medienpädagogisch Betreut werden, damit sie im Umgang mit ihren Daten sensibilisiert werden. Wenn öfter Mal statt auf den "Öffentlich" Button, den "nur meine Freunde" Button gedrückt werden würde - damit wäre schon einiges getan.
Aber das erreicht man nicht durch ständige Panikmache und absolut überzogene Vergleiche mit gefährlichen Waffen...
Wer noch weniger hetzerische, dafür differenziertere Artikel lesen möchte, der wende sich an:
http://www.swr3.de/info/computer-und-
und voll blöd!
Halt menschlich.
Vorneweg: auch ich bin ein Feind der "Facebook-Google-Panik". Die Polizei von Hannover hat eine Webseite, auf der kann man nach wie vor die Steckbriefe sehen.
Datenschützer wurden aber erst laut, als die böse F-Seite, wo tatsächlich auch ein paar User drauf gehen, benutzt wurde, um die selben Bilder zu verbreiten - teilweise erfolgreich!
Früher hing man sie auch in Kneipen auf, obwohl Trinken im Übermaß schädlich ist!
Die einzige neue Gefahr sehe ich woanders: dem schwindenden bzw. schon jetzt nicht mehr vorhandenen Respekt gegenüber dessen, was andere Menschen betrifft und diese gerne im Privaten beließen.
Meine Cousine, eine erklärte Nicht-Facebookerin, war recht aufgebracht, als ihr Kind auf der Welt war, sie tags drauf ihre beste Freundin anrief und diese über Facebook schon Photos über meine kleine Cousine bekommen hatte. Das Baby war keine 60 Minuten alt und schon war seine Privatsphäre verletzt worden!
Ein Freund von mir hatte seiner Mutter erzählt, dass seine Frau zum ersten Mal schwanger sei. Die postete bei seiner Frau Glückwünsche auf die Pinnwand. Kurze Zeit später klingelte deren Handy und die aufgebrachte Schwägerin war dran, warum sie davon über Facebook erfahre!
Aus dem Reich der Teenager kommen noch skurillere Dinge. Bei uns galt es schon als sehr feige, am Telefon eine Beziehung zu beenden. Heute erfahren immer mehr Kids über eine geänderte Statusmeldung, dass Schluss ist - und damit eben auch der gesammelte Freundeskreis.
"Mistypes" sind auch so eine Erscheinung. Man weiß gerade bei manchen Handys nicht immer so genau, ob man privat chattet oder sich auf der Pinnwand unterhält.
Auf der Adresse webfail.at gibt es eine eigene Facebook-Fail-Kategorie, auf der man die Ergebnisse bewundern kann.
So erzählte ein Mädchen ihrer besten Freundin, dass sie ihren Freund im Bett für phantasielos halte, es ihm aber schon noch beibringe. Die Mädels waren natürlich peinlich berührt, als der lautstark widersprach - da hatte es aber schon die halbe Sphäre gelesen.
Auch schön: ein Typ schreibt dort rein, dass er über's Wochenende in die Therme fährt, sein Kumpel aber seine XBox aus der yz-Straße abholen könne, der Schlüssel läge wie immer am Blumenbeet.
Zwei Tage später ein Post, er sitze bei der Polizeiwache, weil man ihm die ganze Bude ausgeräumt habe.
Nicknames haben im Internet durchaus etwas für sich!
Wie albern. Wer seine 12-jährige Tochter mit Internet und Handy allein lässt, der lässt sich auch nachts um 11 allein durch die Stadt ziehen. Ich brauche doch keinen Datenschützer oder Staat, um mich und meine Familie vor Facebook zu schützen. Wie lächerlich. (Das geht nicht gegen die Arbeit von Datenschützern und dem Datenschutz im Allegemeinen - die ist sehr wertvoll).
Und wenn ich mich entscheide, mein eigenes Haus mit Kameras und Mikrophonen auszustatten, dann mache ich das halt. Wer das nicht will geht halt nicht zu Facebook. Und wenn jetzt wieder dieses Argument mit den "Like"-Buttons kommt: Dafür dürfen alle mal schön sz und SPON anmachen (also jene, die die Buttons einbinden und damit personalisierbare Daten ungefragt an Dritte weiter geben). Dafür muss man doch den Empfänger der Daten hauen.
Und bei aller gerechtfertigter Kritik:
Was ist an der Chronik so schlimm? Ausser dem Design ändert sich da praktisch nix! Die Daten waren vorher alle da und sind weiter alle da.
"facebook" ist dermaßen teuer, dass es sich kein Mensch wirklich leisten kann:
denn "facebook" bezahlt er mit all seinen Daten, seiner Identität, dem völligen Verlust seiner informationellen Selbstbestimmung", dem Verlust seiner Intim- und Privatsphäre und ist diesen facebook-Gangstern hilflos ausgeliefert!
Also: SOFORT ABMELDEN!
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