Digitale Kartendienste Straßenkampf um das mobile Netz

Apple und Google sind die Hauptkonkurrenten auf dem Markt für digitale Landkarten. Jetzt mischt auch Nokia mit.

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Landkarten auf Smartphones und Tablets gewinnen für Computerkonzerne massiv an Bedeutung. Apple und Google ringen längst um die Vorherrschaft. Jetzt mischt sich auch Nokia ein. Es geht um einen Milliardenmarkt. Und um die Zukunft der Technologie.

Von Pascal Paukner

Plötzlich ist Nokia wieder in den Schlagzeilen zurück. Doch ausnahmsweise geht es diesmal nicht um Massenentlassungen, Produktmängel oder den Börsenkursverfall. Es gibt stattdessen erste Anzeichen, dass der finnische Technologiekonzern mit dem neuen Vorzeige-Smartphone Lumia 920 einen Verkaufserfolg landen könnte. Produkttester attestieren gute Arbeit. In Deutschland und anderen Ländern ist das Gerät kurz nach Handelsstart ausverkauft. Eine Trendwende ist das noch nicht, eine Genugtuung nach Monaten voller Rückschläge, das ist es schon. Da kehrt auch Selbstvertrauen zurück.

Nokia ließ jedenfalls jetzt verlauten, dass man sich durchaus auf Augenhöhe mit den Weltmarktführern Apple und Google sieht. Dabei geht es aber nicht um die Produktion von Smartphones, sondern um einen anderen Milliardenmarkt der Zukunft. Es geht um digitale Landkarten, um Nokias neuen Internetdienst "Here". Vor allem aber geht es um die Zukunft der Technologie.

Als Apple im Juni ankündigte, Googles digitale Landkarten von seinem Betriebssystem zu tilgen, war das nicht einfach nur ein weiterer symbolischer Akt in der fortdauernden gegenseitigen Gängelung zweier Erzrivalen. Es war eine strategisch bedeutsame Entscheidung. Es war ein marktpolitisches Statement, das verdeutlichte, welch grundlegende Bedeutung den Kartenprogrammen auf Smartphones und Tablets im mobilen Internetzeitalter zukommt. Digitale Landkarten gehören zur Infrastruktur eines jeden mobilen Betriebssystems. Das Kartenprogramm eines Smartphones ist genau so wichtig wie der dort installierte Webbrowser, das Kameraprogramm oder der Kalender, weil immer mehr Anwendungen auf die Geodaten zurückgreifen. Das war es, was Apple mit seiner Entscheidung vor Augen führte.

Apple gibt vorläufige Kapitulationserklärung ab

Das ist auch der Grund, weshalb Apple in den vergangenen Jahren mit Placebase, Poly9 und C3 Technologies gleich drei Landkartenspezialisten aufgekauft hat. Als dann wenige Wochen später im September der verkorkste Start der eigenen Landkarten-Applikation einen tagelangen Proteststurm hervorrief, lieferte Apple gewissermaßen selbst den Beweis, welche Bedeutung digitale Handy-Landkarten inzwischen erlangt haben.

Der Protest ging so weit, dass sich Apple-Chef Tim Cook nach einer Woche genötigt sah, die Kunden in einem offenen Brief um Verzeihung zu bitten. Apples digitale Karten seien nicht mit den Qualitätsanforderungen, welche die Kunden an das Unternehmen stellten, in Einklang zu bringen, gestand er ein. Cook riet den Unzufriedenen, anstatt dem eigenen Produkt, die Produkte der Konkurrenz zu verwenden.

Es war eine Kapitulationserklärung - wenn auch nur eine vorübergehende. Längst wird Apple mit Hochdruck daran arbeiten, das Angebot zu aktualisieren und zu verbessern. Etwas anderes lässt die Situation auf dem zunehmend umkämpften Markt auch kaum zu.