Von Helmut Martin-Jung

Kinofilme werden bald vollständig digital produziert - die Technik dazu liefern deutsche Firmen.

Der fiese Agent legt an, drückt ab - und dann bleibt plötzlich die Zeit stehen. Während sich die Kamera scheinbar um den Schützen herumbewegt, sieht man in Superzeitlupe, wie das Projektil aus dem Pistolenlauf austritt und auf sein Ziel zufliegt. Doch keine herkömmliche Filmkamera könnte derart schnell um eine Szenerie herumwirbeln und dabei noch scharfe Bilder schießen.

Bonbonbunte Hubschrauberautos, die durch atemberaubende Gebirgspanoramen fliegen - mit digitaler Kinotechnik sind solche Effekte wie hier in Speed Racer kein Problem (© Foto: Warner Bros.)

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Die Bilder, die zu den spektakulärsten des Action-Films "Matrix" der Brüder Andy und Larry Wachowski aus dem Jahr 1999 gehören, stammen vielmehr aus 122 digitalen Fotokameras. Rund um die Szene auf Schienen geschraubt, wurden sie kurz nacheinander ausgelöst. Spielt man die Einzelbilder hintereinander ab, entsteht der Eindruck der Superzeitlupe - Daumenkino im Digitalzeitalter. Der weitaus größte Teil von Matrix wurde aber noch auf 35-Millimeter-Film gedreht. Doch auch der könnte in Zukunft von digitaler Technik verdrängt werden. Und die verspricht noch ganz andere Effekte.

Was in der Fotografie - auch im professionellen Bereich - längst Einzug gehalten hat, setzt sich mehr und mehr auch in der Filmbranche durch. Bewegte Bilder werden nicht mehr auf lichtempfindlich beschichtete Kunststoffstreifen aufgenommen, die erst entwickelt, fixiert und getrocknet werden müssen. Das Licht wird in digitalen Kameras von Chips mit Millionen winziger Sensoren eingefangen, die Leuchtstärken als Datensätze an die eingebaute Elektronik weitersenden.

Zur Sicherheit Magnetbänder

Gespeichert wird auf Medien, die man auch aus der Computertechnik kennt: auf Speicherkarten, Festplatten und zur Sicherheit noch auf Magnetbändern. "Die Technik, mit der man beim Film arbeitet, ändert sich komplett", sagt der Branchenpionier Gerhard Baier. Er ist Geschäftsführer des Technikausrüsters Bandpro Munich, der sich auf hochauflösende digitale Aufnahmetechnik spezialisiert hat. Wie sehr diese mittlerweile die Filmwelt bewegt, zeigt nicht zuletzt das Interesse an dem von Baier mitgegründeten und organisierten Münchner Branchentreff Digitale Cinematographie.

Vor sechs Jahren als eher intime Veranstaltung in kleinem Rahmen ins Leben gerufen, kommen mittlerweile Weltfirmen wie Sony jährlich ins Deutsche Museum, um ihre Produkte nicht nur zu zeigen, sondern auch in der Praxis testen zu lassen. Viele Spezialisten für digitales Kino müssen aber gar nicht erst anreisen: Deutschland und besonders der Raum München ist einer der weltweit führenden Standorte für moderne Filmtechnik.

Der Münchner Hersteller Arri zum Beispiel, der mit seiner "Arriflex"-Kamera einst das Filmschaffen revolutionierte, bietet auch für rein digitale Filmproduktionen die volle Palette. Auch andere, außerhalb der Branche weniger bekannte Firmen liefern Technik, ohne die Hollywood aufgeschmissen wäre. "Die meisten Bausteine für die digitale Produktion kommen aus Deutschland", sagt Amnon Band, Gründer und Chef von Band Pro Digital aus Kalifornien.

Der Kinofilm ist mittlerweile die letzte Bastion, für die noch überwiegend mit herkömmlichem Filmmaterial gearbeitet wird. Während beispielsweise Nachrichtensendungen für das Fernsehen längst zeitsparend digital produziert werden, entsteht bislang nur jeder zwanzigste Kinofilm digital. Das bezieht sich jedoch auf das Ausgangsmaterial: Bei mehr als der Hälfte aller Produktionen wird zwar noch auf Filmspulen aufgenommen, Schnitt sowie die Spezialeffekte werden dann aber am Computer erledigt.

Damit das funktioniert, muss der Filmstreifen durch Abtastgeräte laufen, die Einzelbild für Einzelbild scannen und in digitale Daten verwandeln. Doch die bislang geschätzten Vorteile von Filmmaterial - Farbtreue und hohe Auflösung - schwinden zunehmend angesichts des rasenden Fortschritts digitaler Aufnahmetechnik.

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