Digitale Bibliothek Europeana Schätze im Netz

Die digitale Bibliothek Europeana macht Millionen Zeugnisse der europäischen Kultur online verfügbar. Aber auch die öffentliche Bücherei hat Probleme mit dem Urheberrecht.

Von F. Brüning

Wahrscheinlich träumt jeder Wissenschaftler mit kleinem Geldbeutel davon, nicht mehr durch die Archive und Bibliotheken halb Europas reisen zu müssen, um die notwendigen Dokumente und Bücher für seine Forschung zu finden. Von heute an könnte dieser Traum wahr werden: Die europäische digitale Bibliothek Europeana geht online.

Internet-Bibliothek Europeana: Das Projekt vermittelt die gemeinsame europäische Kultur.

(Foto: Screenshot: Europeana)

Seit 2005 unterstützt die Europäische Kommission die Idee eines vielsprachigen Internetportals, über das die Kulturschätze in den Nationalbibliotheken, Archiven und Museen aller 27 Mitgliedsländer kostenlos und zur freien Verfügung zugänglich gemacht werden sollen. In einer zweijährigen Projektphase ist der heutige Prototyp von Europeana entstanden, für den bereits mehr als zwei Millionen Werke aus etwa 1000 europäischen Kulturinstitutionen digitalisiert wurden. Bis zum Jahr 2010 soll die Zahl der Werke verfünffacht werden.

Wer heute als Schüler, Student, Forscher oder interessierter Laie beispielsweise etwas über den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart erfahren möchte, findet in der digitalen Bibliothek Gemälde, Briefe und Originalpartituren des Musikers, sowie Konzertaufnahmen, die über die Nationalbibliotheken in ganz Europa verstreut sind.

Bislang hätte man dafür auf der Internetseite des Salzburger Mozart-Archivs oder beispielsweise in der Staatsbibliothek Berlin suchen müssen. Europeana ermöglicht Internetnutzern ein schnelleres und leichteres Arbeiten auch dadurch, dass Bild-, Text-, Ton- und Filmarchive miteinander vernetzt sind und somit gleich auf vier Ebenen geforscht werden kann. Meistens ist das sogar in der Sprache des jeweiligen Nutzers möglich.

Technische Probleme in Deutschland

Trotz aller Begeisterung für das Projekt stehen die Betreiber des digitalen Archivs noch am Anfang. Bislang ist nämlich erst ein Prozent der europäischen Archive digitalisiert. Frankreich hat dazu den mit Abstand größten Beitrag geleistet: 52 Prozent der Dokumente bei Europeana sind in französischen Sammlungen zu finden. Aus Deutschland kommen aufgrund "technischer Probleme", wie Jill Cousins, Programmdirektorin von Europeana erklärt, gerade mal ein Prozent der digitalisierten Objekte.

Die Europäische Kommission steht deswegen vor großen finanziellen Herausforderungen. In den Mitgliedstaaten müssen die technischen Voraussetzungen verbessert werden, um mehr Dokumente zu digitalisieren, und das Internetportal muss unterhalten werden. In den nächsten zwei Jahren sollen etwa 120 Millionen Euro aus dem EU-Forschungsrahmenprogramm in die Digitalisierung von Bibliotheken fließen. Europeana selbst soll von der Gemeinschaft mit jährlich zwei Millionen Euro gefördert werden.

Aber das sind längst nicht die einzigen Probleme, mit denen die neue digitale Bibliothek zu kämpfen hat. Es gibt schon längst privatwirtschaftliche Vorreiter, und manche Fragen der Urheberrechte sind auch noch nicht geklärt. Der Datenbank-Betreiber Google digitalisiert im Rahmen seines Projekts "Booksearch" ganze Bibliotheken. Europeana stehe dazu aber nicht in Konkurrenz, sondern sei eine Ergänzung, sagte Jill Cousins in Brüssel.

Hinter Europeana verbirgt sich auch ein politisches Anliegen. Es gibt kaum ein besseres Mittel als eine solche freiwillige, grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um die Idee einer gemeinsamen europäischen Kultur zu vermitteln. Wer sich demnächst noch fragt, was Europa eigentlich ausmacht, wird bei Europeana fündig werden.