Digitale Bestattung Der letzte Klick

Urne oder Sarg? Hinterbliebene wollen einfühlsame Beratung.

(Foto: Fredrik von Erichsen/picture alliance/dpa)

Das Berliner Start-up Mymoria will das Bestattungswesen digitalisieren und verspricht so Kostentransparenz. Ein Billiganbieter wollen die Macher aber nicht sein.

Von Mirjam Hauck

Mittlerweile geht fast alles online: einkaufen, Urlaub buchen, die Steuererklärung. Und auch das Lebensende lässt sich mittlerweile im Netz organisieren. Das Berliner Start-up Mymoria versteht sich als "digitales Bestattungshaus", das mit seinem Angebot den Beerdigungsmarkt ins Netz bringt und damit auch verändern will. Auf der Onlineplattform können Hinterbliebene eine komplette Bestattung für ihren verstorbenen Angehörigen planen. Aber auch für sich selbst kann man mit einigen Mausklicks Vorsorge für den Todesfall treffen.

Die drei Gründer, die unter anderem bei Unternehmensberatungen und dem Online-Hotelbuchungsdienst HRS gearbeitet haben, wollen mit Mymoria "eine Lücke schließen und den Tod durch das digitale Angebot enttabuisieren". Und sie versprechen dabei volle Kostentransparenz. Tatsächlich zeigt die Plattform detaillierte Angebotspakete für alle Bestattungsarten an - von Erd-, Feuer-, Baum- bis zur Seebestattung in verschieden teuren Ausführungen. So kostet die Erdbestattung in der günstigsten Variante "Unbegleiteter Abschied" zwischen 800 und 1600 Euro. Die "klassische" Variante inklusive Trauerredner, Beerdigungszeremonie und Blumenschmuck liegt bei 1400 bis 4000 Euro.

Der "Große Abschied" für 7000 Euro

Die Preisspanne richtet sich hier auch nach den Kosten des Sarges. Zur Auswahl steht beispielsweise unter anderem das eher schlichte Modell, in dem auch Papst Johannes Paul II. beigesetzt wurde. Der "Große Abschied" für bis zu 7000 Euro enthält neben der kompletten Trauerfeier noch Trauerkarten, eine Todesanzeige in einer Zeitung sowie die Abmeldung der Accounts bei Internet-Diensten wie Facebook und Co. In allen Angeboten standardmäßig enthalten sind die Überführung des Verstorbenen vom Sterbeort zum Friedhof sowie die Erledigung aller notwendigen Formalitäten wie die Sterbefallanzeige beim Standesamt oder die Abmeldung bei der Krankenkasse.

Grabsteine gibt es allerdings online nicht zu kaufen. Das Unternehmen stellt aber auf Anfrage und gegen Gebühr den Kontakt zu Steinmetzbetrieben vor Ort her.

Mymoria gibt es seit wenigen Monaten. Das Start-up, das 15 Mitarbeiter hat, finanziert sich derzeit noch über Investoren. Sie sehen in dem Start-up offenbar eine vielversprechende Geschäftsidee. Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 900 000 Menschen. Für Björn Krämer, Mitgründer und Geschäftsführer von Mymoria, sind vor allem der gesellschaftliche Wandel und die zunehmende Mobilität die Gründe, warum das Unternehmen gebraucht werde. "Die Kinder wohnen oft nicht mehr an dem Ort, an dem die Eltern leben." Der Todesfall werde so zu einer logistischen Herausforderung, die man online sehr viel einfacher planen könne. Und dank Mymoria könne auch jeder selber bereits Vorsorge treffen und die eigene Bestattung nach individuellen Wünschen planen und sich mittels Sterbegeldversicherung, Lebensversicherung oder Kontovollmacht so absichern, dass die Hinterbliebenen finanziell und auch emotional entlastet werden.

Bislang sind Bestattungshäuser im Internet noch ein Nischenthema. Laut einer aktuellen Umfrage von Infratest Dimap, die der Bundesverband Deutscher Bestatter in Auftrag gegeben hat, können sich 87 Prozent der Befragten nicht vorstellen, eine Bestattung für einen verstorbenen Angehörigen über das Internet zu beauftragen und zu bezahlen, ohne den Bestatter und sein Unternehmen vorher persönlich gesehen zu haben. Nur fünf Prozent können sich das überhaupt vorstellen und wiederum fünf Prozent würden einen ersten Kontakt über das Internet herstellen, aber dann doch persönlich mit dem Bestatter ins Gespräch kommen wollen.

Warnung vor Discountanbietern

Oliver Wirthmann, Pressesprecher des Verbandes, findet es durchaus sinnvoll, dass sich die Hinterbliebenen im Internet informieren. Allerdings sollten sie dafür die Website des Verbandes nutzen, auf der sie regionale Anbieter finden. Dort können sie drei Bestatter auswählen, die ihnen innerhalb von 48 Stunden ein Angebot machen. Diese seien zertifiziert und vor allem persönlich für die Angehörigen jederzeit vor Ort ansprechbar. Ausdrücklich warnt Wirthman vor Preisvergleichsportalen im Internet, die es auch für Bestattungen gibt: "Diese kassieren nur Provisionen und vermitteln an billige Discountanbieter. Eine Bestattung wird so zu einer menschenunwürdigen Entsorgung."

Als Billiganbieter versteht sich Mymoria ausdrücklich nicht. "Wir sind kein Discountbestatter und nehmen keine Provisionen", sagt Björn Krämer. Und auch die persönliche Beratung sei durch die ausgewählten und qualifizierten Bestatter vor Ort oder in deren Räumlichkeiten jederzeit gewährleistet. Und wer Gesprächsbedarf habe, für den sind über die Hotline des Unternehmens Mitarbeiter an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr erreichbar.

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