Die Zukunft des Internets Stirbt der Browser aus?

Browser waren lange Zeit das Fenster zum Internet. Doch diese Zeiten ändern sich.

(Foto: Screenshot Abstract Browser)
  • Die Idee vom einen großen Fenster ins Internet ist nicht mehr zeitgemäß. Für den guten, alten Webbrowser wird es eng.
  • Beim Durchschnittsnutzer geht die Entwicklung hin zu vielen kleinen Fenstern, auch Apps genannt.
  • Doch eine Hoffnung bleibt den Browserherstellern: der Power-Nutzer. Für ihn wird jetzt an neuen Lösungen gebastelt.
Von Sara Weber

Der Browser galt lange Zeit als wichtigster Zugangspunkt zum Internet. Doch die Rolle des Browsers ändert sich. Die romantische Idee vom einen großen Fenster, durch das man in das World Wide Web blickt - sie ist nicht mehr zeitgemäß.

Genauso wenig zeitgemäß: die aktuelle Browser-Generation. Der jüngste Browser, Googles Chrome, ist sieben Jahre alt. Chrome, Firefox, Internet Explorer und Safari - sie alle basieren auf veralteter Technologie. Von Updates kann das nur begrenzt aufgefangen werden. Zugleich werden die Ansprüche an Browser immer größer, denn mittlerweile ist fast alles direkt im Internetfenster möglich: Video schauen und schneiden, Bilder bearbeiten, grafisch komplexe Games spielen, telefonieren. Doch Programme, die direkt im Browser laufen, verbrauchen viel Arbeitsspeicher - und machen den Browser schwerfällig und absturzgefährdet.

Dabei ist eigentlich heute gar kein Browser mehr nötig, um ins Internet zu gehen - zumindest nicht für den Durchschnittsnutzer. Für ihn gibt es heute Apps. Apps sind praktisch und jeder, der ein Smartphone hat, nutzt sie so selbstverständlich, wie früher am PC Word und Solitaire. Jedes Programm hat sein eigenes Icon, an dem es einfach erkannt werden kann: Facebook ist blau, Whatsapp ist grün, iTunes ist lila und Instagram sieht aus wie eine kleine Kamera.

Sind Apps die Browser von morgen?

Immer mehr dieser Apps sind auch für den Desktop-Computer verfügbar. Um sie zu nutzen, muss man sich keine URL merken, nichts eintippen. Apps sind bequem - und das ist auch ein Grund für ihren Erfolg. Aus dem einen Fenster zur Welt sind so viele kleine geworden.

Zumindest in der Theorie. Denn einige Apps wollen genau das verhindern - und stattdessen selbst das werden, was der Browser mal war. Nur einfacher, bequemer, geschlossener. Die chinesische App WeChat etwa. Oft mit Whatsapp verglichen, ist sie so viel mehr: ein Messenger, über den man auch Essen bestellen, Nachrichten lesen, den Kontostand checken und Promis folgen kann. Slack, eine Kommunikationsplattform für die Arbeit, hat Dienste wie Dropbox (zum Speichern von Dateien), Zoom (für Videokonferenzen) oder Github (zum gemeinsamen Programmieren) integriert. Und in Ländern wie Indonesien und Nigeria wissen viele Menschen gar nicht, dass sie das Internet benutzen - erzählen aber begeistert von ihrer Facebook-Nutzung. So entstehen Über-Apps, die das Internet fast schon ersetzen und gleichzeitig selbst Teil des Internets sind. Eben ganz ähnlich wie früher der Browser.