So wie Larry Sanger, der Mitgründer der Web-Enzyklopädie Wikipedia, der den Verein früh wieder verließ. Sanger geißelt frustriert die gewollt "anti-elitäre Haltung" der Wikipedianer: "Als eine Gemeinschaft, die sich nicht als elitär begreift (was bedeuten würde, dass man die ungewaschenen Massen draußen lassen müsste), ist sie sogar ausdrücklich anti-elitär (was hier bedeutet, das man den Experten gar keinen Respekt zollt und unflätige Beschimpfung ausdrücklich toleriert.)" Prätentiöse Mittelmäßigkeit regiere das Projekt, getragen "von Leuten, die nicht kooperieren könnten und - noch schlimmer - nicht einmal kapierten, dass ihnen das Wissen fehlt."
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Der andere Wikipedia-Gründer, Jimmy Wales, der noch bei der Sache ist, hat im letzten Jahr eine Rede vor College-Studenten an der University of Pennsylvania gehalten. Es drängte ihn, seine Zuhörer von Wikipedia abzuhalten. Er bekomme dauernd E-Mails von Studenten, die sich darüber beschwerten, dass sie in Prüfungen mit falschem Wikipedia-Wissen durchgefallen seien. Er, Wales, kenne da kein Mitleid: "Um Himmels willen! Ihr seid doch auf dem College. Wie könnt ihr da diese Enzyklopädie für eure Studien nutzen!"
Das "Pew Research Center" in Washington hat im Sommer untersucht, welche Themen auf User-News-Sites wie Digg, Reddit und Del.icio.us für wichtig erachtet werden, mit dem Ergebnis: Als Ersatz für herkömmliche Medien kann sich der "citizen journalism" des Netzes nicht bewähren, vielleicht aber als Ergänzung. So versöhnlich muss man nicht sein: In der Nutzer-Hierarchie von del.icio.us gelangen nur drei Prozent der Nachrichten, die das Weltgeschehen bestimmen, auf die Plätze. Wesentlich wertiger werden hier Stücke über Kaffeekochen in Japan und die Beschaffenheit von Flugzeugsitzen empfunden.
Siamesische Zwilinge Internet und Beliebigkeit
Zugegeben: Klage darüber zu führen, dass Internet und Beliebigkeit siamesische Zwillinge sind, ist so sinnvoll, wie gegen den Wind zu pusten. Denn das Internet gibt es nicht - es ist alles, es ist nichts. Und, ja, es gibt hervorragende Expertenzirkel und phantastische Communities mit hoher Sachkenntnis. Niemand bestreitet den Wert, den die zum Weltarchiv gewordene Video-Abspielplattform Youtube bereits jetzt hat. Und, ja, es gibt diese schöne Open-Source-Bewegung, die so wunderbare Dinge wie Linux über uns gebracht hat. Hier werden Werte geschaffen. Kein Mensch würde das ernsthaft in Zweifel ziehen. Genausowenig wie die Tatsache, dass in Wikipedia viel brauchbares Wissen zu finden ist, wie gerade wieder eine vom Stern in Auftrag gegebene Studie belegt.
Aber wieso all das grundsätzliche Hallelujah auf den "User Generated Content", der nicht selten ein "Loser Generated Content" ist? Wollen wir uns nur über die paar Gala-Vorstellungen freuen, wenn Fehlinformation, Denunziation und Selbstdarstellung das Tagesgeschäft der Laufkundschaft im Netz ist?
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- Wikipedia Masse im Dilemma 23.07.2007
- Mitmachnetz Kiffen im Web 2.0 11.07.2007
Unnütze Hygienemaßnahmen
In einer Zeit, in der jeder Abiturient Journalist wird, weil er sich über ehrliche Arbeit erhaben fühlt, kann man Graffs Vorwürfe an das Web beinahe 1:1 auf die selbsternannten Qualitätsmedien übertragen.
Ich seh das inzwischen etwas anders, etwas differenzierter.
G:raff hat überwiegend recht,was die überwiegende Mehrzahl der User betrifft als auch die Beschreibung des Zustandes in vielen Bereichen des Internet betrifft.
Aber das ist nicht das ganze Internet! Und wenn G:raff nur in einem Nebensatz dem Internet auch was positives abgewinnt, so ist das für meine Begriffe zu wenig.
Weiter, wenn der erwähnte Suchbegriff "Kaffeemachen in Japan" in den vorderen Rängen platziert wurde, so ist das für mich ok und durchaus positiv zu bewerten.
Es ist doch für diese Gruppe ein Zugewinn, wenn sie jetzt mit Menschen kommunizieren können die das gleiche Hobby haben. Das kann, weiß Gott, das Printmedium nicht leisten!
Was bleibt? Ich finde den Rundumschlag von G:raff unangemessen und zu grob gerastert.
Umgekehrt sehe ich auch die Probleme der Printmedien, dass sie nicht in der Lage sind eine Rückbesinnung auf ihre eigentliche Domäne zu tätigen: Nämlich? mehr Qualität in ihren Artikeln einzubringen, weniger Mainstream, mehr Distanz zum Thema.
Dann die Prioritäten zu überarbeiten, was ist wichtig. Das eine Frau Will lesbisch ist und eine Partnerin hat, das interessiert doch nur den Boulevardleser. Und wenn ich den ansprechen muss ich mich nicht wundern, dass ich den auf einmal hier sehe, und damit ein anderes Image habe.
Die Amerikaner haben es doch schon fast hinter sich. Dort haben sie schon reagiert, nämlich mit Qualität,Qualität und nochmals Qualität und habe die Auflagenverluste gestoppt und sogar umgekehrt.
Das Idealbild entwirft der Printschreiber Graff:
"Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren und praktizieren bei journalistischem Fehlverhalten im besten Fall Sanktionierungen"
Meine Lebenserfahrung und Kontakte mit Journalisten stimmen damit nicht ganz überein.Ich meine eher, dass die Leserforen eine gewichtigere Fracht an Lebenserfahrung und Kompetenz enthalten( und weniger Alohol getränkt sind)als die der ,allerdings wenigen Reakteure , die ich kenne.
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dieser artikel ist für ein traditionsmedium wie die süddeutsche eine bodenlose peinlichkeit. der autor schreibt wie jemand, der wütend auf den bus ist, weil er ihn verpasst hat - ich hoffe, man schämt sich bereits und arbeitet an einer neuen sichtweise auf das thema.
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