Man schwärmt von "SchwarmIntelligenz" und attestiert, wie der Autor James Surowiecki, eine Weisheit der Vielen. Strikt selbstorganisierend - womit vornehm umschrieben ist, dass Geschwätz keine Organisation benötigt. Genauso gut könnte man allerdings einem Fliegenschwarm guten Geschmack unterstellen. Helmut Schmidts zeitloser Rat, dass derjenige, der Visionen hat, besser einen Arzt aufsucht, scheint nicht mehr viel zu gelten.
Schwarmintelligenz? (© Foto: Istock)
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Auch hierzulande kippen sich Visionäre immer öfter öffentlich einen hinter die Binde. "Prosumenten" nannte man die Netz-Diskurs-Hopper auf den letzten Münchner Medientagen. Das Wort bezeichnet Menschen, die Informationen zugleich produzieren wie konsumieren. "Prosumenten" klingt nach Proselyten, also nach Hinzugekommenen, die zwar alles ein wenig zu ernst nehmen, aber nicht so genau verstehen, was dieses Alles eigentlich ist.
Bis tief hinein in eine erschütternd arglose Öffentlichkeit herrscht indes Konsens darüber, dass das basisdemokratisch breiig getretene Wissen erstens in der gesichts- und charakterlosen "many-to-many"-Kommunikation des Web gut aufgehoben ist, und dass das zweitens nicht nur Okay ist, sondern auch die Zukunft. Der Kommunikationswissenschaftler Norbert Bolz spricht sogar "sozialpsychologisch" von einer "großen Befreiung".
Auswüchse des Absurditätenstadls
Bolz hat dem Spiegel ein Interview gegeben, in dem er die Auswüchse dieses Absurditätenstadls notiert. Man möchte sich beim Lesen dieses Interviews mit dem Mauskabel strangulieren: "Die einfache Orientierung an klassischen Autoritäten bricht zusammen. Man nimmt Politikern ihr Besser-Wissen nicht länger ab. Auch bei Anwälten und Medizinern ist die Erosion ihrer Autorität unendlich weit fortgeschritten. Für Ärzte ist das eine Katastrophe: Ihre Patienten sind auf einmal bestens informiert, fragen und fordern. Überhaupt sind alle, die mit Wissen umgehen, diesem Erosionsprozess ausgesetzt. An die Stelle von Autorität tritt dieses eigentümliche, breitgestreute, selbstkontrollierte Netzwerkwissen."
Nun, dieses Wissen ist gewiss eigentümlich und breitgestreut, aber es ist selten kontrolliert, auch nicht selbstkontrolliert, und ein Wissen ist es oftmals sogar gar nicht. Gemeint ist ja nicht nur die flirrende Suchmaschinenbildung, mit der man seinen Hausarzt demütigt. Gemeint ist auch pures Meinungswissen: unüberprüfbar, kühn, behauptend, flatterhaft, und vor allem: anonym in die Welt gesetzt, was Spaßvögeln und aber auch Denunzianten besonders entgegenkommt.
Die Opferseite internetvictims.de listet im Netz-Rauschen ein Panoptikum an Rufschädigungen, Beleidigungen, Verleumdungen und übler Nachrede auf. Da wird man fast wieder zum Fan von Eliten und auf jeden Fall zum Lobsänger der Differenz zwischen verantwortetem und - im mehrfachen Sinne des Wortes - verantwortungslosem Wissen.
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- Wikipedia Masse im Dilemma 23.07.2007
- Mitmachnetz Kiffen im Web 2.0 11.07.2007
Partnersuche zum Valentinstag
In einer Zeit, in der jeder Abiturient Journalist wird, weil er sich über ehrliche Arbeit erhaben fühlt, kann man Graffs Vorwürfe an das Web beinahe 1:1 auf die selbsternannten Qualitätsmedien übertragen.
Ich seh das inzwischen etwas anders, etwas differenzierter.
G:raff hat überwiegend recht,was die überwiegende Mehrzahl der User betrifft als auch die Beschreibung des Zustandes in vielen Bereichen des Internet betrifft.
Aber das ist nicht das ganze Internet! Und wenn G:raff nur in einem Nebensatz dem Internet auch was positives abgewinnt, so ist das für meine Begriffe zu wenig.
Weiter, wenn der erwähnte Suchbegriff "Kaffeemachen in Japan" in den vorderen Rängen platziert wurde, so ist das für mich ok und durchaus positiv zu bewerten.
Es ist doch für diese Gruppe ein Zugewinn, wenn sie jetzt mit Menschen kommunizieren können die das gleiche Hobby haben. Das kann, weiß Gott, das Printmedium nicht leisten!
Was bleibt? Ich finde den Rundumschlag von G:raff unangemessen und zu grob gerastert.
Umgekehrt sehe ich auch die Probleme der Printmedien, dass sie nicht in der Lage sind eine Rückbesinnung auf ihre eigentliche Domäne zu tätigen: Nämlich? mehr Qualität in ihren Artikeln einzubringen, weniger Mainstream, mehr Distanz zum Thema.
Dann die Prioritäten zu überarbeiten, was ist wichtig. Das eine Frau Will lesbisch ist und eine Partnerin hat, das interessiert doch nur den Boulevardleser. Und wenn ich den ansprechen muss ich mich nicht wundern, dass ich den auf einmal hier sehe, und damit ein anderes Image habe.
Die Amerikaner haben es doch schon fast hinter sich. Dort haben sie schon reagiert, nämlich mit Qualität,Qualität und nochmals Qualität und habe die Auflagenverluste gestoppt und sogar umgekehrt.
Das Idealbild entwirft der Printschreiber Graff:
"Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren und praktizieren bei journalistischem Fehlverhalten im besten Fall Sanktionierungen"
Meine Lebenserfahrung und Kontakte mit Journalisten stimmen damit nicht ganz überein.Ich meine eher, dass die Leserforen eine gewichtigere Fracht an Lebenserfahrung und Kompetenz enthalten( und weniger Alohol getränkt sind)als die der ,allerdings wenigen Reakteure , die ich kenne.
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dieser artikel ist für ein traditionsmedium wie die süddeutsche eine bodenlose peinlichkeit. der autor schreibt wie jemand, der wütend auf den bus ist, weil er ihn verpasst hat - ich hoffe, man schämt sich bereits und arbeitet an einer neuen sichtweise auf das thema.
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