Von Thorsten Riedl

Mit Konsolen können Hersteller sagenhaft viel Geld verdienen.

Die beiden japanischen Herren im Anzug haben eine Mission. Im Smart fahren sie durch Innenstädte und Vororte, besuchen Familien genauso wie Alleinlebende, Alte wie Junge. Im Koffer tragen sie ein Geschenk, das sie mit Verbeugung überreichen: ,,We'd like to play - wir würden gerne spielen.''

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Die beiden Werbehelden reichen so ihren Gastgebern die Spielsteuerung der TV-Konsole Wii von Nintendo. Botschaft des Werbespots: Daddeln ist mit der neuen Konsole nicht mehr nur etwas für eingefleischte Fans. ,,Wir glauben, dass Videospiele die Rolle von Brettspielen übernehmen: Sie werden ein Bestandteil des Lebens'', sagt Bernd Fakesch, Deutschlandchef von Nintendo.

Mit Start der Konsole von Nintendo sind jetzt alle Geräte der jüngsten TV-Spiele-Generation erhältlich. Microsoft hat mit der Xbox 360 einen Vorsprung von einem Jahr. Die Playstation 3 des Marktführers Sony gibt es in den USA und Asien bereits seit einigen Wochen, nach Europa soll sie im Frühjahr kommen. ,,Die Schlacht um die Herrschaft im Multi-Milliarden-Markt kann nun beginnen'', sagt Paul Jackson, Analyst beim Marktforschungshaus Forrester.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass jährlich mehr als 30 Milliarden Dollar mit Computer- und Videospielen umgesetzt werden - mehr als in der Filmwirtschaft. Alleine mit Spielen hat die Industrie 2005 in Deutschland 1,3 Milliarden Euro umgesetzt. 2006 soll der Markt nach Angaben des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware um zehn Prozent zulegen - auch wegen der neuen Nintendo-Konsole.

Nintendo war in Gefahr, mit dem bisherigen Produkt Gamecube den Anschluss zu verlieren. Mit der Wii brummt nun das Geschäft: In der ersten Verkaufswoche verkaufte man 600000 Konsolen in Amerika - Platzhirsch Sony nach Brancheninformationen nur 200000 Geräte. Nintendo-Chef Satoru Iwata glaubt, dass die Wii dem Konzern zu einem besseren Geschäftsjahr verhelfen werde. Die Nintendo-Aktien haben an Japans Börse seit Januar fast 90 Prozent gutgemacht. Sony hat drei Prozent verloren.

Die Hoffnung der Investoren ruht darauf, dass es Nintendo schafft, neue Zielgruppen zu begeistern. Mit der tragbaren Konsole Nintendo DS ist das gelungen. Das zunächst belächelte Spielekonzept mit zwei Bildschirmen verantwortet einen Großteil des aktuellen Erfolgs. In Europa hat sich die DS seit März 2005 sieben Millionen Mal verkauft. Fast die Hälfte der Spieler ist weiblich - völlig untypisch in der Industrie. Fakesch: ,,Frauen spielen genauso gerne wie Männer. Es haben nur die attraktiven Angebote gefehlt.''

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(sueddeutsche.de)