Deutschlands Umweltbilanz Exportschlager Elektroschrott

Mehr als 155.000 Tonnen Elektroschrott exportiert Deutschland jedes Jahr. Dabei werden selbst Geräte vom Sperrmüll noch als funktionstüchtig deklariert und in die Dritte Welt verschifft.

Mehr als 155.000 Tonnen zum Teil gefährlicher Elektroschrott werden jedes Jahr aus Deutschland in Länder außerhalb Europas exportiert. Darunter sind rund 50.000 Tonnen PC- und Fernseh-Bildschirme, wie aus einer vom Umweltbundesamt (UBA) auf der Technologiemesse Cebit in Hannover vorgestellten Studie hervorgeht.

Selbst defekte Geräte werden demnach zum Teil als "noch funktionstüchtig" umdeklariert und meist nach Asien und Afrika verschifft, wo sie nur selten umweltgerecht recycelt würden.

Die Studie belege die Dimension illegaler Exporte von Elektroaltgeräten, erklärte Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU). Sie mache zugleich deutlich, dass weitere Maßnahmen notwendig seien. Die Bundesregierung setze sich für eine klare europäische Regelung ein, nach der ein Exporteur nachweisen müsse, dass exportierte Geräte funktionstüchtig seien und es sich nicht um Abfall handele.

Elektromüllberge in Afrika

Nach der Studie des Hamburger Instituts für Ökologie und Politik (Ökopol) stammen die Geräte unter anderem von Flohmärkten, aus dem Second-Hand-Handel oder werden vom Sperrmüll geholt. Dann gehen sie häufig über Sammelplätze in den Export.

Mit den alten Elektrogeräten verlassen nach den Worten von UBA-Präsident Jochen Flasbarth aber nicht nur viele gefährliche Stoffe das Land. Es gingen auch Rohstoffe wie Gold, Kupfer, Platin oder Indium für den Rohstoffkreislauf verloren. Kostbare Rohstoffe vernünftig zu recyceln, sei bei steigenden Weltmarktpreisen gerade für viele Metalle auch "ein ökonomisches Gebot der Vernunft", erklärte Flasbarth.

Die UNO hatte Mitte Februar bereits vor gefährlichen Elektroschrott-Bergen in Schwellenländern gewarnt. Der Verkauf von Elektrogeräten wird nach Angaben des UN-Umweltprogramm UNEP in China, Indien sowie in Afrika und Lateinamerika in den kommenden zehn Jahren stark zunehmen.

Ohne weitere Anstrengungen zur sachgemäßen Sammlung und Wiederverwertung des Materials drohen nach Ansicht der Experten "gefährliche Elektromüllberge mit ernsthaften Folgen für die Umwelt und die allgemeine Gesundheit".