Debatte über Whistleblower New York Times schlägt Rückkehr Snowdens vor

Im russischen Asyl: Snowden während einer Videobotschaft, die der britische Sender Channel 4 ausstrahlte

Ist er ein Verräter, der hinter Gittern gehört? Oder erweist er der Gesellschaft einen Dienst? Die New York Times nennt Edward Snowden erstmals in einem Leitartikel einen Whistleblower - und fordert Gnade von Obama.

Edward Snowden ist ein Whistleblower, der nicht zu einer langen Haftstrafe verurteilt werden sollte - das fordert die amerikanische Zeitung New York Times. Erstmals bezeichnet das Blatt Snowden in einem Leitartikel als "Whistleblower". Gastautoren hatten ihn in der Times zwar schon so tituliert (hier, hier und hier). Die Meinungsredaktion, die die offizielle Haltung der Zeitung ausdrücken soll, hatte den Begriff jedoch bisher vermieden.

Damit positioniert sich die New York Times nun deutlich in der Debatte, wer Snowden ist: Ein krimineller Datendieb, der die nationale Sicherheit gefährdet? Oder ein Whistleblower, der der Gesellschaft einen Dienst erweist und Gnade verdient?

In den USA wird diese Diskussion erhitzt geführt. Die US-Regierung fordert weiterhin, Snowden ausliefern zu lassen. Der frühere Chef des Geheimdienstes NSA, Michael Hayden, forderte im Scherz dazu auf, Snowden auf eine Todesliste zu setzen.

In der Begründung der New York Times heißt es: "Die veröffentlichten Informationen haben eine enorme Bedeutung und haben Missbrauch offengelegt. Deswegen hat Mr. Snowden etwas Besseres verdient als ein Leben im ständigen Exil, in Angst und auf der Flucht." Es sei zwar möglich, dass er juristisch betrachtet ein Verbrechen begangen habe - Geheimnisverrat.

Allerdings habe er seinem Land auch einen großen Dienst erwiesen. Die Times zählt eine Reihe von Enthüllungen auf:

Die an US-Präsident Barack Obama gerichtete Empfehlung der Redaktion lautet: "Obama sollte seinen Mitarbeitern anweisen, einen Weg zu finden, um die Verunglimpfung von Snowden zu beenden und ihm Anreize dafür zu bieten, nach Hause zurückzukehren."

Snowden hat ein einjähriges Asyl in Russland bekommen, das im Sommer 2014 ausläuft.