Das Innenministerium machte keine Angaben, ob und inwieweit andere deutsche Ermittlungsbehörden die Überwachungssoftware eingesetzt haben könnten: "Im Übrigen sind die zuständigen Justiz- und Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder jeweils eigenständig für die Einhaltung technischer und rechtlicher Vorgaben verantwortlich."
Bild vergrößern
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat den Code des Trojaners abgedruckt. Ein Bundes-Trojaner? Oder doch ein Bayern-Trojaner? (© dapd)
Anzeige
Ermittlungen mittels heimlich installierter Computerprogramme verteidigte Bosbach grundsätzlich: "Das sind Ermittlungsmöglichkeiten, auf die der Staat nicht generell verzichten kann, weil er sonst in einer Reihe von Verfahren gar keine Beweise mehr erheben kann", erklärte er.
Soweit der Staat überhaupt Computer infiltrieren darf, "muss er Risiken eines Missbrauchs vorbeugen", erläuterte dagegen der ehemalige Bundesverfassungsrichter Wolfgang Hoffmann-Riem. "Es müssen wirkungsvolle Sicherungen eingebaut sein, sonst ist das Vorgehen rechtswidrig", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der maßgeblich für das Karlsruher Urteil zur Onlinedurchsuchung verantwortliche Richter fügte hinzu, jemandem Daten unterzuschieben, was mit einem Trojaner möglich ist, sei "in jedem Fall rechtswidrig".
Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger versprach "totale Transparenz und Aufklärung". Sie werde auf Bundes- und Länderebene prüfen, ob solch eine Überwachung in Deutschland zum Einsatz komme. "Wenn das so wäre, wäre es nicht im Einklang mit unseren Gesetzen", sagte die FDP-Politikerin in der ARD. Dann müssten geeignete Wege gefunden werden, das zu untersagen.
Christian Ahrendt, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, forderte in der Neuen Osnabrücker Zeitung ein konsequentes Durchgreifen: "Sollten sich Behörden im aktuellen Fall verselbständigt haben, kann das nicht ohne personelle Konsequenzen bleiben."
Der FDP-Politiker und frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum sagte in Hessischen Rundfunk, jetzt sei der Bundestag gefordert. "Ich möchte gerne wissen, wer hat das gemacht, welche Polizei- oder Sicherheitsbehörde in wie vielen Fällen." Der Chaos Computer Club sei glaubwürdig und habe offenbar klare Beweise vorliegen.
Auch der frühere Bundestagsvizepräsident und FDP-Politiker Burkhard Hirsch forderte in der Passauer Neuen Presse Konsequenzen. "Der Bundesinnenminister muss hier Klarheit schaffen und Stellung nehmen." Der SPD-Innenpolitiker Michael Hartmann erklärte, es dürfe nur ausnahmsweise und nur unter höchsten Auflagen möglich sein, einen Rechner auszuspähen. "Es darf aber niemals ein sogenannter Trojaner eingesetzt werden, der eine weitergehende oder beliebige Ausspähung ermöglicht."
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Thema
- Innere Sicherheit RSS
- Spähsoftware der Regierung Hacker entlarven Staatstrojaner als gefährlich und dilettantisch 10.10.2011
- Kritik an Überwachungssoftware Hacker knacken den Bundestrojaner 09.10.2011
- Datenklau beim LKA Leichte Beute für faule Hacker 22.07.2011
- Koalition verlängert Anti-Terror-Gesetze Übrigens, wir regieren noch 29.06.2011
- Streit um innere Sicherheit beendet Schwarz-Gelb verlängert Anti-Terror-Gesetze 29.06.2011
- Gipfel gegen islamistische Gewalt Zentralrat warnt vor Generalverdacht gegen Muslime 24.06.2011
- Terrorabwehr Friedrich will die Bundeswehr im Inland einsetzen 21.05.2011
(sueddeutsche.de/dpa/AFP/segi)
Bilder des Tages
Herr Bosbach, Beweise: Sie wissen nur allzugut, dieses kriminelle Treiben ist usus ...
CCC: Die Staatsschergen manipulieren mittels der Staats-Trojaner sämtliche Rechner, bevorzugt zu Beweiszwecken oder zur Beweisvernichtung: Die Ablage wird durcheinandergewirbelt, Dateien werden versteckt, gelöscht, manipuliert, ganze Texte verändert, usw. ... Die gewonnenen Informationen werden gegen einen verwendet, beziehungsweise von den Schergen zu eigenen Zwecken genutzt ... Die Schergen kümmern Gesetze nicht, ich schreibe das seit acht Jahren ...
CCC: Ich muss nicht erwähnen, dass ich bis einschließlich 2006 völlig von München aus operierte und folglich von München und Dresden aus - in Sachsen ist es nicht anders. Und die Vorgänge werden wie selbstverständlich bestritten ... Meine Strafanzeigen von den Staatsanwaltschaften abgeschmettert ...
CCC: Die Schergen nutzen die Daten ja nicht nur zur Datengewinnung, sie inszenieren mittels der gewonnenen Daten gezielt die Vernichtung in jedweder Hinsicht - mit Überwachung hat das leider nichts gemein. Die Praktiken sind Usus und werden von allen staatlichen und nichttaatlichen Organisationen vollends gedeckt ...
Ich weise seit acht Jahren darau fhin ...
die einzige aufgabe die der herr bosbach von der bürgerlichen koalition hat, ist den rechtsstaat zu schützen und nichts anderes.
Was dieser saubere Herr davon hält wissen wir spätestens seit der letzten Änderung des WaffG:
Art 13 GG interessiert ihn nicht die Bohne!
Sind nicht heute schon die Firewalls auf diesen Trojaner eingestellt?
ich werd gleich nachschauen, ob der Staat mir nicht einen Bundestrojaner untergejubelt hat, schliesslich bin ich schrecklich wichtig. Ich könnte ja am Ende noch kritische Kommentare im SZ-Forum schreiben... kein Wunder dass ich im Fadenkreuz der Geheimdienste stehe. Danke, CCC, ihr einzigen verbliebenen aufrechten Demokraten.
Paging