Dating-Website Okcupid "Männer sollten Nutzer anschreiben, die in ihrer Liga spielen"

Die Plattform Okcupid wird von 12 Millionen Nutzern weltweit angesteuert - die meisten stammen aus den USA.

(Foto: Okcupid)

Wer trifft welchen Liebes-Kandidaten - und warum? Onlinedating-Seiten sind eine riesige Datensammlung über Vorlieben und Verhalten ihrer Nutzer. Für das US-Portal Okcupid hat Mitgründer Christian Rudder sie analysiert.

Von Franziska Schwarz

Seit 2003 lernen sich Menschen bei Okcupid kennen. Die Webseite ist gratis, ein Teil der etwa zwölf Millionen Nutzer entscheidet sich für ein Bezahl-Abo, um Extra-Features zu nutzen, etwa um sehen zu können, von wem sie geliked wurden. Okcupid-Mitgründer Christian Rudder gibt offen zu, dass sein Team mit dem Portal regelmäßig experimentiert: So empfahlen sie Mitgliedern einmal absichtlich schlechte "Matches", um zu prüfen, was passiert. Als der in Harvard studierte Mathematiker das im offiziellen Blog berichtete, hagelte es empörte Reaktionen. Rudder verteidigte sich damit, dass auch andere Webseiten-Betreiber solche Experimente machten. Für sein Buch "Dataclysm", das im Februar 2016 auf Deutsch erscheint, hat er die Interaktionen der Nutzer und Metadaten von Okcupid ausgewertet.

SZ: Sie teilen mit, dass das Okcupid-Team im Grunde "nicht weiß, was es tut" - und alle ähnlichen Angebote auch nicht.

Christian Rudder: Richtig. Was ich damit sagen wollte, ist, dass soziale Netzwerke wie Friendster oder Facebook keine Vorbilder hatten. Sie waren gezwungen, sich auszuprobieren. Es gibt keine exakt wissenschaftliche Methode, einem Single einen anderen Single zu empfehlen. Oder, wie bei Facebook, einer Person ein bestimmtes Posting. Es gibt nur eines: ausprobieren.

Vorsätzliches Verlieben

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Aber Okcupid will die große Liebe empfehlen - das ist doch ambitionierter als bei Facebook.

Würde ich nicht sagen. Facebook steht vor der gleichen fundamentalen Herausforderung wie alle Webseiten: Den Leuten Sachen zeigen, die sie interessieren. Für Facebook ist das der Newsfeed, für uns sind es andere Singles, mit denen der Nutzer gerne mal ausginge.

Wie kam es zu der Idee?

Das Gründungsteam bestand aus Mathematikern und wir wollten unser analytisches, experimentelles Denken auf das Online-Dating anwenden - weil diese Webseiten damals einfach noch sehr simplifizierend und einfältig waren.

Aber diese Angebote operierten doch schon mit Fragebögen.

Schon. Aber bei einem damals in den USA sehr beliebtem Portal entschieden die Macher oft, wonach der Nutzer suchen sollte. Bestes Beispiel: Wer einen gleichgeschlechtlichen Partner wollte, konnte das nicht auswählen. Wir konzipierten unseren Algorithmus so, dass jeder selbst entscheiden kann, welche Fragen er wichtig findet und welche Antworten darauf ihm zusagen. Für wen zum Beispiel Religion bei der Partnerwahl maßgeblich ist, der beantwortet gezielt die Fragen dazu und der Algorithmus bezieht das ein. Wenn jemandem Religion egal ist, fällt das als Matching-Faktor raus. Der Nutzer bekommt dann sowohl sehr religiöse als auch atheistische Nutzer angezeigt.

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Sie haben für Ihr Buch Okcupid-Daten analysiert, welcher Befund hat Sie am meisten überrascht?

Erstaunlich fand ich, dass polarisierende Eigenschaften beim Dating von Vorteil sind. Klassisches Beispiel: Tattoos. Die einen finden sie sehr sexy. Die anderen abstoßend. Deshalb hat eine tätowierte Person ein sehr durchschnittliches Rating: Die anderen geben ihr meist einen oder fünf Sterne, kommt drei raus. Dennoch erhalten diese Nutzer meist ungewöhnlich viele Kontaktanfragen. Das Fazit: Es ist egal, ob jemand mein Profil ein bisschen sympathisch oder abstoßend findet. Eine Drei ist da genauso schlecht wie eine Eins. Es kommt auf die Fünf an.