Dating-App Mayze Diese Frau will Online-Dating weiblicher machen

Marianne Kraai will mit Mayze Online-Dating weiblicher machen.

(Foto: oH)

Tinder nur für Männer, Parship nur für Ältere? Die Dating-App Mayze will diese Lücke schließen und soll sich vor allem an partnersuchende Frauen richten. Gemacht hat sie die 28-jährige Marianne Kraai.

Von Mirjam Hauck

Dating-Plattformen boomen, etwa 8,4 Millionen Singles sind dort unterwegs um eine neue Liebe zu finden. Es gibt klassische Partnervermittlungen wie Parship, aber auch recht spezialisierte Apps, die nur Männer mit Bärten vermitteln. Hier müsste doch jeder und jede fündig werden?

Die 28-jährige Marianne Kraai sieht das anders. Für sie war bislang nicht das Passende dabei. Was also tun, wenn es das Gewünschte nicht auf dem Markt gibt? Einfach selber machen. Mayze heißt nun ihre Dating-App, die es seit Kurzem im Apple-Store gibt. Im Sommer 2016 hatte sie die Idee dazu, bei der Entwicklung war ihr guter Freund und ehemaliger Kollege Dominic Phillips beteiligt. Ihr gemeinsames Ziel: Online-Dating für Frauen besser machen. Zunächst in München, später sollen andere Städte wie Hamburg und Berlin folgen. Die App soll wie eine gute Bar funktionieren: Wenn Frauen da sind, kommen die Männer automatisch. Enstprechend ist auch das Preismodell: Studentinnen zahlen beispielsweise fünf Euro im Monat, Männer bis zu 20 Euro.

Vor sechs Jahren kam Marianne Kraai nach München - der Liebe wegen. In Amsterdam hatte die Holländerin ihren Master in Journalismus gemacht, in München fand sie einen Job beim Mode-Start-up Stylight. Dort hat sie schließlich verschiedene Marketing-Teams geleitet, Karriere gemacht.

Nach fünf Jahren hat sie gekündigt. Und zu dieser Zeit ging auch ihre Beziehung in die Brüche. Lange alleine bleiben wollte sie nicht. Aber wo lernt man jemanden kennen? Natürlich in Bars und Clubs. Aber mittlerweile eben vor allem über Apps wie Happen, Lovoo oder Tinder nutzt. Sie habe mit Tinder angefangen, sagt Marianne Kraai und auch ein paar Dates gehabt und mit einem oder zwei habe sie sich auch auch länger getroffen.

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Kein One-Night-Stand

Sehr gestört habe sie, dass viele Männer Apps wie Tinder zweckentfremdet nutzen. Um jemanden zu finden, der ihnen die Stadt zeigt, wenn sie beruflich in München sind. Oder sie suchen weibliche Mitarbeiter für ihr neues Start-up. Oder einen One-Night-Stand. Oder einfach neue Freunde. Oder sie wollen nur wissen, wie die Frauen in München aussehen.

"Und für die seriösen Partnervermittlungsportale, die mit wissenschaftlichen Algorithmen arbeiten, also Dienste wie Parship, Elitepartner und E-Darling, fühlte ich mich einfach noch zu jung", sagt Kraai. Wenn sie mal 35 sei und noch keinen Partner gefunden habe, mit dem sie Kinder haben wolle, dann würde sie diese bestimmt nutzen. Aber bis dahin habe sie ja noch Zeit. Dazu sei es ziemlich aufwändig, sich zu registrieren, und zudem kosten sie ihr zu viel Geld.

Weiblich klingen und weiblich sein

Mayze soll weiblich klingen und auch weiblich sein. Und nicht aus männlicher Perspektive gemacht sein wie beispielsweise Tinder. Bei Tinder können Männer bessere Sichtbarkeit kaufen und auch sogenannte "Superlikes". Männer können für 99 Cent auch Frauen anschreiben, wenn sich beide nicht gegenseitig gelikt haben. Frauen hätten das nicht nötig, sagt Kraai. Sie sollen lieber ihre App verwenden.

Um zu wissen, was Frauen wollen, hat Marianne Kraai etwa 80 Frauen interviewt. Die Älteste war 39, die jüngste 20. Und so hat sie herausgefunden, dass Frauen nicht mit Männern flirten wollen, die kleiner sind als sie. Also ist die Körpergröße bei Mayze eine Pflichtangabe. Und die meisten Frauen wollen eine längerfristige Beziehung und keinen One-Night-Stand. Deshalb gibt es strenge Vorgaben bei den Bildern. Zeigen Männer beispielsweise bei Tinder auf ihren Fotos, dass sie gerne im Freibad schwimmen oder mit nacktem Oberkörper angeln, geht das bei Mayze nicht. Die App hat strenge Vorgaben: Es müssen mindestens drei sein (Porträt und Ganzkörperaufnahme). Und es dürfen keine Nacktbilder sein, nichts oben-ohne und auch keine Sonnenbrille.

Das Matching funktioniert darüber, dass jeder seine Lieblings-Bars und -Clubs in der Stadt angibt. Hatte Kraai ihren Nutzern anfangs noch Münchner Szeneläden vorgeschlagen, müssen sie diese mittlwerweile selber aus einer Liste heraussuchen. "Wir haben festgestellt, dass die meisten unsere Vorschläge einfach akzeptiert haben, und dann hätten ja alle das gleiche gut gefunden", sagt Kraai.

Und ein bisschen Aufwand sollte ja beim Suchen und Finden der Liebe doch möglich sein.

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