Wenn Back-up-Festplatte und Sicherungsband zerstört sind, müssen Spezialisten ran. Im Labor hauchen sie der Hardware wieder Leben ein.
Die EDV-Leute hatten fast alles richtig gemacht. Die zentralen Daten des mittelständischen Betriebes aus dem Ländle waren auf getrennten Festplatten doppelt abgespeichert. Und schließlich gab es da auch noch die Sicherungskopie auf Band. Doch dann versagte eine der beiden Festplatten. Als man die Daten von der zweiten auf eine neue Platte überspielen wollte, ging auch die Reserveplatte kaputt.
Im staubfreien Raum retten Spezialisten Daten auf zerstörten Festplatten. (© Foto: oH)
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Blieb ja noch das Sicherungsband. Doch als man die Daten damit rekonstruieren wollte, stellte sich heraus, dass die Maschine das Band alle zehn Zentimeter zerknittert hatte - alle Daten waren weg, vom Auftragseingang über das Warenlager bis hin zu den Adressen von zigtausend Kunden.
Die Existenz der Firma ist bedroht
Datenunfälle wie dieser landen bei Peter Böhret. Er leitet das europäische Datenrettungsgeschäft von Kroll Ontrack, einem der größten Datenrettungslabors in Deutschland. Nicht alle der 9000 Fälle, die dort pro Jahr bearbeitet werden, bedrohen eine Firma gleich in ihrer Existenz.
"Aber", sagt Böhret, "elektronische Daten werden für viele Firmen immer wichtiger." So wichtig immerhin, dass man für die Rettung der Daten etwa auf einem Laptop gerne mehr bezahlt, als das gesamte Gerät wert ist.
So wie eine bayerische Autofirma, die ein Team zu wochenlangen Tests in die Wüste geschickt hatte. Als man die Daten zu Hause von dem tragbaren Computer in die Firmendatenbank überspielen wollte, hatte dessen Festplatte durch Hitze und Sand einen irreparablen Schaden erlitten - die wertvollen Testdaten waren nicht mehr zugänglich. Erst im Labor konnten die Daten dann doch gerettet werden.
Festplatten stellen das Gros der Speichermedien, die zu Datenrettungsfirmen gebracht werden. Nicht, weil sie so empfindlich wären: "Festplatten werden immer besser", sagt Böhret, sondern weil sie so weit verbreitet sind. 22 Millionen der kleinen Metallkästchen mit ihren rotierenden Scheiben sind allein in den Computern von Firmen und Behörden in Deutschland im Einsatz. 98 Prozent aller Datenrettungen betreffen Firmen und öffentliche Einrichtungen.
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Vielleicht könnte mal jemand die Adresse der Firma an das Zentrum für Nachrichtenwesen der Bundeswehr weiterreichen. Das hat doch erst vor drei Monaten zugegeben, dass es die Daten der Auslandseinsätze der Jahre 1999-2003 (Kosovo, Afganistan) nicht mehr rekonstruieren konnte.
Zur Erinnerung: http://www.sueddeutsche.de/deutschland/artikel/333/120182/