Datenschutz Was Baby-Fotos mit der Vorratsdatenspeicherung zu tun haben

Bitte Kinder nicht auf Facebook zeigen! Eine Warnung der Polizei Hagen macht Furore. Was für eine Ironie - kurz vor der Abstimmung über die Daten der Bürger.

Ein Kommentar von Detlef Esslinger

Das Interessanteste bei Facebook sind oft die Selbstporträts, die die Leute schreiben, ohne es zu merken. Man muss nur betrachten, was manche dort so posten, und man staunt, was sie alles bloßstellen: einen Hang zu Häme, Bescheidwisserei und Eitelkeit; ja, zu einer Gefallsucht, die außerhalb von Facebook offenbar nie befriedigt worden ist.

200 000 Shares für eine Behörde aus der westfälischen Provinz

Die Polizei in Hagen hat nun, ebenfalls per Facebook, die Leute ermahnt, vorsichtiger zu sein - zumindest dann, wenn sie nicht nur ihr eigenes Leben ausstellen, sondern auch noch das ihrer Kinder. Aus Säuglingen werden Schüler, und die finden es womöglich nicht lustig, wenn andere sich den Mund zerreißen übers Babyfoto unten ohne; von Pädophilen ganz zu schweigen. Am Dienstag posteten die Beamten aus Hagen ihre Warnung, und bis Donnerstag wurde sie 200 000-mal geteilt. Solch eine Resonanz hat eine Behörde aus der westfälischen Provinz wohl noch nie gefunden.

An diesem Freitag wird der Bundestag die Vorratsdatenspeicherung beschließen. Für sie gibt es ebenso gute Argumente wie dagegen. Der Alltag bei Facebook jedoch zeigt: Für sehr viele Bürger ist Datenschutz kein Thema, das sie auch nur am Rande bewegt. Die Vorratsdatenspeicherung soll der Polizei helfen - was für eine Ironie, dass ausgerechnet die jetzt versucht, den Bürgern ein Gefühl für Datenschutz zu vermitteln. Früher, in der Zeit vor Facebook, lief das andersherum.

Was Sie über die Vorratsdatenspeicherung wissen sollten

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