Datenschutz beim iPhone Apple und US-Regierung prügeln sich öffentlich

iPhones enthalten viele private Daten

(Foto: AP)

Macht der iPhone-Konzern nur Werbung, wenn er sich weigert, das Handy eines Terroristen zu knacken? Apple antwortet scharf.

Analyse von Hakan Tanriverdi, New York

Die US-Regierung hat den Druck auf den iPhone-Hersteller Apple am Freitag auf ein Maximum erhöht: In einem 35-seitigen Schreiben an das Gericht versuchen Anwälte der US-Regierung Apple als Unternehmen darzustellen, das sich nicht an Recht und Gesetz gebunden fühle.

"Die Weigerung von Apple, der Entscheidung eines US-Richters nachzukommen, obwohl es technisch machbar wäre, scheint auf der Sorge für das Geschäftsmodell und der Marketing-Taktik zu beruhen", heißt es in dem Schreiben. Apple inszeniere sich also als Unternehmen, das es selbst mit der US-Regierung aufnimmt, um den Kunden zu demonstrieren, für wie wichtig man deren Privatsphäre erachtet.

Apple wiederum hat nach dem Schreiben umgehend reagiert und wirft der US-Regierung nach Angaben das Guardian vor, Forderungen zu stellen, die selbst Chinas Ansprüche übertreffen würden.

Der Brief ist der Höhepunkt eines Streites, der seit längerem geführt wird. In den vergangenen 72 Stunden ist der öffentliche Schlagabtausch eskaliert. Nach Recherchen mehrerer US-Medien habe sich das FBI monatelang auf einen Fall wie diesen vorbereitet.

Worum es in dem Fall geht

Das FBI will Zugriff auf das iPhone des Terroristen und IS-Sympathisanten Syed Rizwan Farook. Er und seine Frau Tashfeen Malik hatten im vergangenen Dezember im kalifornischen San Bernardino 14 Menschen getötet und 22 weitere verletzt. Die Täter wurden später von Polizisten erschossen. Es handelt sich um ein iPhone 5C, das Betriebssystem ist allem Anschein nach iOS 9.

Beide Details sind wichtig: Erstens, Das iPhone 5C ist ein Modell, dem Sicherheitsvorkehrungen von späteren Modellen fehlen. Zweitens: Hätte es sich um das Betriebssystem iOS 7 gehandelt, wäre es für Apple kein Problem gewesen, zu helfen. Denn erst mit iOS 8 wird das Smartphone derart geschützt, dass selbst Apple keine Daten mehr aus dem Gerät pressen kann.

Wichtig zu wissen ist außerdem: Apple hat nach Angaben der New York Times die Daten auch deshalb verschlüsselt, weil das Unternehmen sich zunehmend vom FBI so behandelt fühlte, als ob es ein zusätzlicher Ermittler wäre. Das ging demnach so weit, dass Beamte von Apple verlangt haben, den Zugriff auf ein Telefon sicherzustellen, das überhaupt nicht durch ein Passwort gesichert war - sie hatten es also nicht einmal überprüft, im Vertrauen darauf, dass Apple diesen Teil des Jobs schon übernehmen werde.

"Für die Regierung war das vielleicht der perfekte Testfall", heißt es in der New York Times. "Ein Fall, bei dem Apple die Geheimnisse eines Terroristen schützen würde."

Beobachter befürchten, dass eine Entscheidung im Sinne der Regierung sämtliche US-Unternehmen zu einem ähnlichen Schritt auffordern könnte und ein effektiver Schutz vor einem überbordendem Staat nicht mehr möglich wäre. Die Regierung würde den Unternehmen des Silicon Valley effektiv vorschreiben, wie diese ihre Produkte zu gestalten haben.

Auf der anderen Seite wird kritisiert, dass Apple sich im vorliegenden Fall auf die Seite von Terroristen schlage. Der republikanische Präsidentschafts-Kandidat Donald Trump drohte mit einem Boykott von Apple-Produkten, sollte sich das Unternehmen weiterhin weigern (weitere Reaktionen von US-Politikern finden Sie hier).