Dass es Kriminelle in Zukunft schwerer haben werden, weil die jüngere Generation schon mit den Tücken des Internet aufwachsen, daran haben Experten Zweifel. Eher das Gegenteil könnte der Fall sein. Christian Huber arbeitet beim Fachkommissariat Internetkriminalität in München. Sein Problem mit der virtuellen Kriminalität: "Sie ist sehr abstrakt. Wenn jemand mich verprügelt oder mir etwas klaut, dann ist das konkret. Aber Internetbetrug ist kaum greifbar."

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Schutzmechanismus Bauchgefühl

Dabei macht er sich vor allem um die Jugendlichen Sorgen: "Den jungen Menschen fehlt das Gefühl dafür, was Identitätsklau bedeutet und was es für Auswirkungen haben kann." So sei es unter Jugendlichen gang und gäbe, sich auf Netzwerk-Seiten im Internet wie zum Beispiel bei lokalisten.de eine falsche Identität aufzubauen. "Es fehlt das Problembewusstsein", sagt Huber. Dementsprechend aufwendig ist die Arbeit von Polizist Ther, wenn er in Schulen Aufklärungsarbeit leistet. "Jugendliche lassen sich leider im Internet sehr schnell blenden", so Ther.

Außerdem fehle im Internet das Zwischenmenschliche: "Wenn jemand an der Tür läutet und mich zu etwas überreden will, dann meldet sich schon mal das Bauchgefühl. Im Internet fehlt das leider."

Peter Herrmann hätte das beste Bauchgefühl nicht geholfen, er hat keinen Fehler gemacht. Seine Daten wurden ausspioniert. Eventuell, so vermutet es die Polizei derzeit, bei einem Lohnsteuerhilfeverein. Der Verein kann dafür wohl nichts - er wurde selbst ausspioniert. Herrmann hat sich sehr geärgert. Über die Bank, die die Richtigkeit der Lastschrift nicht überprüft. Und über Ebay, das die Identität von "bine0726" nicht gegengecheckt hat. Dies hat ihm einige schlaflose Nächte bereitet. Wenn er die Geschichte heute erzählt, kann er aber darüber lachen.

Sein Konto hat er nicht aufgelöst, aber er überprüft die Kontoauszüge noch gründlicher als zuvor. "Auch bei Ebay ersteigere ich wieder ab und zu etwas. Nicht mehr so viel, es macht mir keinen Spaß mehr", sagt Herrmann. Nur dem Lohnsteuerhilfeverein hat er den Rücken gekehrt - "auch wenn ich weiß, dass der Verein wirklich nichts dafür kann". Jetzt ist er stattdessen bei einem Steuerberater, erzählt er und lacht: "Schon allein deshalb ist die ganze Geschichte für mich recht teuer ausgegangen."

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(SZ vom 18.08.2008/gut)