Datendienste Mobiles Internet ohne Grenzen

Mobilfunkgesellschaften investieren in mobiles Internet. Sie locken Kunden mit neuen Angeboten und günstigeren Preisen - und wollen so dem Umsatzrückgang entgegensteuern.

Von Caspar Dohmen und Thorsten Riedl

Die Mobilfunkgesellschaften versprechen sich von dem mobilen Internet kräftiges Wachstum. Dabei locken sie die Kunden mit neuen Angeboten und günstigeren Preisen. Vor Eröffnung der Messe Cebit präsentierten sowohl der Marktführer T-Mobile als auch der härteste Verfolger Vodafone einen Pauschaltarif von 79,95 Euro für unbegrenztes Telefonieren in alle Netze. Lange Zeit hatten sie solche Pauschalen gescheut, weil sie die Nutzung durch die Kunden nur schwer abschätzen können. Das Problem: Die Anbieter zahlen bei der Überleitung von Gesprächen in Konkurrenznetze Gebühren. Geschieht dies zu häufig, dann kann eine Flatrate für den Netzbetreiber zu einem Verlustgeschäft werden. Vorreiter ist in Deutschland seit gut einem Jahr der drittgrößte Mobilfunker E-Plus.

Cebit, ddp

Cebit 2008: Vor Eröffnung der Messe Cebit präsentierten sowohl der Marktführer T-Mobile als auch der härteste Verfolger Vodafone einen Pauschaltarif von 79,95 Euro für unbegrenztes Telefonieren in alle Netze.

(Foto: Foto: ddp)

T-Mobile verzeichnete wegen des Preisverfalls trotz kräftiger Zuwächse bei den Kundenzahlen im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang, ebenso wie die Konkurrenten Vodafone D2 und O2. Mit einem Ausbau des Datengeschäfts wollen die Unternehmen gegensteuern. Um die Nutzung des mobilen Internets zu steigern, senkte T-Mobile auch einige andere Tarife. Für die unbegrenzte Nutzung von Datendiensten mit dem Handy fallen monatlich zehn Euro an, über den PC sind es 35 Euro. In diesem Jahr erwartet T-Mobile, erstmals mehr Umsatz mit mobilen Datendiensten zu erzielen als mit SMS. Allerdings wird die Sprache noch lange wichtigste Einnahmequelle der Mobilfunker bleiben, derzeit entfallen darauf vier Fünftel der Umsätze.

Endgeräte der Androide-Generation

Den Datenumsatz wollen die Netzbetreiber mit neuen Angeboten ankurbeln. So können T-Mobile-Kunden bald über das Handy ihren Videorecorder programmieren, Vodafone-Kunden können gleichzeitig ihre Musik für Handy und PC zusammenstellen. Dabei setzen die Mobilfunker auch auf neue Endgeräte der Androide-Generation. Diese entwickelt der Konzern Google mit Partnern wie T-Mobile und Samsung.

Die Mobilfunkgesellschaften sind nicht die einzigen, die sich Hoffnung auf die Erlöse aus dem Internet für unterwegs machen. So hat Yahoo für Dienstag auf der Cebit eine Pressekonferenz anberaumt, bei der die Strategie auf dem Handy im Mittelpunkt stehen soll. Zuvor hatte bereits T-Mobile angekündigt, Yahoo künftig als Suchmaschine auf seinen Handys einzusetzen. Die Internetsuchmaschine Google hatte ihr Konzept für das mobile Netz schon im Februar bei der Mobile World in Barcelona präsentiert. Während Yahoo ein Softwarepaket für das Handy entwickelt, arbeitet der Rivale an einem Betriebssystem. Werbung soll dabei zunächst im Hintergrund stehen, hieß es in Barcelona, wird aber als nächster Schritt von Google erwartet. Microsoft vertreibt mit Windows Mobile ebenfalls ein Handy-Betriebssystem, bei dem Reklame bislang noch kein Thema ist.

Als würden die gegensätzlichen Interessen von Mobilfunkern und Internetfirmen nicht genügen, verschärfen die Handyhersteller mit ihren Ansprüchen noch den Verteilungskampf. So will sich der weltweit größte Hersteller von Mobiltelefonen nicht länger damit begnügen, reiner Lieferant von Hardware zu sein. Nokia hat bereits verschiedene Dienste vorgestellt: das Portal Ovi, mit dem sich Daten über das Internet austauschen lassen, den Musikdienst, der bald auch in Deutschland starten soll oder Satellitennavigation über eingebaute GPS-Empfänger in den Handys. Finanziert werden soll das Ganze auch über Werbung im mobilen Netz. So hat Nokia-Chef Olli-Pekka Kallasvuo ein Werbenetz gegründet, dem Mobilfunk- und Medienunternehmen angehören. Die Telekom bestritt allerdings, dass sie wegen des Streits mit Nokia künftig dessen Geräte auslisten wollte.