Neu ist dabei die Möglichkeit, mit anderen zusammen zu spielen. Die Apple-Handys koppeln sich dazu per Bluetooth oder sogar über das Internet und zeigen die verschiedenen Blickwinkel auf das Spielbrett oder die animierte Szenerie. Überhaupt ist die Phantasie Tausender Programmierer zurzeit Apples größtes Kapital im Konkurrenzkampf mit seinen Verfolgern. Deren Hardware holt erkennbar auf, aber niemand hat auch nur annähernd so viel Software im Angebot.

iPhone, AFP

Die Phantasie Tausender Programmierer ist zurzeit Apples größtes Kapital im Konkurrenzkampf mit seinen Verfolgern. (© Foto: AFP)

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Es gibt Programme, die stillende, berufstätige Mütter beim Abpumpen ihrer Milch im Büro unterstützen, die in der Not Hilfe beim Binden des Krawattenknotens leisten oder das iPhone einen Anruf vortäuschen lassen, um sich aus einem langweiligen Meeting entschuldigen zu können. Andere Apps zeigen den Stand der Sterne oder der Bundesliga-Tabelle, holen Songtexte zum Mitgrölen im Rockkonzert und produzieren zum Schutz der Ohren danach weißes Rauschen. 50.000 Programme, sagt Apple, gebe es inzwischen im App Store.

Selbstbeschränkung für eine längere Durchhaltefähigkeit

Die Vielfalt und die Nützlichkeit haben aber ihren Preis: Das iPhone braucht Energie, und die Batterie ist relativ schnell erschöpft. Der Hersteller hat dem neuen Modell einen besseren Akku eingebaut als dem alten, darum sollte es eigentlich auch länger Strom bekommen. Doch in diesem Test, mit allen Funkstandards aktiviert, ständigen E-Mail-Checks und vielen Fremdprogrammen, hat das Apple-Handy selten auch nur 24 Stunden durchgehalten.

Meist musste es sowohl zu Hause als auch im Büro ans Ladegerät. Auch im Internet beschweren sich etliche Nutzer, mit dem Update auf das Betriebssystem 3.0 sei die Durchhaltefähigkeit ihres Geräts gesunken - sie hoffen nun, dass Apple die Version 3.1 etwas energieeffizienter auslegt.

Einstweilen kann jeder Nutzer das Gerät zur Sparsamkeit anhalten, indem er sich selbst beschränkt. Wird die E-Mail in der sogenannten Push-Funktion empfangen, bei der ein speziell dafür ausgelegter Server die elektronische Post sozusagen auf das Handy drückt (früher das Alleinstellungsmerkmal von Blackberry-Geräten), dann hängt das iPhone eben ständig am Funknetz und verbraucht Strom.

Apple empfiehlt ansonsten den Bildschirm etwas dunkler einzustellen, Ortungsdienste und WLAN-Empfang abzustellen, oder das Gerät unterwegs gar im Flugmodus zu betreiben. Die Umstellungen verlangen jeweils nur wenige Klicks, dennoch werden die meisten Nutzer wohl darauf verzichten, weil sie fürchten zu vergessen, die Funktionen wieder anzuschalten.

Dem deutschen Akzent kann man nur schwer entkommen

Zum Schluss noch etwas über die Sprachsteuerung mit dem deutschen Akzent. Im neuen iPhone-Modell erscheint nach einem langen Druck auf den sogenannten Home-Button, dem einzigen physischen Knopf auf der Vorderseite des Geräts, die Sprachsteuerung.

Wer nicht weiß, was er sagen soll oder kann, dem zeigen es im Hintergrund durchlaufende mögliche Kommandos wie "Wähl" oder "Spiel Wiedergabeliste" oder "Pause" oder eben "Welcher Song ist das?". So lassen sich die Telefon- und iPod-Funktionen steuern.

Ohne dass es angelernt werden muss, sucht das Apple-Handy zum Beispiel alle Frauen mit dem Vornamen Sabine aus dem Adressbuch und liest sie samt Familiennamen vor, wenn man "wähl Sabine" hineinspricht. Wenn der Nutzer die richtige Dame ausgewählt hat, fragt das Gerät noch, ob die Büro-, Privat- oder Handynummer gewünscht ist. Zum Musikhören genügt ein Kommando wie "spiel Herbert Grönemeyer" oder "nächstes Lied".

Praktisch ist die Sprachsteuerung vor allem dann, wenn das iPhone in der Tasche die Tastensperre aktiviert hat: Statt es aufzuwecken, den Code einzugeben und zum gewünschten Programm zu navigieren (neun Klicks oder Bewegungen auf dem Bildschirm), genügt der lange Druck auf Home und ein gesprochenes Kommando.

Dem deutschen Akzent kann man dabei schlecht entkommen: Wer die Sprachsteuerung auf Englisch umschaltet, dem erklärt die Computerstimme (dann eher weiblich als männlich) zwar schnarrend, da laufe "Dance till we're high by The Fireman", dafür funktioniert der Telefonanruf zu "Sabine" nicht mehr.

Bei internationalen Interpreten muss sich der Nutzer schon dem deutschen Akzent seines Handys anpassen - das wirkt immer dann peinlich, wenn andere Menschen dem Kommando zuhören könnten. Es sei denn, man macht eine Show für seine Freunde daraus.

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(sueddeutsche.de/af)