Sicherlich hat unser Leben in den vergangenen 15 Jahren nichts so verändert, wie das World Wide Web und die mobile Technik. Wirklich verändert hat sich jedoch unser Alltag. Die kulturellen Leistungen des Internets sind bisher noch marginal.
Marketing im popkulturellen Kontext: US-Komiker Stephen Colbert präsentiert sein iPad auf der Grammy-Verleihung (© Foto: Reuters)
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Fast alle epochalen Texte, die das Internet hervorgebracht hat, beschäftigen sich mit: dem Internet. Tauschbörsen und iPod haben die Musikindustrie verändert, nicht die Musik - niemand hat Beethoven bisher so letztgültig dirigiert wie Furtwängler, Miles Davis' "Kind of Blue" ist immer noch die beste Jazzplatte aller Zeiten, der Pop produziert seinen Überfluss an wunderbaren Ideen weiterhin auf der Basis von so handwerklichen Genres wie Rockmusik und Hip-Hop. Und visuell haben Computer und Internet bisher weder in der Kunst noch im Design nennenswerte Spuren hinterlassen.
Wer wissen will, wie sich die Computerwelt zur Kultur verhält, sollte Steve Jobs' Essay "Thoughts On Music" vom Februar 2007 lesen. Jobs' Gedanken über die Musik drehen sich um Speicherkapazitäten, Dateiformate und Urheberrechtsprobleme. Jobs' Text ist nur ein Beispiel dafür, dass die Kulturdebatten rund um das Internet Wirtschafts- und Technikdiskurse sind und keine inhaltlichen oder ästhetischen Auseinandersetzungen.
Abklatsch des "Rebel Consumer"
Und doch gab es seit der E-Gitarrenfabrik Fender keine Elektronikfirma, die das Image vom rebellischen Hipster so erfolgreich für sich vereinnahmt hat wie Apple. Die Computerfirma kann allerdings noch so viel Anzeigen mit den Konterfeis von Miles Davis und Picasso schalten, letztlich ist die subkulturelle Aura von Apple nur ein zeitgenössischer Abklatsch des "Rebel Consumer" aus der Werbewelt der Autoindustrie in den sechziger Jahren.
Apple tat sich da nur leichter als die Hersteller von familiengerechten Viertürern. Die Computerkultur besaß schon früh all die Attribute, mit denen Beatniks, Hippies und Hipster die prägenden Subkulturen der letzten sechzig Jahre definierten - die kodierte Zeichenwelt aus Jargon und Abstraktion, die handwerkliche Virtuosität, die hämische Arroganz des Eingeweihten sowie das revolutionäre Potential.
Doch das revolutionäre Potential der digitalen Technologien und des Internets ist ein Impuls aus der Wirtschaft. Amazon hat den Einzelhandel revolutioniert, Google die Welt der Bildung und Information, der iPod hat die Musikindustrie auf den Kopf gestellt und das iPad könnte das gleiche mit den Film- und Spieleindustrien tun. Da gibt es weder ein Utopia noch ein Dystopia. Da gibt es Märkte, Vertriebswege und Renditechancen.
Der Reiz der gesteigerten Produktivität
Spätestens mit der Popularisierung des Internets durch Zugangsprogramme von Anbietern wie America Online und Compuserve folgt die Dynamik des Internets den Naturgesetzen der Geldströme in der freien Marktwirtschaft. Geld verdient man in der digitalen Welt entweder mit dem Verkauf von Software und Geräten oder mit der Bereitstellung von Übertragungswegen wie Kabel- oder Mobilfunknetzen. Mehr kann und will die digitale Welt gar nicht.
Alles andere, die neuen Formen der Kommunikation und der Vernetzung, sind gesellschaftliche Anwendungen neuer Technologien. Der Reiz beruht auf dem Prinzip der gesteigerten Produktivität. Diese Produktivität hat zwar zunächst einmal einen rein gesellschaftlichen Wert, im Gegensatz zur gesteigerten Produktivität des Kulturkonsums durch komprimierte und damit mobile Kulturgüter. Und doch ist die eigentliche Dynamik die einer wirtschaftlichen, nicht einer kulturellen Entwicklung.
Das iPad stellt nun eine perfekte Symbiose aus den Entwicklungen der Wirtschaft und der Technik her. Es macht mit seinem geschlossenen System aus dem Nutzer einen Konsumenten und eröffnet damit die Zielgruppe der Technikbanausen; es bindet kulturelle Inhalte über iTunes und iBookstore an ein einziges Gerät; es zwingt zum Abschluss eines neuen Mobilfunkvertrages. Kultur und soziale Funktionen sind da nur Schmierstoff in einer Industrie, die davon lebt, die Aufmerksamkeit ihrer Kunden zu jeder Zeit so lange wie möglich an ihre Produkte zu binden.
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(SZ vom 01.02.2010/joku)
Surfrider Beach in Malibu
Oh mei...
Wasn los bei Euch in Minga?
Vielleicht mal das SZ Magazin vom Freitag studieren. Zum Thema Ideen und so....
Ich tu mir ja hart mit Prognosen, aber mein kleines bisschen Phantasie reicht schon aus, um mir eine durchaus nachhaltige Wirkung vom iPad (und allen anderen folgenden Geräten dieser Art) vorzustellen.
Ein Beispiel:
Schule. Das IPhone ist zu klein. Der Laptop zu groß und bietet zu viele Möglichkeiten der Ablenkung. Ein iPad mit entsprechender Software ....
Noch eines:
Krankenhaus:
Visite. Gleiches Thema wie oben. Gerade im Bereich Gesundheitswesen ist IT noch auf dem Stand von vor 500 Jahren. Hier gäbe es viel zu tun für das Wohl der Menschheit, und vieles davon hängt mit der schnellen und bequemen Verfügbarkeit von Daten zusammen. Wenn der Pfleger auf seinem iPad die Krankengeschichte sehen kann, und die richtige Dosierung eines Medikaments zusammen mit einem Photo des Patienten / dem CT / wichitgen Hinweisen / ... könnten viele Fehler vermieden werden.
Industrie / Handel
Man kann für sehr viel Geld Speziallösungen zur Bestandsverwaltung anschaffen, samt tragbarer Geräte zur Datenerfassung. Bringt aber nix für den kleinen Laden um die Ecke. Ein iPad mit entsprechender Software wäre bezahlbar und würde das Problem auch elegant lösen.
Als das iPhone rauskam war der Tenor ( vor allem auch hier bei der SZ): So ein Unsinn, wer braucht das zum Telefonieren. Jetzt ist jeder froh, daß er in einer fremden Statt den Weg vom Bahnhof zum Hotel auf seinem Handy angezeigt bekommt... Oder in der UBahn nach dem Telefonat mit der Freundin noch eine Theaterkarte mehr bestellen kann. Und bezahlen.
Untersendlinger
Zitat:
"Und visuell haben Computer und Internet bisher weder in der Kunst noch im Design nennenswerte Spuren hinterlassen."
Modernes Design - ob in der Architektur, dem Automobilbau oder sonstwo - wäre ohne Computer nicht denkbar. Hat der Autor den Begriff "CAD" - Computer Aided Design schon einmal gehört?
Zitat:
"Tauschbörsen und iPod haben die Musikindustrie verändert, nicht die Musik (...)".
Wäre die Musik des 20. Jahrhunderts ohne Musik denkbar? Ohne Synthesizer, Autotune usw.? Das muss man nicht mögen, aber zur Kenntnis nehmen sollte es auch die Jazz- und Klassikfraktion.
Zitat:
"Fast alle epochalen Texte, die das Internet hervorgebracht hat, beschäftigen sich mit: dem Internet."
Und es ist nicht epochal, das wir dank Youtube und Twitter binnen Stunden sehen und erfahren können, was auf der Welt passiert? Ob Demonstrationen in Teheran oder Attentate in Dehli, ganz zu schweigen von schöneren Nachrichten?
Die kulturelle Leistung des Internets ist eine epochale, die mit der Erfindung des Buchdrucks vergleichbar ist. Die Fähigkeit, ein Buch zu drucken statt es schreiben zu müssen, hat per se keine neuen Inhalte hervorgebracht - Gutenberg hat als erstes die Bibel gedruckt.
Aber die Fähigkeit, kostengünstig mittels gedruckten Büchern, Flugblättern usw. kommunizieren zu können, hat die Welt verändert und Millionen Menschen inspiriert, neue Inhalte zu schaffen.
Heute nehmen viel mehr Menschen am Kommunikationsprozess teil, als jemals in der Geschichte der Menschheit - u.a. auch ich.
Wenn das nicht epochal ist....
dass massenhaft Leute bereit sind, für Musik, Filme und demnächst vermehrt auch Bücher fast denselben Betrag abzudrücken, den sie auch bisher schon entrichten durften beim Kauf "analoger" Ware, während die Verwerter der Kulturware alle Kosten des Vertriebs und Verkaufs auf ein Minimum reduzieren.
Und dies bei freiwilliger Unterwerfung unter ein proprietäres System eines Anbieters von Soft- und Hardware, mit Zwangsverträgen, Kontrolle von Inhalten, Beschneidung prinzipiell möglicher Fähigkeiten der Hardware etc.pp.
Zudem darf der Kunde selbst auf eigene Zusatzkosten alle Vertriebswege der Ware bereitstellen und fortlaufend auf den neuen Stand bringen (DSL, Modem, Speichermedien), darf sich ständig fortbilden und mit den Unzulänglichkeiten der Technik herumärgern, all das oft genug, ohne wirklich auf Dauer der Besitzer der teuer bezahlten Ware zu werden (Kopierschutz).
Ich bin auch nicht eben begeistert von einigen der Designentscheidungen, die für das iPad getroffen wurden. Den Satz "Das iPad beendet die Offenheit des Internets und reduziert die interaktive Kultur des Web 2.0 auf ein Gerät, mit dem man nur noch konsumieren kann" verstehe ich allerdings nicht. Mit dem Web interagiert man mit Hilfe eine Web-Browsers. Auf dem iPad ist ein Web-Browser enthalten, der all das kann, was ein Web-Browser können sollte (abgesehen von Flash). Man kann also mit dem iPad genauso interaktiv auf dem Web sein wie mit jedem Linux-Rechner. Diesen Text hier hätte ich auch mit einem iPad schreiben können. Was ist also gemeint?
Auch etwas seltsam ist der Satz, in dem behauptet wird, das erste Mac OS widerspräche "mit seiner geschlossenen Struktur der 'Open Access'-Ethik der Computerwelt". Für alle Versionen des Mac OS gab es bisher eine große, vielfältige und sehr offene Entwicklergemeinde. Dass das Mac OS nicht "open source" ist, wird Apple wohl keiner vorwerfen wollen - zumal ja seit Mac OS X Teile des Betriebssystems sogar nun tatsächlich open source sind!
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