Zu den schönsten Gimmicks von Linux gehören die Xeyes und Xearth. Das sind Progrämmchen, die nichts tun außer erheitern. Ist ja auch wichtig.
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Wer in eine Befehlzeile "xeyes" eingibt, bekommt kaum mehr als zwei eng benachbarte weiße Eier mit zwei schwarzen Punkten darin zu sehen. Das aber sofort. Das Schöne an den Xeyes ist nun, dass die beiden schwarzen Punkte in ihren weißen Eiern dem Mauszeiger wohin auch immer folgen. Und zwar jeweils. Was einfach klasse aussieht, wenn man etwa zwischen den Eiern hindurchfährt. Dann schielen sie wie das Krümmelmonster auf Ecstasy.
Xeyes reden nicht, schneiden keine Grimmassen - sie schauen nur, was die Maus so macht. Mitunter, das sehen wir gleich, können sie auch das letzte sein, was ein Desktop so hergibt.
Xearth hingegen ist eine Weltsimulation aus ungefähr der Sicht, die man vom Mond aus auf die Erde hätte. Tiefschwarze Nacht, in der die Erdhalbkugel mit korrekt synchron berechnetem Sonnenlicht beschienen wird. Und nach einstellbaren Intervallen erscheint ein neues Bild, das die zwischenzeitliche Erdumdrehung berücksichtigt hat. Städte werden hervorgehoben oder auch nicht.
Nun ist Xearth eine Vor-kde-Entwicklung des X-Windows-Systems, namentlich der Version 11, die darum auch nur linuxkurzknappkryptsich X11 genannt wird.
D.h. xearth ist nicht für die rein grafische Oberfläche von kde gemacht. Wer unter dem neuen kde also xearth aufruft, sieht ....
.......nichts.
Das versteht man zuerst wieder nicht.
Darum: Besuch in der Newsgroup um die Ecke.
Hier - wie immer die Aufklärung und ein schönes Beispiel für sowohl die Diskurs-Strategien in den Newsgroups wie auch für die Erläuterung der modularen Struktur des Betriebssystems Linux.
Zuerst: auch andere haben dasselbe Problem - wie schön:
"Als Hintergrund" schreibt einer, "gefällt mir xearth von früheren Linux Versionen. Wie kann ich das weiterbenutzen? Ein einfaches Starten im .profile reicht nicht."
Dann das Feuerwerk der auf einander folgenden Antworten:
- "Editier mal Deine $KDEDIR/bin/startkde." - "Du musst es im Autostart-Ordner starten."
- "Und dann dürfte beim nächsten Desktop-Wechsel der kbgndwm Dir wieder über Deinen schönen Globus malen :-)"
- "Nicht, wenn Du entweder kbgndwm nicht im startkde hast oder auf allen Desktops die gleiche Farbe benutzt."
- "Ich bin zwar noch neu aber ich habe einfach in meinem Heimatverzeichnis in der Datei .xinitrc in Abschnitt some nice stuff xearth & eingegeben."
- "Wahrscheinlich hast Du in /opt/kde/binstartkde etwas wie (sleep 1 && exec kbgndwm) zu stehen."
- "Doch, im Prinzip schon. Das Problem ist nur, dass der KDE background window manager (kbgndwm) die Ausgabe von xearth plattmacht, weil er ein Bild im Hintergrund darstellen will."
Man hat also erfahren, dass sich die neue, grafische KDE-Schicht wie ein Firnis über das alte X11 gelegt hat und die Stimmen und Stimmungen aus diesen Tiefen einfach übertüncht - "plattmacht". Die Lösungen sind linuxtypisch vielfältig und laufen im Grunde darauf hinaus:
"Müsste eigentlich funktionieren wenn du "kbgndwm &" im starkde-Script auskommentierst und stattdessen xearth startest." - also den Firnis von kde ein wieder abkratzt - "auskommentierst".
Soweit wollten wir es dann aber nicht kommen lassen, ... mussten es aber sogar noch viel weiter kommen lassen.
Linux verabschiedete sich zwischenzeitlich mit "Can music save your mortal soul?"