Von Bernd Graff

Linux also. Meine Unix-Erfahrungen bleiben - auch im Abstand mehrerer Jahre - niederschmetternd. Unix/Linux - damit werden Pizza gestählte Nachtschwärmer verbunden, die gerne mal ein paar kryptische Befehlszeilchen in die Konsole hämmern. Während Windows die dauernde Beschäftigung mit dem Betriebssystem, dessen Hege und Pflege, ärgerlicher Weise fordert, geben sich Linux-Fexe, so kommt es dem Außenstehenden zumindest vor, mit Genuss der Beschäftigung mit der Selbstbeschäftigung des Computers hin. Reden wir nicht von Effizienz: Aber es ist doch merkwürdig, dass man eine Maschine in die Welt setzt, die, bevor sie irgendetwas kann, vor allem aufopferungsvolle Mühe um eben diese Maschine verlangt. Wie viel Zeit habe ich mit Defragmentieren, Datenträger-Backup und Feintunig des Papierkorb-Leerens verbracht - vom Virenscanner nicht zu reden, auch nicht von der Installation der Service-Packs? Wie viel Zeit, um die Protokolle für die Netzwerk-Konfiguration zusammenzustellen? Wie viel, um die absehbaren Interrupt-Probleme nach der Neuinstallation von Hardware zu beseitigen. Wie oft lief der Hardware-Assistent, wie oft versank ich in die Betrachtung des Gerätemanagers: "Sie müssen die Treiber aktualisieren!" Ach ja, ich musste sie zuvor noch aus dem Netz besorgen. Es ist so viel, was an einem Computer nicht geht, ausfällt, spinnt. Wieviel Tweak-Utilities habe ich dabei nicht schon verschlissen! Ach!

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Ich bin inzwischen aber ziemlich sicher, dass den Menschen die Behebung solcher völlig künstlich erzeugten Probleme Spaß macht. Oder ist es Masochismus, sie ständig aufs Neue zu erleiden? Wer weiß. Gäbe es diesen Lust-Aspekt bei der Beseitigung synthetischer Probleme nicht, wären die Nutzer weniger duldsam, dann hätten die Computer-Programmierer und Hersteller schon längst einen Bund zur Beseitigung solcher Ärgerlichkeiten schließen müssen. Aber der Protest bleibt aus, immer noch, und laufende Computer, einfach nur reibungslos funktionierende Rechenmaschinen, sind wohl wie laufende Fernseher - sie sind ordinär, so langweilig sind sie.

Und dieses Gemisch aus Lust an der fragilen Macht über den Rechner, die Freude an den erlernten Tricks und der Abscheu von Langeweile trifft man in hoher Konzentration im Linux-Lager. Dort beschäftigt man den Computer, damit er einen beschäftigt. Das ist absolut nicht abwertend gemeint. Denn, wie gesagt, auch Windows-Nutzer kennen die Lust an jenem Frevel, die wenige freie Zeit mit einer habituell blöden Maschine zu verbringen. Ja, so muss es wohl sein - oder aber anders. Aber ärgerlich, ärgerlich bleibt es dennoch.

Aber, wenn ich eines nicht, ganz bestimmt nicht!, wollte, dann auch noch jene Dialekte zu lernen, die man zum Linux-Betrieb anscheinend unumgänglich braucht und die mich an die DOS-Steinzeit erinnerten. Mit anderen Worten: Ich war, seit Jahren schon, kurz davor, Linux auf einem meiner Rechner zu installieren.

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