Dallas Menschen sind zu optimistisch, wenn es um tödliche Gewalt geht

Michael Kalichman, der das Center for Ethics in Science and Technology leitet, schließt sich Kerr an: Er habe sich zwar anfänglich gefreut, da Johnson bereits viele Menschen getötet hatte und "weil dies eine Möglichkeit war, etwas zu beenden, aus dem eine viel schlimmere Situation hätte erwachsen können."

Doch die Menschen seien zu optimistisch. Sie gingen davon aus, dass tödliche Gewalt, wie in diesem Fall geschehen, stets zielgenau eingesetzt würde. "In der Realität wird es oft anders laufen. Im Fall einer Bombe kann diese auch deutlich mehr Menschen das Leben kosten."

Kreativer Einsatz des Roboters

Eine andere Sicht vertritt Ryan Calo. Er ist Mitglied des Center for Internet and Society an der Stanford-Universität. Im Interview mit der Technik-Seite The Verge sagte er, dass es juristisch gesehen nicht auf die Art ankomme, wie ein Mensch getötet wurde. Viel entscheidender sei, ob von dieser Person eine unmittelbare Gefahr ausgehe: "Das ist eine Situation, in der sie (die Polizei) tödliche Gewalt anwenden darf." Es sei darum gegangen, die Öffentlichkeit zu schützen, die Beamten hätten den Roboter dafür "kreativ eingesetzt".

Calo zufolge habe es sich um eine Extremsituation gehandelt. Er hält es für unwahrscheinlich, dass sich ähnliche Einsätze in Zukunft häufen. Die Öffentlichkeit müsse sich nur Sorgen machen, wenn der Einsatz der Roboter zum Normalfall würde - davon sei momentan aber nicht auszugehen.

Der Ethiker Kalichman dagegen befürchtet genau das - und fordert deshalb, dass die Konsequenzen öffentlich diskutiert werden. "Das sollte nicht die Polizei, die Wissenschaftler oder das Militär entscheiden. Das ist eine Frage, die alle Menschen mit einbeziehen sollte."

Die USA stehen nicht am Rande eines Bürgerkriegs

Nach der Erschießung von fünf Polizisten in Dallas fühlen sich viele an die Gewalt des Jahres 1968 erinnert. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied. Von Hakan Tanriverdi mehr ...