Wer die Welt von oben betrachten will, muss schon lange nicht mehr ins All fliegen. Die neue interaktive Karte der Europäischen Weltraumorganisation Esa dokumentiert nun sogar Veränderungen durch den Klimawandel
Die Erde von oben - längst hat man sich dank Google Earth und anderer Satelliten-Atlanten daran gewöhnt, jeden Winkel des Planeten heranzuzoomen. Die neue interaktive Karte, welche die Europäische Weltraumorganisation Esa veröffentlicht hat, kann mit ihrer Auflösung von 300 Meter pro Bildpunkt damit nicht konkurrieren. Ihre Vorzüge entfaltet sie für Wissenschaftler. Diese können nun viel genauer als früher nachsehen, wie die Erdoberfläche an beliebigen Stellen genutzt wird.
Die Erde von oben (© Screenshot: sueddeutsche.de)
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Auf der Karte wird die Erdoberfläche in 22 Kategorien eingeteilt, beispielsweise Nadelwald, Feuchtgebiete, Ackerbau, urbane Zonen und Eisflächen. Bebaute Flächen sind rot eingefärbt - verschiedene Grüntöne stehen für Nadel- oder Laubwälder, Felder oder Wiesen. Die Karte ist aus Aufnahmen des Satelliten Envisat zusammengesetzt und bietet eine zehnmal so genaue Auflösung wie die Version aus dem Jahr 2000.
"Der Vergleich mit Google Earth hinkt", sagt Marc Leroy, dessen Firma Médias France die Karte im Rahmen des Esa-Programms Globcover erstellte. "Google-Earth zeigt nur Bilder", sagt er. Die Weltkarte der Esa sei dagegen eine weltumfassende, lückenlose digitale Datenbank. Jeder darf sie nutzen. Wissenschaftler können sie für Klimamodelle verwenden oder für Simulationen von Wasser- und Kohlenstoffkreisläufen. Je höher die Auflösung der Daten ist, desto genauer fallen die Modelle aus. Auch Veränderungen in der Vegetation können daran abgelesen werden. So sind beispielsweise seit der ersten weltweiten Satellitenkarte, die im Jahr 1990 entstand, pro Jahr etwa sechs Millionen Hektar tropischen Regenwaldes verschwunden - ein Gebiet fast so groß wie Bayern.
Grundlage für die Karte waren Aufnahmen im Umfang von 20 Terabyte des Satelliten Envisat. Die gigantische Datenmenge wurden von Computern durchgekämmt und die Karten dann automatisch erstellt: Dazu wurden die unterschiedlichen Farben der Erdoberfläche benutzt, die sie im Lauf der Jahreszeiten zeigt, erklärt Leroy: ,,In einem Laubwald ändern sich die Farben während des Jahres." Ein Nadelwald sehe dagegen das ganze Jahr gleich aus.
(SZ vom 22.03.2008)
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