Hauptkommissar Axel Schröder erklärt die Arbeit eines Internetcops - und ermahnt naive Nutzer, Cyber-Kriminellen kein Rundum-sorglos-Paket zu liefern.
Betrügerische Webseiten, geknackte Online-Konten, Cyber-Mobbing in sozialen Netzwerken - das Internet scheint eine Spielwiese für kriminelle Aktivitäten aller Art zu sein. Kriminalhauptkommissar Axel Schröder ist Sachgebietsleiter für den Bereich Computer- und Internetkriminalität beim Hessischen Landeskriminalamt. Er sieht die deutschen Cybercops gut gerüstet im Kampf gegen die Verbrecher der virtuellen Welt - und mahnt Internetnutzer zu mehr Misstrauen im Netz.
Eine Affinität zu Computern und Internet sollte man für die Tätigkeit als Cybercop mitbringen, meint Kriminalhauptkommissar Axel Schröder. (© Foto: Montage sueddeutsche.de/iStock/dpa)
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sueddeutsche.de: Welche spezielle Ausbildung durchläuft ein Cybercop?
Axel Schröder: In amerikanischen Krimiserien sieht man häufig, wie mit Hilfe modernster Computertechnik Täter innerhalb einer Dreiviertelstunde dingfest gemacht werden. So schnell geht es bei uns zwar nicht, aber wir müssen uns, was die Bekämpfung von Cyberkriminalität angeht, auch nicht verstecken. Es existiert ein bundeseinheitliches Aus- und Fortbildungskonzept für Cybercops: Wir führen Seminare zu den Themen Betriebssysteme und Datennetze durch und schulen die Beamten in forensischer Analyse, sowie computerbezogener Tatortarbeit. Eine Affinität zu Computern und Internet sollte allerdings in jedem Fall vorhanden sein. Die meisten Kollegen im Bereich Internetkriminalität sind relativ jung und können zumeist auf ein gutes Basiswissen als Anwender aufbauen.
sueddeutsche.de: Arbeiten Sie - ähnlich wie teilweise IT-Unternehmen - auch mit Hackern zusammen?
Schröder: Wir profitieren zwar schon davon, dass Hacker als Beschuldigte auspacken - und schöpfen dann deren Wissen ab. Aber wir setzen nicht bewusst oder systematisch Hacker als Informanten oder gar "Geheimwaffe" zur Strafverfolgung im Bereich Cyberkriminalität ein.
sueddeutsche.de: Welche Art von Internet-Kriminalität beschäftigt Sie am häufigsten?
Schröder: Wir im LKA beschäftigen uns weniger mit internetgestützten Massendelikten wie betrügerischen Online-Abzocken, sondern hauptsächlich mit so genannter qualifizierter Internetkriminalität. Darunter fällt vor allem das illegale Ausspähen von Daten - beispielsweise von Kreditkarten- oder Online-Banking-Zugangsdaten - sowie Kinderpornographie im Netz. Bei letzterem nehmen wir aber in erster Linie eine koordinierende Funktion ein.
sueddeutsche.de: Wie muss man sich diese koordinierende Funktion vorstellen - sind Sie gar nicht direkt an der Verfolgung von Kinderpornographie im Internet beteiligt?
Schröder: Doch, in unserem Sachgebiet sind drei Kollegen spezifisch mit Kinderpornographie im Netz beschäftigt. Häufig läuft es jedoch so ab, dass sich ein Internetprovider an uns wendet, weil er kinderpornographische Inhalte auf seinen Servern entdeckt hat. In einem ersten Schritt geht es darum, das Material aus dem Netz zu entfernen. Anschließend wird ermittelt, wie oft und woher auf die kinderpornographischen Inhalte zugegriffen wurde. So können wir die Gesamtzahl der Zugriffe herunterbrechen auf die aus Deutschland erfolgten Klicks. Über die IP-Adressen werden dann Tatverdächtige ermittelt und die Informationen darüber an die zuständigen Landeskriminalämter und hessischen Polizeidienststellen weitergeleitet.
sueddeutsche.de: Werden Beamte, die bei ihrer täglichen Arbeit ständig mit kinderpornographischen Inhalten konfrontiert sind, speziell betreut?
Schröder: Die Arbeit in diesem Bereich ist in der Tat sehr belastend. Wir bemühen uns um einen ständigen Austausch mit den betroffenen Beamten - und sind natürlich besonders sensibel in Bezug auf potentielle Warnsignale. Generell sind die betreffenden Beamten aber auch nur maximal fünf Jahre im Bereich Kinderpornographie tätig - und werden dann abgelöst.
sueddeutsche.de: Fast jeder nutzt das Internet heutzutage, um seine Korrespondenz abzuwickeln: Kann ich mich darauf verlassen, dass meine E-Mail auch nur vom tatsächlichen Empfänger gelesen werden kann?
Schröder: Das Verschicken einer normalen E-Mail ist vergleichbar mit dem Versenden einer Postkarte: Diese kann auf ihrem Weg zum Adressaten theoretisch von mehreren Personen gelesen werden. Eine E-Mail läuft über verschiedene Server und ist jederzeit im Klartext einsehbar. Die Sicherheitslücke liegt also nicht beim Absender: Das Passwort für meinen Mail-Account mag noch so sicher sein, wenn ich Nachrichten nicht verschlüsselt versende, laufe ich Gefahr, dass meine Daten auf dem Weg durch das Netz ausgespäht werden. Verschlüsselungsprogramme werden von Privatpersonen allerdings kaum genutzt: Eine Kodierungssoftware muss extra installiert werden und zudem auf Absender- wie Empfängerseite vorhanden sein - damit die Nachricht dann auch wieder entschlüsselt werden kann.
Lesen sie auf der nächsten Seite, wie ausgeklügelt Computerviren programmiert sind.
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Kuriose Schilder (4)
"Auch ich finde, das "krijens" ein gewaltig verschobenes weltbild hat. "
Und ich finde, dass Sie relativ wenig Ahnung haben, wovon Sie sprechen.
Es ist, wie krijens schon geschrieben hat, ein gewaltiger Unterschied ob man seine Daten FREIWILLIG ins Netz stellt (wie z.B. bei Facebook etc) oder ob man HEIMLICH den Computer eines Menschen untersucht, der dies gar nicht wünscht.
Im ersten Falle gibt man (wissentlich oder aus Ahnungslosigkeit) seine Daten für sehr viele bekannte (Freunde) oder auch unbekannte (z.B. Facebook, Google oder jeden anderen, der für diese Daten zahlt) frei, hätte aber die Chance das zu unterlassen. Im zweiten Falle hat man keine Möglichkeit sich zu entziehen.
Wie sinnvoll Überwachungsmaßnahmen sind, sieht man ja in totalitären Staaten wie z.B. China oder auch Saudiarabien. Die haben bereits eine nahezu lückenlose Überwachung und Zensur des Internets, auch bedingt dadurch, dass man in einem totalitären System keine Rücksicht auf Menschenrechte legen muss.
Und, wo gibt es weniger Terroranschläge? Dort oder bei uns?
Und als letztes: Die Menschen die bei Terroranschlägen weltweit umkommen sind eine Marginalie im Vergleich zu denen die dem Staatsterror zum Opfer gefallen sind. Unabhängig ob linker oder rechter Staatsterror.
Wer glaubt, die Überwachung des Netzes bedeute größere Sicherheit für einen persönlich könnte nicht falscher liegen.
Seltsam! Aber bezeichnend! Man führe sich bitte folgendes Zitat noch einmal zu Gemüte: "In einem ersten Schritt geht es darum, das Material aus dem Netz zu entfernen. Anschließend wird ermittelt, wie oft und woher auf die kinderpornographischen Inhalte zugegriffen wurde. So können wir die Gesamtzahl der Zugriffe herunterbrechen auf die aus Deutschland erfolgten Klicks. Über die IP-Adressen werden dann Tatverdächtige ermittelt und die Informationen darüber an die zuständigen Landeskriminalämter und hessischen Polizeidienststellen weitergeleitet."
Ich lese hier nichts davon, dass die Menschen die den Dreck ins Netz einstellen verfolgt werden, verfolgt werden offenbar nur die, die es aufrufen. Das erklärt auch die Stoppschild-Strategie. Der Missbrauch wird gar nicht wirklich bekämpft. Typisch Deutschland. Genau wie in der Drogenpolitik. Der heruntergekommene Fixer von der Straße wird kriminalisiert. Diejenigen die Märkte versorgen kommen ungeschoren davon.
"Eine Affinität zu Computern und Internet sollte allerdings in jedem Fall vorhanden sein. Die meisten Kollegen im Bereich Internetkriminalität sind relativ jung und können zumeist auf ein gutes Basiswissen als Anwender aufbauen."
Na, viel ist das nicht; eigentlich ist's nur der Normalfall bei männlichen Jugendlichen.
Es ist schon noch ein unterschied, ob ein bürger seine daten freiwillig oder aus unwissenheit einer privat-wirtschaftlichen firma anvertraut, deren einziges ziel die gewinn-erwirtschaftung ist, deren firmensitz außerhalb der EU liegt und die damit nicht den datenschutz-gesetzen der EU untersteht, die in ihren AGB sogar erklärt, dass sie sich vollen zugriff auf die inhalte erlauben und diese auch speichern, auswerten und weitergeben werden und die nicht von einer unabhängigen stelle kontrolliert wird; die einzige kontrolle sind die aktionäre, deren einziges interesse der ausgeschüttete gewinn ist, oder eben der gewinn durch den verkauf der aktien.
Oder ob andererseits eine demokratisch legitimierte regierung gesetze erlässt, deren durchführung von den anderen zwei gewalten im staat kontrolliert wird und die der verbrechens-bekämpfung dienen.
Anders gesagt: "krijens" findet es in ordnung, wenn US-Amerikanische firmen alle seine privaten E-Mails und seine per SMS oder "Chat" verschickten mitteilungen liest, mag aber nicht, wenn sein IP-anbieter seine temporäre IP-adresse speichert, worauf nur mit richterlicher genehmigung zugegriffen werden darf.
"krijens" findet es auch in ordnung, wenn US-Amerikanische firmen seine kontakte, freunde und verwandte genau kennen, hasst es aber, wenn die Deutsche Polizei ihn bei verdacht auf eine schwere straftat überwachen darf.
Auch ich finde, das "krijens" ein gewaltig verschobenes weltbild hat.
Ich kann dieses Argument echt nicht mehr hören, auch hier:
"Häufig wird die Datensammelwut des Staates beklagt und angeprangert - andererseits machen zahlreiche Menschen nach dem Motto "Mein Haus, meine Frau, mein Auto" ihr komplettes Leben transparent und öffentlich."
Es ist schon noch ein Unterschied, ob sich ein Bürger selbst (vielleicht ahnungslos und unvorsichtig) dieser Gefahr aussetzt, oder ob es staatliche Stellen ohne Einverständnis tun.
Wenn der gute "Cypercop" das hier schon anspricht, obwohl es nichts mit dem eigentlichen Thema des Interviews zu tun hat, kann man auch mal nachhaken.