Cyberattacke Sony will "The Interview" doch noch herausbringen

  • Einem Anwalt der Produktionsfirma Sony zufolge soll der Film "The Interview", dessen Premiere wegen eines Hackerangriffs abgesagt wurde, doch noch herausgebracht werden.
  • US-Präsident Obama sieht in der Cyberattacke auf Sony einen Akt des Vandalismus - aber keinen Kriegsakt.
  • Die Attacke sei "sehr teuer" gewesen.
  • USA haben angeblich China um Hilfe gebeten.

Sony könnte "The Interview" doch noch rausbringen

In einem Fernsehinterview mit dem Sender NBC sagt David Boies, ein Anwalt von Sony, der Film "The Interview" werde doch noch veröffentlicht, das Filmstudio habe die Premiere lediglich verlegt.

"Sony hat dafür gekämpft, dass dieser Film herauskommt - und er wird herauskommen", sagt Boies in der Sendung "Meet the Press". Die Firma versuche aktuell, den Film der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, aber gleichzeitig sicherzustellen, dass die Mitarbeiter geschützt werden.

"The Interview" ist eine Polit-Satire, in der es um ein angebliches Mordkomplott gegen Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geht. Die Premiere des Films war in Folge eines massiven Hackerangriffs auf das Filmstudio abgesagt worden.

Hätte man "The Interview" trotz Drohungen zeigen sollen?

US-Komiker Seth Rogen veralbert in der Komödie "The Interview" den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un und lässt ihn am Ende brutal ermorden. Wegen Terrordrohungen hat Sony schließlich den Filmstart zurückgezogen. War das die richtige Entscheidung? Diskutieren Sie mit uns. mehr ... Ihr Forum

Obama: Kein "Kriegsakt", sondern "Vandalismus"

US-Präsident Barack Obama hat den Hackerangriff Sony als "Vandalismus" aus Nordkorea eingestuft, aber nicht als "Kriegsakt". "Ich denke nicht, dass es ein Kriegsakt war. Ich denke, es war ein Akt von Cybervandalismus", sagte er dem US-Sender CNN. Mit Blick auf die Absage des Kinostarts für "The Interview" in Folge des Hackerangriffs sagte Obama, die Attacke habe sich als "sehr teuer" erwiesen. "Wir nehmen sie sehr ernst."

Neue Gefahren in der digitalen Welt

Eine Gruppe anonymer Hacker hatte die Produktionsfirma Sony angegriffen und zunächst viele Daten erbeutet. Dann drohten die Hacker Anschläge an, sollte der Film in die Kinos kommen. Der Produzent Sony entschied zog den Film daraufhin zurück, er hätte in der vergangenen Woche in den USA in die Kinos kommen sollen.

Am Freitag hatte Obama Pjöngjang direkt für die Cyberattacke verantwortlich gemacht und eine Reaktion angekündigt. Am Sonntag gab er sich eher zurückhaltend: In der digitalisierten Welt "werden Staaten und nichtstaatliche Akteure die Fähigkeit haben, unsere Leben auf alle mögliche Weise zu stören", sagte er.

Der New York Times zufolge haben die Vereinigten Staaten China um Unterstützung gebeten. Peking solle helfen, künftige nordkoreanische Cyberattacken zu blockieren. Eine Zusammenarbeit mit China habe entscheidende Bedeutung, weil praktisch die gesamte Telekommunikation Nordkoreas über von China betriebene Netzwerke laufe.

Bisher sei allerdings keine Antwort aus Peking gekommen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Es sei unklar, ob China helfen werde, da es auch zwischen Washington und Peking Spannungen wegen Cyberaktivitäten gebe. Das US-Justizministerium hatte im Mai fünf Hacker angeklagt, die wichtige Daten von US-Firmen gestohlen und für das chinesische Militär gearbeitet haben sollen.

Pjöngjang erbost

Nordkorea hatte eine Beteiligung am Hackerangriff auf das Hollywood-Filmstudio von Sony vehement bestritten und den USA mit Folgen gedroht, sollten sie an ihren Anschuldigungen festhalten.

Bei dem Vorwurf von US-Präsident Barack Obama handele es sich um eine grundlose Verleumdung, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA zufolge. Nordkorea könne beweisen, dass es nichts mit dem Hackerangriff zu tun habe. Die USA wollten Stimmung gegen die Führung des Landes machen und müssten mit "ernsthaften Konsequenzen" rechnen, wenn sie nicht damit aufhörten und eine gemeinsame Aufklärung ablehnten.