Cyber-Attacke Hacker-Angriff auf Südkorea kam aus China

Die massiven Cyber-Angriffe auf Banken und TV-Sender in Südkorea sollen von einer chinesischen IP-Adresse aus erfolgt sein. Seoul betont jedoch, dass deshalb nicht Peking dahinterstecken muss - auch mit Blick auf die andauernden Drohgebärden aus Nordkorea.

Die Hacker-Angriffe auf mehrere Fernsehsender und Banken in Südkorea gingen nach offiziellen Angaben aus Seoul von einer chinesischen IP-Adresse aus. "Unbekannte Hacker nutzten eine chinesische IP-Adresse, um die Server der sechs betroffenen Einrichtungen zu kontaktieren und die Schadsoftware zu installieren, die ihre Computer angriff", erklärte ein Sprecher der südkoreanischen Kommunikationsregulierungsbehörde.

Am Mittwoch waren die Computer der Fernsehsender KBS, MBC und YTN, der Banken Shinhan und Nonghyu sowie eines auf Nordkorea spezialisierten Anbieters von Internetdiensten teilweise oder vollständig lahmgelegt worden.

Die staatliche koreanische Kommunikationskommission hob hervor, dass der Hacker-Angriff nicht unbedingt von China ausgegangen sein müsse, da eine chinesische IP-Adresse auch von Hackern aus anderen Ländern genutzt werden könne. Nach den Verantwortlichen des Cyber-Angriffs werde weiter gesucht, sagte der Sprecher. Allen Möglichkeiten werde nachgegangen.

Am Mittwoch hatte das Präsidialamt in Seoul als erste Reaktion auf den Angriff betont, auch die Möglichkeit einer Attacke aus dem kommunistischen Nachbarland Nordkorea werde geprüft. Pjöngjang hatte seinerseits vor ein paar Tagen Südkorea und die USA für eine "anhaltende und intensive" Hackeroffensive verantwortlich gemacht, die mehrere staatliche nordkoreanische Websites fast zwei Tage lang lahmgelegt habe.

Neue Drohungen aus Nordkorea

Die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel hatten zuletzt deutlich zugenommen, nachdem Pjöngjang als Reaktion auf die Verschärfung der UN-Sanktionen nach seinem dritten unterirdischen Atomtest den Nichtangriffspakt mit dem Süden aufgekündigt und den USA mit einem Atomschlag gedroht hatte.

Auch am Donnerstag unterstellte das Oberkommando der nordkoreanischen Volksarmee den USA erneut, durch ihre gemeinsamen Militärmanöver mit südkoreanischen Einheiten einen Atomkrieg vorzubereiten. Als Reaktion auf Übungsflüge amerikanischer B-52-Langstreckenbomber in Südkorea drohte Nordkorea den USA mit möglichen Angriffen auf ihre Militärstützpunkte in Japan und Guam.

Die USA sollten nicht vergessen, "dass die Anderson-Luftwaffenbasis auf Guam, wo B-52-Bomber starten", sowie Marinestützpunkte in Japan in Reichweite von Präzisionsschlägen durch Nordkorea seien, wurde ein Kommando-Sprecher von den Staatsmedien zitiert. Die Pazifikinsel Guam ist ein Außengebiet der USA.

In Nordkorea wurde am Donnerstag nach Medienberichten im Rahmen von Militärübungen Luftalarm ausgelöst. Die Volksarmee befinde sich mitten in Übungen. Das habe der staatliche Rundfunk berichtet, sagte eine Sprecherin des Vereinigungsministeriums in Seoul.