Die nächste Phase der Investment-Revolution

Crowdfunding /
Von Johannes Kuhn
/ Veröffentlicht am , im Digitalblog

Investitionen in Symbolbild-Photographien nehmen Gerüchten zufolge zu.

(Foto: dpa)

Crowdfunding hat die erste Phase abgeschlossen: Wenn sogar Ideen wie eine App, die die Kommunikation mit Affen ermöglichen soll, einen vierstelligen Dollarbetrag erhalten, ist die kritische Masse an Nutzern offenbar erreicht.

Nun darf der Hype, der solche Entwicklungen begleitet, natürlich nicht über die Grenzen des Crowdfundings hinwegtäuschen - zumal der Markt aktuell mit 123 Millionen Dollar Umsatz pro Jahr relativ überschaubar ist.

Auf Projektebene mag es funktionieren, auf der anderen Seite warten dezentrale Micropayment-Dienste wie Flattr seit Jahren auf den prognostizierten Durchbruch. Im Startup-Bereich ist Crowdfunding derzeit nicht selten ein Marketing-Vehikel, um größere Investoren anzulocken. In Deutschland fehlt ein gesetzliches Rahmenwerk für solche Investitionen, wie es jüngst in den USA verabschiedet wurde. Auch steht und fällt die Idee mit dem Vertrauen der Nutzer - und die ersten prominenten Betrugsfälle sind nur eine Frage der Zeit.

Adieu, Mittelmann?

In welche Richtung sich Crowdfunding entwickelt, könnte sich schon in den nächsten 12-18 Monaten abzeichnen. Der amerikanische "Jobs Act" erkennt Crowdfunding als legalen Weg der Unternehmensfinanzierung an und gibt Regeln für Investitionsvolumen und Transparenz vor. Damit könnte sich das Konzept zu einem Investment-Modell entwickeln, aus Enthusiasten würden Bürger-Investoren. Nach welchen Kriterien diese ihr Geld geben, ob für Rendite oder Nachhaltigkeit, wird die nächsten Phasen prägen.

Ich glaube auch, dass wir das Konzept in seiner gesellschaftlichen Konsequenz noch nicht zu Ende gedacht haben. Das "Geld der Vielen" kann theoretisch zahlreiche Felder der Geldbeschaffung durch die Aussparung des Mittelmannes verändern. Ich kann als Bürger den Nachbarladen von nebenan unterstützen, nicht nur als Kunde, sondern als eine Art Genosse. Eine Art dezentraler Cause-by-Cause-Aktivismus könnte Kampagnen ohne die Unterstützung von Nichtregierungsorganisationen ermöglichen. Auch die Debatte über Investitionen von Expats in ihre Herkunftsländer würde vom Kopf auf die Füße gestellt: Statt den hochgelobten Diaspora-Anleihen für womöglich korrupte Regierungen könnten sie einheimische Geschäftsideen direkt unterstützen und in diesem Zuge gleich eine neue Community bilden.

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