Computerspieleparty im Bundestag Rösler gibt den Nerd

Er sei ein Gamer der ersten Stunde, outet sich Wirtschaftsminister Rösler auf der Politiker-LAN-Party im Bundestag. Damit hat die FDP den Nerd in sich entdeckt. Der typische Gamer im "coolsten Land der Welt" ist eben nicht mehr nur jung und männlich.

Von Ruth Schneeberger, Berlin

Als zum ersten Mal im deutschen Bundestag offiziell Counter Strike gespielt werden durfte, kamen rund 70 Abgeordnete und ballerten unter Aufsicht um die Wette. Das war im Februar 2011 und nannte sich "1. Politiker-LAN". Was nach Killerspiel-Party klingt, sollte nach Ansicht der Organisatoren eine Informationsveranstaltung für Politiker sein - und die Idee leuchtete auch erst mal ein: Wer über Sinn und Unsinn von Computerspielen und deren eventuelles Verbot abzustimmen hat, der sollte sie zumindest einmal selbst ausprobiert haben. Weiterbildung schadet ja in den seltensten Fällen.

Doch die Neuauflage der Veranstaltung, die "2. Politiker-LAN", die am Mittwochabend im Bundestag über die Bühne ging, hatte weniger von einer LAN-Party als von einer Messe rund um Neuerungen und Errungenschaften, die aus der Spieleindustrie in andere Wirtschaftszweige ausstrahlen.

Dementsprechend waren hier weniger Politiker zu finden als Anbieter, die auf ihre Produkte verwiesen - vom simplen Computerspiel mit neuen Spezialeffekten über fußballspielende Roboter bis zu Online-Plattformen für Bürger, die städtebauliche Veränderungen simulieren, oder Lern-Software für angehende Ärzte, die am Tablet virtuelle Patienten kurieren.

"Wir müssen uns nicht verstecken", sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler zur Eröffnung, und meinte damit sowohl sich selbst als "Gamer der ersten Stunde", der inzwischen aber "nur noch Tower-Defense-Games" auf dem Smartphone spiele. "Doom" spiele er als Politiker natürlich nicht. Vor allem aber meinte er die deutsche Spieleindustrie, die "immense Effekte" auf die Gesamtwirtschaft habe und ihre Möglichkeiten noch bei weitem nicht ausschöpfe.

Auf der anschließenden Podiumsdiskussion beeilten sich die Diskutanten, diesen Eindruck zu mehren. Simone Kimpeler vom Fraunhofer-Institut schwärmte davon, dass hier im Gegensatz zum Rest der Kultur- und Kreativwirtschaft feste Anstellungen und ein aussichtsreiches Beschäftigungsfeld auf Anwärter warte, auch Unternehmerin Odile Limpach (Geschäftsführerin von Blue Byte und Ubisoft Deutschland) sprach von äußerst guten Chancen für Nachwuchs-Fachkräfte. Alexander Moutchnik von der Mediadesign Hochschule München verglich Computerspiele gar mit Schokolade - weil sie immer gespielt würden, egal, ob es den Leuten gut oder schlecht gehe, sie seien damit "krisenfest". Und nicht mal schädlich für die Zähne.

Jubel, Trubel, Computerspiele

Viel Jubel über die aufstrebende Computerspielindustrie also. Da betonte der Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU), Maximilian Schenk, dass die Angst vor dem Computerspiel auch in der älteren Generation langsam weiche. Eltern und Großeltern, die vor ein paar Jahren den Nachwuchs noch am liebsten Medizin hätten studieren sehen, würden jetzt lernen, dass Spieleentwickler auch ein feiner Beruf sei.

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