In Deutschlands meistverkauften Computerspielen wird nicht geballert, sondern gesiedelt. Den Erfolg der "Siedler"-Reihe bei der weiblichen Zielgruppe will Hersteller Ubisoft ausbauen - am Ergebnis hätte auch Eva Herman ihre Freude.
Das in den Medien mit Abstand am häufigsten zitierte Computerspiel heißt "Counter-Strike". Aufgabe des Spielers: Terroristen töten. Doch die hierzulande erfolgreichsten Spiele, die "Anno"- und die "Siedler"-Reihe, setzen andere Schwerpunkte: Bäume fällen, Fische fangen, Weizen ernten, Häuser und Straßen bauen. Kurz: ein Stück Wiese in eine blühende Stadt verwandeln. Und dafür sorgen, dass es den Einwohnern nicht an Brot, Kleidung oder Tabak mangelt. Die auch international erfolgreichen Spiele werden in Deutschland entwickelt. Das Anno-Studio Related Designs sitzt in Mainz, Siedler-Entwickler Blue Byte in Düsseldorf. Beide gehören mittlerweile zum Spielekonzern Ubisoft.
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Pazifismus auf den Schirmen deutscher Zocker? Endlich der Beweis, dass wir ein friedliebendes Völkchen sind? Nein, denn ohne Kanonendonner kommen auch Aufbauspiele nicht aus. Die prosperierenden Städte wollen gegen Piraten und Neider verteidigt werden, auch Angreifen ist möglich. Außerdem: "Nicht nur Aufbauspiele, auch Ego-Shooter und Fußballsimulationen verkaufen sich in Deutschland sehr gut", weiß Odile Limpach, Studioleiterin von Blue Byte.
Ohne Rüttel-Schüttel-Drücker am Nintendo
Dass Computerspiele den Sprung aus der Schmuddelecke längst geschafft haben, beweisen die beiden deutschen Erfolgsproduktionen aber allemal. In der Altersgruppe der Über-Dreißigjährigen haben 35 Prozent einen der bisher fünf Siedler-Titel gespielt. Ein Drittel der Kundschaft ist weiblich. Und das ohne Rüttel-Schüttel-Drücker an der Nintendokiste, und auch ohne auf Familien zugeschnittene Marketingoffensive.
Mit ihrem Erfolg bei den weiblichen Spielern sind Siedler und Anno dort angekommen, wo die internationalen Spielemultis noch hinwollen. Und zwar lange vor den heute allgegenwärtigen Slogans von Casual Games für die ganze Familie. "Siedler passt in keine Schublade: Es ist kein Casual Game, aber auch kein Hardcorespiel. Es liegt genau in der Mitte", betont Odile Limpach.
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Rekord in Deutschland
Tja, Microsoft hat in Age of Empires II schon lange vorher bereits Frauen integriert. Und die waren von der harten Sorte: Holz hacken, Stadtmauern bauen, Wildschweine jagen und den ein oder anderen männlichen Jäger/Bauer von der Gegenseite verprügeln. Außerdem konnte man auch Jeanne d'Arc in einer Kampagne spielen.
Da mutet diese "Neuerung" bei "Siedler" geradezu lächerlich an. ;-)
Bin gespannt, in wie vielen Artikeln die SZ-Leser künftig noch mit einem zwar an den Haaren herbeigezerrten aber doch hochaktuellen und superfrischen Eva-Herman-Bezug behelligt werden.