Computerspiel Wie das FBI mit einem schlechten Spiel gegen das Böse kämpft

"Sei keine Marionette", rät das FBI Jugendlichen.

(Foto: FBI-Screenshot)

Ein Computerspiel soll Jugendliche davor bewahren, zu Islamisten oder Rassisten zu werden. Der Kurztest zeigt: Mit so einem Spiel wird das schwierig - trotz Anti-Terror-Ziege.

Von Hakan Tanriverdi, New York

Eine Ziege soll junge Menschen in den USA davon abhalten, zu gewaltbereiten Extremisten zu werden. Sie ist im Auftrag der US-Bundespolizei FBI unterwegs und ist die Hauptfigur in "Slippery Slope", einem pädagogischen Computerspiel, das die Behörde verbreitet. In einer Rangliste der schlechtesten Spiele aller Zeiten dürfte "Slippery Slope" es problemlos in die Top 10 schaffen.

Das Spiel ist Teil der Kampagne "Sei keine Marionette". Mit ihr erklärt die Behörde Jugendlichen, wie sich Menschen in fünf Schritten radikalisieren, bevor sie sich extremistischen Gruppen anschließen. Die Webseite der Kampagne zeigt einen dunklen Keller. Ein roter Benzinkanister steht in der Ecke, auf mehreren Tischen liegen Dokumente, wild verteilt. Hier lernen Spieler die Staatsfeinde kennen - extremistische Umweltschützer, Islamisten, Rassisten - und ihre Gedankenwelt.

Dazu müssen sie auf verschiedene Felder mit Namen wie "Schuldzuweisung", "Propaganda" und "Gruppendenken" klicken. Die Logik des FBI: Wer den Feind kennt, kann sich besser schützen. Gruppendenken bedeutet demnach übrigens, dass "die Mitglieder der Gruppe damit aufhören, ihre Meinungen zu äußern aus Angst davor, dass Konflikte enstehen".

Die Grafik erinnert an Minecraft

Unter dem Menüpunkt "Schuldzuweisung" befindet sich das eigentliche Spiel. Ein Gameboy liegt auf dem Tisch. Wer ihn antippt, sieht die simple Spielanleitung - und die Ziege. Die Steuerung besteht aus drei Tasten. Pfeile nach links und rechts, Leertaste. Ausweichen und Neustarten. Ein Klick auf Start lässt die Ziege losrennen.

Die Grafik erinnert an Minecraft, jene virtuelle Klötzchenwelt, die Abermillionen Kinder und Jugendliche weltweit begeistert. Der Spieler blickt aus der Vogelperspektive auf die Ziege, die über eine Wiese läuft. Ziel ist, Steinen und Bäumen auszuweichen und ins Ziel zu rennen. Berührt die Ziege ein Hindernis, zerfällt sie zum Pixelhaufen. Schafft sie es ins Ziel, bekommt sie als Belohnung eines der Prinzipien von Extremisten erklärt, zum Beispiel: "Level 1 bestanden. Verquerer Grundsatz: 'Unsere Gruppe wird angegriffen'." Wer alle sechs Level besteht, hat alle angeblichen Denkmuster von Extremisten kennengelernt. Wenn es nach dem FBI geht, ist er nun ein bisschen besser geimpft gegen politische Abwege.

Das Spiel ist herrlich schlecht und zwar in jeder Hinsicht. Es beginnt damit, dass der Gameboy, im Spiel prominent platziert, 1990 auf den Markt kam und für den Großteil heutiger Jugendlicher - dem erklärten Wunschpublikum - eine Antiquität sein dürfte.

Die Steuerung des Spiels ist katastrophal, die Ziege beinahe unkontrollierbar - soll sie bockig sein? Weil das Tier von Level zu Level schneller wird und sich zunehmend mehr Hindernissen ausgesetzt sieht, wird es fast unmöglich, das Spiel zu meistern. Als Metapher, dass für viele Jugendliche eher "Game over" angesagt ist statt eine durchgespielte Radikalisierung, ist das sicher nett. Für ein Spiel, in dem Jugendliche sich eigentlich alle Tipps selbst erarbeiten sollen, ist es ein dämlicher Ansatz.

Das Spiel war für die FBI-Experten selbst wohl so schwer, dass sie nach dem endgültigen Aus des Spielers zur Sicherheit alle Merkmale nennen. Damit ist Durchspielen dann endgültig unnötig.