Computerspiel "Watch Dogs" Hacker in einer vernetzten Stadt

Im totalvernetzten Chicago des Spiels "Watch Dogs" ist alles immer unter Beobachtung.

(Foto: Screenshot: Ubisoft)

Überwachungskameras an jeder Ecke, Smartphones in jeder Hosentasche - und der Hacker Aiden Pearce hat auf sie alle Zugriff. Das Computerspiel "Watch Dogs" gibt einen Vorgeschmack darauf, wie die Zukunft in unserer datenfixierten Welt aussehen könnte.

Von Niklas Hofmann

Gerade ist die Ampel rot geworden, aber das kostet Aiden Pearce nur einen Fingerwisch auf seinem Smartphone. Und um es seinen Verfolgern richtig schwer zu machen, lässt er noch schnell einen Kanaldeckel explodieren und verschwindet dann durch eine Code-geschützte Tür. Pearce ist ein Hacker und das Handy sein wichtigstes Werkzeug. Noch ist das Fiktion, es ist der Plot des mit Spannung erwarteten Computerspiels "Watch Dogs". Unter anderem vom Hacker-Kollektiv Anonymous, heißt es, sei das Spiel inspiriert worden.

Aber recht betrachtet hat Aiden Pearce weder mit der Anonymous-Truppe noch mit einer schillernden Figur wie Julian Assange besonders viel gemeinsam. Er steht in der Tradition von Jason Bourne, John McClane oder auch Roger Thornhill - also des mal mehr mal weniger Unschuldigen, der in Hollywood-Thrillern unversehens vor geheimnisvollen Verfolgern fliehen muss, nebenbei Verschwörungen aufdeckt oder Rache für den Verlust eines geliebten Menschen nimmt. Alfred Hitchcock gehörte durchaus zu den Inspirationen für die Autoren der Spielhandlung, sagt der Lead Game Designer Danny Belanger im Gespräch.

Durch einen digitalen Raubzug in einem Luxushotel hat Aiden Pearce, Hacker und zudem ehemaliger Berufsverbrecher, unbekannte Dunkelmänner gegen sich aufgebracht, mit Verbindungen womöglich ganz nach oben. Als sie Pearce eine Lektion erteilen wollen, kommt dabei seine kleine Nichte Lena ums Leben. Der Hacker schwört, seine Schwester und ihren überlebenden Sohn zu beschützen und zugleich die für Lenas Tod Verantwortlichen zur Strecke zu bringen. So weit die Einführung, so weit die Standard-Thriller-Ausgangssituation.

"Die wichtigste Inspiration ist unser Leben"

Zwar gibt es im Spiel auch noch das unabhängig von Pearce operierende mysteriöse Hackerkollektiv DedSec, aber in Wahrheit lehnt sich "Watch Dogs" weniger an irgendwelche realen Hackerikonen an, als dass es sich geschickt die Wirklichkeit unserer datenfixierten und hyperkonnektiven Welt aneignet. "Die wichtigste Inspiration ist unser Leben", sagt Belanger. Der Schauplatz von "Watch Dogs" ist Chicago, das nicht nur wegen seiner markanten Architektur und der örtlichen Gangstertraditionen wegen gewählt wurde, sondern weil es, wie es von Ubisoft heißt, schon jetzt "eine der meist überwachten Städte der USA" ist.

Im Spiel geht die Technologie dafür noch etwas weiter. Ein stadtübergreifendes Betriebssystem namens CtOS steuert nahezu die gesamte Technik der Metropole und hat auch Zugriff auf die privaten Daten der Bürger. Das ist gar nicht so weit von realen Smart-City-Konzepten entfernt, dass man es Science Fiction nennen müsste. Die Überwachung der Bürger und die Verletzung der Privatsphäre, sagt Belanger, hätten sich die Ubisoft-Entwickler schon lange vor der NSA-Affäre als Thema gewählt.