Von Von Helmut Martin-Jung

Ende einer Ära: IBM, das 1981 den ersten Personal Computer baute, stößt offenbar das PC-Geschäft ab.

Nicht dass der blaue Riese auf dem Markt für Personal Computer noch eine beherrschende Rolle spielen würde. Nur 5,6 Prozent aller weltweit verkauften Geräte tragen das blaue IBM-Warenzeichen.

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Aber wenn IBM - wie die New York Times berichtet - jetzt wirklich dieses Geschäft abstößt, dann gibt die Traditionsfirma ein Feld ab, auf dem sie vor 23 Jahren selbst die ersten Furchen gezogen hat. IBM-kompatibel, das war einst ein Zauberwort, ohne das ein Personal Computer ernsthaft kaum zu verkaufen war, der mit dem Betriebssystem DOS laufen sollte.

Viel hatte man sich nicht erwartet bei IBM von den grauen Kisten, die sich zwar jeder auf den Schreibtisch stellen, mit denen man aber nicht viel würde anfangen können. Dachte das Management.

Der Gigant wollte sich daher nicht damit herumplagen, ein eigenes Betriebssystem zu entwickeln. Und besorgte sich bei der jungen Firma eines Studienabbrechers namens William Gates ein Betriebssystem. Für lächerliche 75.000 Dollar hatte der einem Mitbewerber dessen 'Quick and Dirty Operating System' (QDOS) abgekauft, das, umgetauft in 'Disc Operating System' (DOS), den Aufstieg von Microsoft zu einem Weltkonzern und von Gates selbst zum reichsten Mann der Welt ermöglichte.

Dies aber vor allem deshalb, weil die IBM-Bosse schliefen und Gates das Betriebssystem DOS nicht abkaufen wollten und dem findigen Marketing-Mann Gates durchsetzen ließen, dass Microsoft die Rechte an 'seinem' Produkt behalten durfte.

Das vermarktete er denn auch an andere Hardware-Hersteller und sicherte sich ein Quasi-Monopol, denn das Programm avancierte zum Industriestandard.

Den echten Durchbruch für Microsoft freilich brachte erst die Benutzeroberfläche Windows. Auch dessen Konzept stammt nicht von Gates oder Microsoft, sondern wurde von einem Wissenschaftler der Xerox-Laboratorien erfunden.

Bei der Einführung Ende 1985 noch belächelt und links liegengelassen, mauserte sich der Windows 95-Vorgänger zum weltweiten Standard.

IBM, das immer auch auf große so genannte Mainframe-Computer gesetzt hatte, ging es trotzdem nicht schlecht. Ihre PC verkauften sich gut. Mit der Konkurrenz durch Firmen wie Dell oder HP, das den zeitweiligen Marktführer Compaq schluckte, aber kam der Niedergang dieses Geschäftszweiges.

Und dem Geschäft mit der PC-Hardware wird es wohl ähnlich ergehen wie zuvor schon dem mit Festplatten. IBM hat dieses Business komplett an die japanische Hitachi verkauft, für die PC-Sparte ist nun laut New York Times der chinesische Hersteller Lenovo im Gespräch.

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(sueddeutsche.de)