Social Networks leben vom permanenten und lebendigen Austausch der Mitglieder. Doch was passiert mit Verstorbenen in Online-Communitys wie Facebook?
Ein "Freund", nennen wir ihn Peter Schmidt, teilt in einem sozialen Online-Netzwerk wie Facebook regelmäßig seine Befindlichkeit mit. Peter Schmidt, heißt es da von Mal zu Mal, "... hat gerade die Schlüssel zur neuen Wohnung bekommen!", "... freut sich auf den Spanienurlaub" oder "... ist jetzt ein Fan von The Streets".
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Auf die Möglichkeit des Sterbens sind soziale Netzwerke wie Facebook kaum vorbereitet. (© Foto: afp)
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Stellen wir uns vor, die Nachricht auf seiner Internet-Pinnwand lautet plötzlich: "Peter Schmidt ... ist tot". Was soll man denn jetzt tun? Auf "Kommentieren" klicken? Oder etwa auf "Gefällt mir"?
Einblick in das vergangene Leben
Wenn die Nachricht ernst gemeint ist, dann stammt sie nicht aus dem Totenreich, nicht vom Verstorbenen selbst. Vielmehr muss ein Angehöriger in den Besitz des Benutzernamens und Passworts gekommen sein - etwa weil im Webbrowser die Passwort-Speicherung eingestellt war - und sich im Namen des Toten eingeloggt haben. Denn offiziell gibt das Unternehmen Facebook im Regelfall die Login-Daten von Gestorbenen nicht an Angehörige weiter.
Für die Trauernden, die nicht zu den registrierten Online-"Freunden" gehören, für Eltern eines verunglückten Jugendlichen beispielsweise, ist das sehr schwierig: Könnte ihnen nicht ein Einblick in das gerade vergangene Leben, das sich zu großen Teilen im Internet abgespielt hat, bei der Bewältigung ihres Verlustes helfen? Wäre es nicht gut, die Erinnerung mit Dingen aus diesem Internetleben des Toten anreichern zu können, mit Dingen, die anschaulicher machen, was ihm wichtig war?
Auf der anderen Seite fragt sich: Ist es wirklich zu wünschen, dass die Hinterbliebenen vollständigen Zugang erhalten zu allen digitalen Regungen des Gestorbenen - zu jeder erfolglosen Liebeswerbung also, zu jedem oberpeinlichen Partyfoto, zu jedem im elektronischen Archiv schal gewordenen Witz? Wäre hier nicht doch derselbe Abstand zum Intimen und Privaten geboten, den viele auch im herkömmlichen analogen Leben wahren - indem sie es vorziehen, nicht unmittelbar nach dem Tod den Schreibtisch zu durchwühlen oder das Tagebuch zu durchforsten, sondern mindestens eine gewisse Karenzzeit abzuwarten?
Virtuelle Nachwelt
Die sozialen Internetdienste, selbst noch recht jung, sind Hersteller oder doch Simulatoren von Lebendigkeit des Austauschs, von aktueller Anteilnahme, auch von jugendlicher Dynamik. Es zählt das Heute. Auf die Möglichkeit des Sterbens waren die Macher solcher Angebote und die meisten ihrer Nutzer bisher kaum vorbereitet.
Das ganze Internet hat zwar längst auch den Charakter einer gewaltigen virtuellen Nachwelt: Unermesslich viel Obsoletes wird dort inzwischen gespeichert. Es gibt allerlei "tote" Links, es wird unzählige Male virtuell gestorben (in Computerspielen), und auch schon unter den Lebendigen in gigantischen Freundeskreisen gibt es so manche Karteileiche, die sich niemals meldet.
Was aber, wenn der echte Tod kommt, der ewige Offline-Status? Wenn solche Netzwerke nicht nur rasant Millionen Mitglieder hinzugewinnen, sondern sich auch jeweils beim einzigen Nutzer die Online-Existenz immer weiter ausbreitet, und wenn längst nicht mehr nur Jugendliche mitmachen - was passiert dann nach dem Ableben mit all den (halb-)privaten Daten, Passwörtern und multiplen Identitäten?
Diese verteilen sich ja auf Freundschaftsseiten und digitale Fotoalben, auf virtuelle, also im Netz ausgelagerte Festplatten, auf Chat-Einträge oder E-Mail-Konten. Soll das alles, die persönliche digital legacy, verschwunden sein? Man mag darüber spotten, aber es könnte sogar einer trauernden Witwe helfen, unter der Identität ihres verstorbenen Mannes dessen Part im Online-Spiel "World of Warcraft" weiterzuspielen - weil sie vielleicht der festen Überzeugung ist, ihr Mann könne nicht erlöst werden, wenn er nicht den nächsten Level erreicht hat.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie inzwischen eine virtuelle Bestattungsbranche entstanden ist.
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Wenn darüber mal Gerichte entscheiden sollten, könnten diese einen Vergleich zur Offline
Welt heranziehen.
Wenn ein Toter stirbt, dann haben die engsten Angehörigen Zugang zur Wohnung, also auch zu privaten Dingen wie Fotos (auf Papier) oder Briefe. Sie bekommen dafür den Schlüssel des Vermieters um die Wohnung aufzulösen. Der Schlüssel zum Privatleben des Verstorben könnte nun von den Gerichten in die Onlinewelt als Vergleich übertragen werden, um den Hinterbliebenen zu ermöglichen ein Online Profil eines verstorben zu ändern oder eben auch aufzulösen.
negativen Bewertungen.
Zeift mir nur daß die Wahrheit weh tut, oder verdrängt wird.
Ein Drogensüchtiger gibt in der Regel auch nicht zu, daß er süchtig ist. Und jemand der sein ganzes Leben ins virtuelle Netz rausbläst und z.B. der ganzen Welt mitteilen will, daß er gerade in Spanien Urlaub macht, oder gerade verliebt ist, hat ein extremes Bedürfnis sich mitzuteilen.
Vergleichbar: Ein normaler Mensch trinkt ab und an Bier und der Süchtige trinkt jeden Tag eine Flasche Schnaps.
Trilobites hat Recht, daher geht Ihr Kommentar an der Realität vorbei. Die sozialen (sic!) Netzwerke haben ein Interesse daran, möglichst viele Mitglieder zu haben, ob es sich dabei um Karteileichen, echte Leichen oder lebendige, aktive Mitgleider handelt, ist egal.
Hier spricht Trilobites, der sich seit der Zensurwelle letztes Jahr bei der SZ löschen lassen wollte. Ich kann mich immer noch einloggen. Ich logge mich gleich wieder angewidert aus. Sie lernen nichts, hier. Hoffentlich zensieren sie mich. Für immer.
jeder Faser seines Lebens auf den Seiten wie Facebook, ist nur ein Hilfeschrei im Gefühl der Bedeutungslosigkeit.
Wen interessierts? Niemanden mit einer gesunden Portion Verstand
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