Comeback mit neuem Filehoster Kims Patentrezept gegen Piraterie

Schmitz nämlich sieht sich im Recht, und es ist nicht unwahrscheinlich, dass er es ist. Der Premierminister von Neuseeland hat sich bereits öffentlich für illegale Bespitzelung durch den Geheimdienst bei ihm entschuldigt. Die Weitergabe von Dokumenten über Megaupload durch die neuseeländische Polizei an das FBI ist ebenfalls illegal gewesen.

Tatsächlich ist es nicht unwahrscheinlich, dass Lobby-Organisationen der amerikanischen Film- und Musikindustrie auf die Durchsuchung gedrängt haben. Ihnen schlägt Schmitz süffisant vor, sich von ihm beraten zu lassen. "Wer das Urheberrecht als Waffe gegen Innovationen benutzt", sagt er, "wird am Straßenrand der Geschichte zurückbleiben". Dabei leugnet er überhaupt nicht, dass sein alter Dienst Megavideo für Produktpiraterie genutzt wurde. Er sieht sich nur nicht in der Verantwortung. "Warum sollte der, der nichts Illegales macht, bestraft werden?", fragt er - denn er sei ja nur derjenige, der Dateien speichert. Um was für Dateien es sich handele, ginge ihn nichts an: "Die Post ist nicht verantwortlich dafür, was in den Briefen ist, die sie befördert. Und wenn jemand mit dem Auto zu schnell fährt, kommt nicht der Autohersteller in den Knast."

Die Metaphern klingen gut, aber sind natürlich schief, weil ein Brief nicht von Millionen Menschen empfangen werden kann, eine hochgeladene Datei aber schon.

Megaupload habe, sagt Schmitz, illegale Dateien, von denen man gewusst habe, umgehend gelöscht. So werde es auch Mega halten. Mit Mega geht Schmitz aber noch einen Schritt weiter, weil er die Dateien seiner Nutzer nun automatisch verschlüsseln lässt, sodass tatsächlich nur der Nutzer weiß, ob es sich um legale oder illegale Inhalte handelt. Das dürfte die subversivste Umgehung rechtlicher Pflichten sein, die es je im Internet gegeben hat. Der Unterhaltungsindustrie jedenfalls dürfte das kaum gefallen.

Aber was ist schon Hollywood gegen seine Zuschauer, was die Musikindustrie gegen die Masse ihrer Konsumenten? Über eine Million Besucher haben nach Schmitz' Angaben am ersten Tag bei Mega vorbeigeschaut, alleine in den ersten zwei Stunden sollen 250.000 Nutzer online gewesen sein, bis die Server unter der Last zusammenbrachen. Der Datenverkehr vom Vorgänger Megaupload machte in Spitzenzeiten vier Prozent des gesamten Datenverkehrs im Netz aus.

Im Schwung des Erfolgs wagt Schmitz gleich noch einen kühnen Vergleich: Mit der Durchsuchung vor einem Jahr sei es wie mit der Titanic - die habe untergehen müssen, damit Regisseur James Cameron diesen tollen Film machen konnte. Und mit Mega erhebe sich jetzt aus der Asche von Megaupload ein neuer, großer Erfolg.

Vielleicht ist es Schmitz' Humor, der ihm bei seinen künftigen Strafverfahren die meisten Probleme bereiten wird.

Es sind aber seine Ideen, die ihn vom deutschen Kriminellen zu einem ernst zu nehmenden Internetunternehmer gemacht haben: Seinen Fans erklärte er neulich in einem Tweet, wie Urheberrechtsverletzungen gestoppt werden können: "1. Gute Inhalte machen; 2. Einkauf einfach gestalten; 3. Auf der ganzen Welt zum gleichen Zeitpunkt veröffentlichen; 4. Fairer Preis; 5. Abspielbar auf allen Geräten."

"Hollywood könnte der größte Spieler im Internet-Markt sein", sagt Schmitz. Man wüsste gerne, ob ihn die Anwälte in Hollywood mehr für seine Firma oder für seine Ratschläge, die ins Schwarze treffen, hassen. Schmitz dürfte das egal sein, er sieht sich längst auf einem ganz anderen Level.

Den Start seiner Pressekonferenz läutete er mit einer öffentlichen Nachricht an US-Präsident Barack Obama via Twitter ein. Wie es sich gehört für Kim Schmitz. Er ist nicht nur zurück. Er ist mega zurück.