Cebit 2013 Wirtschaft entdeckt das Teilen

Tauschplattformen im Internet waren für die Wirtschaft lange lediglich ein Ärgernis. Doch weil immer mehr Menschen Kleidung, Autos und Akkuschrauber lieber teilen als kaufen, springen nun auch etablierte Unternehmen auf den Trend auf. Für die Kunden hat das vor allem Vorteile - aber auch ein paar Risiken.

Ein Kommentar von Varinia Bernau

Unabhängigkeit ist ihnen wichtiger als Besitz. Deshalb leihen sie ihre Filme für ein paar Stunden, ihre Klamotten für eine Saison aus dem Netz. Deshalb setzen sie auf Carsharing statt aufs eigene Auto. Deshalb überlassen sie ihre Wohnung auch mal einem Unbekannten, wenn sie selbst im Urlaub sind.

Diese Menschen, meist unter 40, meist aus der Stadt, meist mit akademischem Abschluss, wollen zwar alles haben, aber längst nicht alles kaufen. Für viele Hersteller und Händler sind sie deshalb ein Ärgernis. Für diejenigen aber, die den Wandel zu nutzen verstehen, sind sie eine große Hoffnung.

Dass die Cebit die Shareconomy, also die Ökonomie des Teilens, entdeckt und zum roten Faden der an diesem Montag beginnenden Computermesse erklärt hat, zeigt: Nicht mehr nur ein paar größenwahnsinnige Start-ups, sondern auch etablierte Unternehmen machen sich Gedanken darüber, was es für eine Gesellschaft bedeutet, wenn Konsum eine gemeinsame Sache ist, wenn Konsum an Grenzen stößt. Angesichts der knapper werdenden Ressourcen, aber auch der rasanten technologischen Entwicklung ist dies eine dringend notwendige Debatte.

Austausch gab es schon immer, jetzt ist er leichter

Austausch gab es auch schon in der analogen Welt. Das Internet aber hat ihn erleichtert - erst recht, seit es hierzulande in jeder zweiten Hosentasche steckt. Von Tauschplattformen für Kleidung und Kinderspielzeug, Autos und Akkuschrauber profitieren vor allem diejenigen, die sie nutzen: Wer etwas ausleiht, der spart. Wer etwas verleiht, verdient sich ein paar Euro dazu.

Aber auch für diejenigen, die diese Portale bislang noch skeptisch beäugen, kann sich die Sache auszahlen. Dann nämlich, wenn auch Hotels ihren Service und ihre Preise überdenken, weil mehr und mehr Menschen merken, dass es auf der angemieteten Luftmatratze mitunter netter und vor allem billiger ist.

Es wird einige Zeit verstreichen, ehe solche Effekte spürbar werden. Aber der heftige Streit zwischen den kleinen Anbietern im Netz und den Etablierten lässt erahnen, dass viele Branchen, von der Musik- bis zur Modeindustrie, vom Tourismus bis zur Steuerberatung, in Bewegung gekommen sind. Der Gewinner dieses Wettbewerbs ist in der Regel der Kunde.