Konzeptlosigkeit und fehlende Strukturierung sorgen seit Jahren für Besucher- und Ausstellerrückgang auf der Computermesse Cebit in Hannover. Nun will sich die Messe neu definieren.
Das Zweier-Sofa wirkte in der weiten Messehalle fehl am Platz. Platz genommen hatte - aus Mangel an Kundschaft - das Personal eines Computerherstellers selbst. Mit einer Wohnzimmer-Imitation inklusive Sitzgelegenheit, Couchtisch und technischem Gerät hatte die Firma auf der Computermesse Cebit 2006 die Verschmelzung von Unterhaltungsgeräten mit solchen aus der Informationstechnologie (IT) zeigen wollen.
(© Foto: Deutsche Messe AG)
Anzeige
Immerhin hatte die Messegesellschaft für das Thema unter dem Namen digital living viel Fläche ausgewiesen - allerdings kam das für die Planung vieler Aussteller zu spät. Daher gab es in Halle 27 nur wenige, bunt zusammengewürfelte Stände, viel freie Fläche und kaum Besucher. Die Szene beschreibt einen Fehler der Cebit-Veranstalter - und dies ist nur einer von vielen. Ein neues, dringend nötiges Konzept soll nun die Wende zum Besseren bringen.
Pflicht für die Branche
Die guten Zeiten sind passé: Im vergangenen Jahr kamen 434.000 Besucher zur Cebit. Damit findet in Hannover die nach wie vor größte Messe der Welt für die IT- und Telekommunikationsindustrie statt. ,,Als führende IT-Messe ist sie für Unternehmen der Branche Pflicht'', sagt etwa Achim Berg, der neue Deutschlandchef von Microsoft.
Doch im Vergleich zum Rekordjahr 2001 hat die Cebit fast die Hälfte ihrer Besucher verloren. Die Ausstellerzahl ging um ein Viertel auf 6100 in diesem Jahr zurück, die Ausstellungsfläche um ein Drittel. Die Absagen von wichtigen Unternehmen des Sektors, so etwa vom Handyhersteller Nokia oder der Druckerfirma Konica Minolta, hatten Signalwirkung. Der Druck auf die Cebit-Veranstalter steigt durch Hausmessen der Firmen selbst, durch Fachmessen wie die 3GSM für Mobilfunk in Barcelona, und auch durch die Funkausstellung im eigenen Land.
Cebit wird Geschäftsmesse
Um die Cebit zu altem Glanz zu führen, will der Veranstalter Deutsche Messe jetzt Ordnung in das Messekonzept bringen. ,,In der Vergangenheit hat sich die Cebit stark an Technik orientiert'', sagt Sven Prüser, verantwortlich für die Cebit bei der Deutschen Messe. Künftig wird an den Ständen der Aussteller auch gezeigt, wie Computer helfen, Alltagsprobleme in Firmen zu lösen. Damit soll die Cebit vor allem eine wichtige Geschäftsmesse werden. Ein Konferenzprogramm soll 2008 zudem wieder mehr Firmenkunden zu der dann von sieben auf sechs Tage verkürzten Messe locken.
Obwohl der neue und gleichzeitig alte Fokus auf die IT-Profis zielt: Konsumentenprodukte wird es weiter auf der Cebit geben. Zwar interessiert Geschäftskunden das digitale Leben zu Hause nur privat, doch die Messe kann den Bereich nicht vernachlässigen - sonst verliert sie Aussteller an ihren deutschen Rivalen, die Internationale Funkausstellung (IFA), die im Sommer in Berlin stattfindet. Dabei heißt es offen: Für zwei Messen in Deutschland so kurz hintereinander hat die Branche kein Geld.
(SZ vom 13.03.2007)
Bruce Springsteen in Frankfurt