Sie haben es ja versucht: Bambusrohre, flache Bildschirme, bemühte Slogans. Doch die Cebit war eindeutig erfolgreicher, als sie noch wirkliche Neuheiten präsentierte.
Pünktlich zum Start der weltgrößten Computermesse Cebit streikten am Dienstag in Hannover die U-Bahn-Fahrer. Zwischen drei Uhr und sieben Uhr fuhr keine U-Bahn zum Messegelände. Doch was als erfolgreicher Warnstreik gedacht war, hat kaum einer der Aussteller mitbekommen: Keine Schlangen am Bahnhof, keine überfüllten Bahnen zu späterer Stunde. Am Eröffnungstag verloren sich Besucher fast in den Hallen, gelangweilte Hostesses starrten ins Leere oder hielten ein Schwätzchen mit den Kollegen vom Nachbarstand.
"Green IT" war das Zauberwort auf der Cebit. Doch nur mit ein paar Bambusrohren lässt sich heute niemand mehr hinter dem Laptop hervorlocken. (© Foto: dpa)
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Dabei hatten sich die Macher von einem neuen Konzept einen deutlichen Aufschwung erhofft. Seit dem Ende der Dotcom-Blase fallen die Aussteller- und Besucherzahlen kontinuierlich. Um nicht in halbleeren Hallen eröffnen zu müssen, verzichtete die Cebit in diesem Jahr erstmals auf die große Halle 1. Sie sei mit ihren festen Einbauten einfach zu unflexibel für die Wünsche der Aussteller.
Die Cebit-Veranstalterin Deutsche Messe AG hatte das Konzept der Messe so geändert und einzelne Bereiche gebündelt. Die Besucher sollen möglichst kompakt das für sie interessante Angebot nutzen. Soweit die Theorie. Die Praxis aber sieht so aus, dass die großen Telefonanbieter wie die Telekom und Vodafone eigene kleine Hallen besetzen, die sie mit allen eigenen Firmenangeboten ausstaffiert haben.
Überdimensionaler T-Punkt
Vodafone hat sich dem Green-IT-Motto der Messe angepasst uns zwischen die Tresen und Gänge ein paar Bambusrohre gesteckt. Die Telekomhalle ist ein überdimensionierter T-Punkt, allerdings mit jungem, freundlichem Personal. Am Eingang gibt's das iPhone zum Anfassen. Das Apple-Handy wird noch Monate nach dem Verkaufsstart als Neuheit präsentiert.
Die Cebit kann sich nicht entscheiden, ob sie nun ein Magnet für ein an Technik interessiertes Publikum sein will oder sich doch eher an Fachleute richtet. Laut Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer wird "die Messe immer mehr zu einem Davos der ITK-Branche." Ob aber die kurze Anwesenheit von Angela Merkel und Nicolas Sarkozy für ein solches Statement bereits ausreicht? Wenn sich irgendwo mehr als ein, zwei Menschen an einen Stand einfinden, liegt das daran, dass Panasonic oder Samsung wie auf der IFA ihre überdimensionierten Fernseher zeigen oder in der Spielehalle junge Gamer zu dröhnender Musik ihrem Hobby frönen und feindliche Monster erschießen.
Wirkliche Neuheiten haben die wenigsten Hersteller mit zur Cebit gebracht, was sich auch an dem Besucherandrang der Pressekonferenzen ablesen lässt. Allein die Ankündigung, dass Microsoft und die Telekom nun auch den äußerst erfolgreichen EeePC von Asus mit einem Betriebssystem respektive UMTS-Stick beglücken, begeistert die Computerjournalisten und sorgt für ein volles Haus. Ansonsten steckt hinter Pressekonferenzthemen mit dem vielversprechenden Titel "Internettrends 2008" die Ankündigung künftig SaaS, also Mietsoftware zusammen mit den Website-Hostingangebot zu verkaufen.
"Wo arbeiten die Ideen?"
Wem da der Sinn nach Innovation steht, macht sich auf den Weg in Halle 9, dem Future Parc. Hier präsentieren die Bundesländer ihre IT-Forschungsfakultäten. Je nach Budget sind die einzelnen Stände geraten. Während Mecklenburg-Vorpommerns Wissenschaftlern wenige Quadratmetern genügen müssen, hat der Süden Deutschlands geklotzt. Die jungen Forscher präsentieren 3-D-Bildschirme, interaktive Pokerrunden und medizintechnische Themen, wie Bilderkennung bei Tumoren und Anwendungen, die sich über Gedanken steuern lassen. So sinnvoll und innovativ dies ist, so wenig haben sich die Standverantworlichen Gedanken über die Slogans gemacht, mit denen die Länder ihre Stände betitelt haben. Baden-Württemberg kann jetzt zwar immer noch kein Hochdeutsch, aber dafür Englisch. Das Motto zwischen Neckar und Bodensee: "Where Ideas Work". Thüringen wird zur "Denkfabrik", Brandenburg ist "digital", Bayern "innovativ" und an Hessen "führt kein Weg vorbei".
Ob künftig im März tatsächlich alle Wege nach Hannover führen, muss sich noch zeigen. Die Bitkom zählte zur Halbzeit 200.000 Besucher und feiert das als Erfolg. Wenn es am Ende das Doppelte wird, hat die Cebit im Vergleich zum Vorjahr aber noch einmal an Attraktivität verloren. 2007 zählte die Messeleitung 490.000 Besucher.
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(sueddeutsche.de/bön)
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