Die Cebit in Hannover muss sich von teuren High-Tech-Träumen verabschieden. Von Nina Bovensiepen.
(SZ vom 12.3.2003) - Ginge es nach den Managern internationaler Technologiekonzerne, würden wir längst im total vernetzten Haushalt leben, in dem der Herd mit dem Handy kommuniziert. Wären die Pläne der Firmen aufgegangen, würden wir heute nicht mehr auf der Tastatur unseres Computers herumhacken, sondern das Gerät seit Jahren per Spracherkennung bedienen. Und wären die Vorhersagen der High-Tech-Gurus wahr geworden, würden wir das Internet nicht mehr nur zum Surfen und Mailen, sondern auch zum Telefonieren benutzen.
Hätte, würde, wäre - alle Jahre wieder präsentieren die Unternehmen auf der Computermesse Cebit neue Technologien, die angeblich unser Leben in der Welt von morgen bestimmen werden. (© Foto: dpa)
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Hätte, würde, wäre - alle Jahre wieder präsentieren die Unternehmen auf der Computermesse Cebit neue Technologien, die angeblich unser Leben in der Welt von morgen bestimmen werden. Oft sind die im März auf dem Branchentreff noch umjubelten Innovationen allerdings schon ein paar Wochen später still und leise in der Versenkung verschwunden. 1997 zum Beispiel hieß der Trend auf der Cebit interaktives Fernsehen.
Die Experten schwärmten von dem Zusammenwachsen von PC und Fernseher zum Multimedia-Terminal. Dies blieb ebenso ein Traum wie der Erfolg von Wap. Diese Technik, die im Jahr 2000 auf der Cebit gefeiert wurde, ermöglicht es, Inhalte aus dem Internet aufs Handy zu laden. Das Kürzel Wap, das eigentlich für Wireless Application Protocol steht, münzten Spötter schnell in Wait and Pay um, was das Problem treffend beschrieb: zu teuer und zu langsam. Dieses Jahr preist die Mobilfunk-Branche nun noch einmal ihre neue Technologie UMTS an, deren Durchbruch schon für das vergangene Jahr angekündigt gewesen war.
Bringt die Leitmesse der Informationstechnologie also mehr Flops als Tops hervor? Die Negativserie der vergangenen Jahre kratze am Ruf der Messe als Trendbarometer der High-Tech-Welt, konstatiert die Unternehmensberatung Mummert Consulting jetzt in einer Studie. Eine Folge davon sei der Rückgang der Aussteller- und Besucherzahlen. Tatsächlich kämpft der Veranstalter der Cebit, die Deutsche Messe AG mit drastischen Einbrüchen. Im Boomjahr 2001 kamen noch 8093 Unternehmen und knapp 850.000 High-Tech-Interessierte nach Hannover. In diesem Jahr, das natürlich auch von den konjunkturellen Unsicherheiten geprägt ist, werden nur etwa 6.500 Firmen und gut 600.000 Besucher erwartet.
"Man kann einen Trend zwar unbegrenzt hochjubeln, aber der Kunde hat nur ein begrenztes Budget", beschreibt Roland Heintze von Mummert Consulting das Kernproblem der IT-Branche. In der Vergangenheit haben die Firmen auf der Messe viele technische Spielereien präsentiert, ohne sich Gedanken über die reellen Marktchancen der Produkte zu machen.
Das Platzen der Internet-Blase und die Konjunkturkrise haben immerhin bewirkt, dass den Unternehmen die Probleme bewusst geworden sind. "Die Zeiten, in denen man sich das Träumen leisten konnte, weil genug Geld da war, sind vorbei", sagt Heintze. "Jetzt sind Dinge gefragt, die am Markt reüssieren." Das mag manche Neugierige, die sich in den letzten Jahren von technischen Fanstastereien nach Hannover locken ließen, von einem Besuch abhalten.
Für Aussteller und Veranstalter, die die Cebit in diesem Jahr passenderweise als "Messe der Realitäten" bezeichnen, ist es zugleich die Chance, den Branchentreff in seiner Bedeutung als Leitmesse, auf der Geschäfte gemacht und Trends geschaffen werden, zu stärken.