Campus Party Europe in Berlin Zehntausend feiern Festival der Geeks

Auf der Campus Party in Berlin treffen sich nicht etwa 10 000 Studenten, sondern High-Tech-Fans aus aller Welt. Sie tauschen Ideen aus und diskutieren über Zukunftstechnologien. Bei all dem feiern die Sponsoren kräftig mit.

Von Leonard Goebel

Irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Seine Augen sind weit aufgerissen, drehen sich hin und her. Wenn ein Hindernis in Sicht ist, nimmt er eine andere Richtung. Er spricht nur selten und recht leise. Aber das alles ist es nicht, was Markus Knapp beschäftigt. Er ist genervt, weil die Kamera seines Roboters kaputt gegangen ist.

Die Start-Up-Szene in Berlin ist eine der lebendigsten in Europa. Konsequenterweise findet dort in diesen Tagen auch die Campus Party Europa statt.

(Foto: Getty Images)

Drei Jahre lang hat Knapp an dem PC-großen Kasten gearbeitet. Hat ihm beigebracht, auf vier Rädern zu fahren und mithilfe eines Laserscanners selbständig die Richtung zu wechseln, wenn der Weg versperrt ist. Hat ihm eine Stimme gegeben und eine Funkverbindung für die nonverbale Kommunikation. Hat ihn mit Musikanlage, Bildschirm und Blinklichtern ausgestattet. Und mit einer Kamera. Aber die ist jetzt kaputt. Ausgerechnet bei der Campus Party.

Die Campus Party ist ein Festival für Technikfreaks. Für Programmierer, Bastler, Spieler, Hacker und alle, die Ideen für die digitale Welt der Zukunft haben. 10 000 von ihnen haben sich seit Dienstag für fünf Tage in Berlin einquartiert, in der Vorhalle des ehemaligen Tempelhofer Flughafens. Außer ihren Zelten sind dort lange weiße Tischreihen mit Laptops und Lan-Kabeln untergebracht, dazwischen neun Bühnen, auf denen Vorträge und Diskussionen stattfinden. Es gibt abgetrennte Bereiche für Workshops.

Es ist die erste Campus Party in Deutschland und die größte, die es bisher gab. 1997 kamen erstmals 250 sogenannte Campuseros in Spanien zusammen. Und noch immer kommt ein Großteil der Teilnehmer und Organisatoren von dort. Inzwischen ist die Campus Party international geworden - und hat politische und wirtschaftliche Relevanz bekommen. Sponsoren wie Telefonica, Google oder Microsoft haben das kreative Potenzial der Veranstaltung für sich entdeckt.

Wirtschaftsminister und EU-Kommissarin lassen sich blicken

Auch die Europäische Kommission will es nutzen: EU-Kommissarin Neelie Kroes kam gestern nach Berlin, um Ideen für eine neue Digitale Agenda zu sammeln. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, Bestsellerautor Paulo Coelho und der israelische High-Tech-Pioneer Yossi Vardi waren ebenfalls schon da. "Dieses Event ist eine Kirche für die säkulare Religion der Internet-Generation", sagt Vardi.

Markus Knapp ist ein Anhänger dieser Religion. Er twittert, bloggt und stellt Podcasts auf seine Internetseite, deren Adresse auf sein schwarzes T-Shirt gedruckt ist: robotiklabor.de. Über Umwege wurden die Veranstalter auf ihn aufmerksam und luden ihn auf die Campus Party ein. "Es ist einfach überwältigend hier, der Austausch mit den Leuten, die ganze Atmosphäre", sagt er. Eigentlich ist er Leiter einer IT-Abteilung im Reisekonzern Tui. Nach der Arbeit bastelt er an seinem Roboter. Oder an einem Fluggerät, das er zusammen mit einem Gleichgesinnten programmiert - via Skype. Ein Ziel gibt es dabei nicht. "Das ist wie bei Lego früher. Wenn es fertig ist, wird es langweilig", sagt Knapp. High-Tech ist sein Hobby. Und die Campus Party ein riesiger Hobbyraum.