Es beginnt eine traurige Zeit. Die Bundesliga-Saison ist vorbei, Bayern ist Meister, und alles ist gut. Oder schlecht. Je nachdem, für welchen Verein das Herzerl schlug.
Nun, in den langen Sommermonaten, bleiben keine Alternativen. Nur blöde Biergärten. Die Boulevardpresse wird die Fans wieder mit einigen nichtigen Meldungen über allerlei Skandälchen rund um die Liga vertrösten, und die Kicker selbst liegen in der Sonne. Ist es nun also gut und hilfreich, dass gerade jetzt "Bundesliga Manager X" erscheint, mal wieder eine Neuauflage von Software 2000? Mal wieder ein Angriff auf den Genrekönig "Anstoss 3", der diesen wiederum mit der Erweiterung "Anstoss Action" abzuwehren versucht. Nun, das wäre gar nicht nötig gewesen.
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Vorab: "Bundesliga Manager X" ist ganz sicher kein schlechtes Spiel und gerade für Neueinsteiger ins Genre durchaus geeignet. Aber auch diese Veröffentlichung trifft das harte Schicksal, eben in allem mit Ascarons Branchenführer verglichen zu werden. Das mag nicht fair erscheinen. Muss aber sein. Denn zunächst geht es für die ja gar nicht kleine Anhängerschaft der Fußball-Manager um einen wertvollen Hunderter wenig im Schweinchen, zum anderen setzte "Anstoss 3" in Sachen Innovation und Kreativität neue Maßstäbe. Und eben hier bleibt "BMX" deutlich hinter den Ansprüchen zurück. Alles, was im Angebot ist, gab es schon mal - irgendwo. Es ist, so scheint's, wirklich schwer, dem abgegriffenen Genre neue Akzente abzuringen.
Dabei ist der wichtige Organisationspart recht gut gelungen. Die Menüführung gestaltet sich problemlos. Die üblichen Dinge sind zu erledigen, von der diesmal sehr umfangreich angelegten Trainingsgestaltung über mögliche Transfers bis hin zu Aufstellung und Finanzen. Da solch zeitraubende Maßnahmen nicht jedermanns Sache sind, besteht auch hier die Möglichkeit, sich bei einzelnen Aufgaben kompetente Hilfe zuzuweisen. Erfreulich auch: Zehn Warnlämpchen weisen darauf hin, wenn Unerledigtes - von Verletzungen bis hin zum E-Mail-Verkehr - auf Abarbeitung wartet.
Seine Stärken hat "Bundesliga Manager X" vor allem in den sehr authentischen Auswirkungen, die alle getroffenen Entscheidungen auf den tatsächlichen Spielbetrieb haben. Der Zufall spielt, so weit wie in der Realität eben auch, eine Rolle. Dennoch zahlt sich eine intelligente Vereinsführung später auf dem Spielfeld spürbar aus. Ebenso werden taktische Fehler durchaus bestraft. Nicht immer ist es eben sinnvoll - auch mit dem FC Bayern München nicht - die Mannschaft voll auf Angriff auszurichten und auf ein glückliches 5:4 zu hoffen. Ottmar Hitzfeld hat's im wahren Fußballleben gezeigt, warum sollte das hier auch anders sein?
Apropos FC Bayern München: Den gibt es hier nicht. Wie auch Schalke 04 nicht. Und all die anderen auch nicht. Es fehlt die offizielle DFB-Lizenz. Zwar wurde ein Editor integriert, der die Neugestaltung aller Spieler und Mannschaften erlaubt, aber wer mag schon einen Tag damit verbringen? Im Internet stehen aber schon jetzt Downloads zur Überarbeitung, die im Übrigen nicht ganz einfach ist, bereit.
Dann endlich könnte es einen Emile Mpenza geben, der auch über authentische Eigenschaften wie seine sagenhafte Schnelligkeit verfügt. Und erst dann stellt sich beim Fußball-Fachmann der ausreichende Spielspaß ein. Den Kickern wurden übrigens eine ganze Reihe von Leistungsmerkmalen zugewiesen. Nicht einfach, da den Überblick zu behalten. Schade nur, dass der emotionale Part weitgehend ohne Überraschungen bleibt. Will sagen: Die Ersatzbank meutert nicht. Also: Kein Rotationsverfahren zur Motivation der Spieler aus der zweiten Garnitur. Keine heiteren Zwischenfälle, keine traurigen Nachrichten.
Eine der größten Schwächen des Spiels liegt jedoch in dem Verzicht auf einen klassischen Karrieremodus. Rausschmiss unmöglich! Das zwingt zum einen dazu, bereits zu Beginn eine endgültige Entscheidung für einen bestimmten Verein zu treffen. Zum anderen macht es den Erfolg zur Marginalie. Sicher, jeder will Meister werden. Aber authentisch ist alles eben nur, wenn der Trainer von Borussia Dortmund mit der Entlassung rechnen muss, weil er sein Team bis zum Saisonende nicht auf einen Platz geführt hat, der zum internationalen Wettbewerb gereicht.
Das zweite, wesentlich schwer wiegendere Problem ist jedoch die Spieldarstellung selbst, die sich entweder im 3D-Verfahren, im vollkommen unsinnigen 2D-Verfahren oder als reines Ergebnis begutachten lässt. Wieder einmal wurde auf den Textmodus verzichtet, der es dem Trainer erlaubt, eine Partie zu verfolgen, ohne die gewohnt mäßig gestalteten Herren auf dem Spielfeld bei ihren merkwürdigen Aktionen zu verfolgen. Jörg Wontorra kommentiert die diesmal, ziemlich emotionslos übrigens. Wann werden die Verantwortlichen hinter all diesen Managern (außer "Anstoss" natürlich) endlich begreifen, dass das eigentliche Spiel - sofern es nicht in vernünftiger Qualität präsentiert wird - einfach nur lästig ist. Es geht darum, bei eventuellen Rückständen eingreifen zu können, Auswechslungen zu tätigen, Taktiken zu verändern. Aber sicher nicht darum, zu prüfen, ob Herr X nun konsequent seine rechte Außenbahn hält. Der Test erfolgte mit der PC-Version.
Bundesliga Manager X für PC/Playstation 2, Avalon, 90/110 Mark.
Quelle: Teleschau - der Mediendienst
OB-Kandidatin Nallinger