Sie kommen von überall, keiner scheint vor ihnen sicher zu sein: Viren, Würmer und anderer virtuelles Ekelgetier. "Angriffe aus dem Netz" können längst auch Otto Normal-Surfer erwischen und teuer zu stehen kommen.
Waren das noch Zeiten: Skript-Kiddies klickten sich einen hübschen Internet-Wurm zusammen und wollten damit die Welt verbessern. Diese Zeiten hat das Internet Anno 2006 weit hinter sich gelassen, und das ist gar nicht gut so. Warum uns diese Entwicklung zu denken geben sollte, das hat Alfred Krüger unter dem Titel "Angriffe aus dem Netz" aufgeschrieben.
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Buchcover (© )
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Seine Grundthese: Nicht mehr die Amateure und schlimmstenfalls publicitygeilen Freaks der Gründerzeit dominieren die Szene, sondern Profis. Die Profis, das müssen nicht diejenigen sein, die am Computer sitzen und Viren, Würmer und anderes Ekelgetier der virtuellen Welt produzieren. Sie sind vielmehr die Auftraggeber.
Mit anderen Worten: das Internet ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, zur Infrastruktur wie eine Straße. Und auf einer Straße kann man überfallen werden - besonders in zwielichtigen Gegenden.
Groß aber ist die Gefahr mittlerweile auch für Surfer, die keine Schmuddelseiten ansteuern. Ein Computer, der nur für wenige Minuten ungeschützt und mit einigen der weit verbreiteten Sicherheitsmängel ans Internet angeschlossen ist, fängt sich gleich mehrere Schadprogramme ein. Und sind die erst einmal auf dem Rechner, wird es mitunter schwer, sie wieder los zu bekommen.
Ja, die tückischsten unter ihnen verstehen es, sich derart im Betriebssystem (meist Windows) zu verstecken, dass selbst Experten alle Mühe haben, sie wieder zu beseitigen. Erst kürzlich riet Windows-Hersteller Microsoft bei diesen Camouflage-Viren, sog. root kits, besser die Festplatte des Computers neu zu formatieren und Windows komplett neu zu installieren.
Eine neue Szene digitalen Verbrechens
Der Konzern aus Redmond gibt sich auch besorgt über die zunehmende Unsicherheit, die selbst den bisher eher sorglosen Anwender befällt, wenn er wieder mal sensible Daten wie etwa die Kreditkartennummer eingibt. Ganz entgegen früheren Tagen arbeitet Microsoft sogar selbst an einem Programm, das Spione auf der Festplatte entdecken und unschädlich machen soll.
All die Bedrohungen aus dem Netz - vom Datendiebstahl mittels Trojaner-Software bis zu Angriffen auf Firmenserver mit so genannten Zombie-Netzwerken - beschreibt Krüger mit griffigen Beispielen. Der dokumentarische Stil wirkt zwar zuweilen etwas aufgesetzt, es gelingt dem Autor aber, die "neue Szene des digitalen Verbrechens" - so der Untertitel - in ihrer gesamten Bandbreite darzustellen.
Unklar bleibt allerdings, wer mit dem Buch angesprochen werden soll. Für Fachleute ist es im wesentliche eine teils durch einige vertiefte Fakten angereicherte, teils anekdotisch erzählte Sammlung weitgehend bekannter Fälle und Methoden der Internet-Kriminalität.
Dem Nicht-Fachmann bleibt dagegen Einiges unklar. Es fehlt ein Glossar, und es fehlt vor allem ein Kapitel darüber, in dem die vereinzelten Hinweise zusammengefasst würden, was man denn gegen die Schmutzflut tun kann.
Freilich: Das Buch verspricht ja auch nicht, dem Leser dabei zur Hand zu gehen. Wem es also reicht, über die derzeitige Bedrohungslage relativ komprimiert informiert zu werden, der ist mit Krügers Sammlung gut bedient. Eine konkrete Hilfe ist dieses Wissen vor allem dem Laien aber noch nicht.
(sueddeutsche.de)
(Alfred Krüger: "Angriffe aus dem Netz - die neue Szene des digitalen Verbrechens". Erschienen bei Heise 2006. 206 Seiten, Preis: 19 Euro.)
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