Ein Gespräch mit dem Science-Fiction-Autor über die Ewigkeitsuhr, Dot-Coms, das intellektuelle Copyright im Internet und seine Heimat.
Was halten Sie von der blank'style='text-decoration:underline;'>Long Now Foundation und der "Ewigkeitsuhr"?
Bruce Sterling: "Ich bin ein Fantast." (© Foto: Hans Kettwig)
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Sterling: Ich kenne Danny Hillis, Briano Eno, Stewart Brand und die anderen. Sie haben mich gefragt, ob ich mitmache. Aber das ist nichts für mich. Das ist ihre Spielwiese, besonders die von Danny. Er ist der Ingenieur, der geniale Erfinder und er hat auch das Geld, um so eine Idee umzusetzen. Als Pop-Kultur-Menschen haben sie auch viel mehr Chancen mit so einer Schnapsidee durchzukommen, als irgendeine ernsthafte Institution.
Ein paar Leute kaufen einen ganzen Berg in Utha und planen eine riesige Ewigkeitsuhr darauf zu bauen. Was soll das Ganze?
Sterling: Grundsätzlich geht es darum ein Momument zu schaffen für die Kontinuität. Es ist schon interessant, ein Projekt zu betreiben, dass unseren Horizont in Richtung Ewigkeit erweitert. Wir machen das ja auch auf der "Viridian-List", indem wir die Jahreszahlen mit einer Null davor schreiben - also nicht einfach 2000 sondern 02000. Ob dieses Monument, die Ewigkeitsuhr, so dauerhaft sein wird wie erhofft ist eine ganz andere Frage. Vielleicht wird der größte Spaß, den die Jugendlichen der nächsten Generation damit haben, darin bestehen, die Uhr umzustumpen.
Weshalb leben Sie in Austin, Texas? Wo sie doch so gute Kontakte zu den Bay-Area-Leuten in San Francisco und all den Dot-Com-Unternehmen haben.
Sterling: Oh. In Austin gibt es haufenweise Dot-Coms. Wir sind voll von kalifornischen Flüchtlingen. Michael Dell, der größte Computerhändler, ist in Austin. Motorola ist in Austin. Es ist eine richtige Silicon-Stadt. Der nächste Präsident wird wohl aus Austin kommen. Wir sind da schon seit Jahren unter einem Bush-Regime. Wir sind unserer Zeit einfach voraus. Die Austin-Washington-Achse. Es ist ein G-7-Land. In Bremen, Tokio oder Hamburg zu sein ist auch nicht viel anders. Ok. Lassen wir Tokio da mal raus. Das ist eine richtige Großstadt. Nehmen wir Bremen. Da gibt es auch schlaue Köpfe. Vielleicht nicht Millionen davon, aber ein paar schon. Irgend etwas muss auch dort abgehen. Oder nehmen wir Köln.
Sie sind nicht in Austin geboren?
Sterling: Nein. Aber ich lebe seit 27 Jahren in Austin und habe mich daran gewöhnt. Ich reise viel und ich freue mich zu einem Ort zurückkehren zu können, wo ich mich zuhause fühle. Die Presse lässt mich dort in Ruhe. Verleger kommen nicht an mich ran. Ich kann einkaufen gehen, ich kann in ein Restaurant gehen. Einfach so, ohne angequatscht zu werden. Ich führe ein normales Leben. Dort leben meine Frau, meine Kinder, dort ist mein Haus. Es gibt mir Wurzeln, die es mir erlauben, mich auf das zu konzentrieren, was ich tue. Und die Bibliotheken in Austin sind sehr gut.
Schreiben erfordert viel Konzentration.
Sterling: Ja. Es ist schon ein wenig gefährlich, abgeschnitten zu sein. Denn der soziale Aspekt des Schreibens bedeutet, lange Zeit isoliert und alleine zu sein. Solange kann man nicht an seiner eigenen Berühmtheit in der Öffentlichkeit arbeiten. Aber ich mache das ohnehin lieber über das Internet.
Wen haben Sie als Texaner gewählt?
Sterling: Wissen Sie, ich solidarisiere mich da mit der Mehrheit der Weltbevölkerung, die sich nicht für amerikanische Politik interessiert. Ich bin viel mehr an dänischer und deutscher Politik interessiert. Bei der "Viridian-List" gibt es auch eine Menge Deutsche, deren Beiträge ich sehr schätze. Leider spreche ich kein Deutsch. Immer noch nicht.
Sie wirken sehr pragmatisch. Sind Sie ein Realist?
Sterling: Ich bin ein Fantast. So steht es in meiner Arbeitsplatz-Beschreibung. Ich denke mir Sachen aus. Ich spekuliere über Dinge, die es nicht oder noch nicht gibt, aber Wirklichkeit werden könnten. Wenn es sie dann gibt, verliere ich das Interesse an ihnen.
Interessiert Sie das Web überhaupt noch?
Sterling: Das Web ist mondän und gleichzeitig sehr alltäglich geworden. Ich war ein großer Verteidiger der Bürgerrechte im Web, sehr daran interessiert, was die Polizei, das Militär und die Spionageabwehr damit anfangen würden. Damit habe ich mich viel beschäftigt und darüber habe ich viel geschrieben. Selbstverständlich ist es nicht mein Job den Menschen zu erzählen wie ein Modem oder ein Rechner funktioniert. Meine Aufgabe ist es viel mehr, die Menschen zu fragen: "Wundert ihr euch nicht auch darüber, dass jedes Jahr vor der Küste der Normandie irgend so ein Öltanker auseinanderbricht und absäuft?"
Wie wird es mit dem Copyright im Internet weitergehen?
Sterling: Ach Jungs, ihr seid doch selbst Schreiber. Ihr wisst doch, wie der ganze Laden läuft. Ich werde das so oft gefragt. Ich weiß es nicht. Ich habe keine Ahnung, wie ein Modell für den Schutz des intellektuellen Copyrights aussehen könnte. Vielleicht liegt vor uns eine ganze Generation der Unsicherheit, der Turbulenzen, in der Musiker und Autoren keine Möglichkeit haben werden, für ihre Arbeit und ihre Produkte richtig bezahlt zu werden. Ich weiß es nicht. Also: Wenn Ihr eine Idee habt, lasst es mich wissen.
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