Kurz vor den Wahlen verabschiedet das britische Parlament ein umstrittenes Internetgesetz: Filesharern drohen heftige Sanktionen, der Wirtschaftsminister darf Internetseiten blocken.
Im Vorfeld war viel geredet worden, doch am Ende ging es ganz schnell: Die Debatte am späten Mittwoch dauerte gerade einmal zwei Stunden, dann war die "Digital Economy Bill" verabschiedet - ein äußerst umstrittenes Gesetz, das den Umgang mit illegalen Downloads und die Wahrung des Urheberrechts im Internet zeitgemäß regeln soll.
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Britisches Parlament in London: Umstrittenes Gesetz zur Wahrung des Urheberrechts. (© Foto: iStock)
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Bürgerrechtler hatten in den vergangenen Monaten gegen das Gesetz mobil gemacht, da sie die Einführung einer Three-Strikes-Law fürchteten, wie sie es bereits in Frankreich gibt. Wer dort urheberrechtlich geschütztes Material im Netz verbreitet, kann nach zwei Warnbriefen mit der Abschaltung des Internetanschlusses bestraft werden.
Diese Regelung wurde im Vorfeld aus dem Entwurf gestrichen, um in abgeschwächter Form wieder aufgenommen zu werden. Internetprovider sind nun verpflichtet, bei Hinweisen auf Urheberrechtsverstöße Nutzern Warnhinweise zu schicken und die Anschlussdaten an die Rechteinhaber weiterzugeben.
Zwölf Monate Schonfrist
Ein Jahr lang soll gemessen werden, ob diese Warnungen tatsächlich zu einem Rückgang illegaler Downloads führen. Sollte dies nicht der Fall sein, kann die unabhängige Regulierungsbehörde Ofcom auch "technische" Sanktionen gegen die Kunden anordnen. Diese können aus einer Drosselung der Internetgeschwindigkeit, aber auch aus einem Kappen der Verbindung bestehen.
Bürgerrechtler sehen ein mögliches Abschalten von Internetabschlüssen kritisch: So könnten bei Internetzugängen, die von mehreren Menschen genutzt werden, Unbeteiligte bestraft werden. Auch die Regeln für ein Abschaltprocedere sind im verabschiedeten Gesetz offen gelassen - fest steht nur, dass der Kunde ein Recht hat, bei einer unabhängigen Stelle Widerspruch gegen eine Sperrung einzulegen.
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Wirbel um Obama-Biographie
Dieses Gesetz ist der Untergang der bürgerlichen Freiheiten im vereinigten Königreich. Ist schon sehr praktisch, wenn man ein Gesetz derart schwammig formuliert, so daß man alles inkriminieren kann.
...ein Thema wie dieses geht über den Bereich "digitales Leben" weit hinaus. Er betrifft das "analoge Leben" in erheblichem Maße.
Und auch das Argument, dass Menschen, die sich für Computertechnik nicht interessieren und sich deswegen die Kolumne "Digital" nicht zu Gemüte führen, unbedingt ebenfalls (oder grade!) informiert werden sollten, ist mehr als stichhaltig.
Btw: Selbstverständlich wollen wir Sie keinesfalls arbeitslos machen, Herr Kuhn. Auch von mir größte Anerkennung, dass Sie sich hier der Diskussion stellen. Absolut vorbildlich, ja, man könnte beinahe vom "Web 3.0" sprechen ;-)
MfG
Flywheel
Sorry Herr Kuhn,
Kulturoptimist hat vollkommen recht. Internetsperren gehen weit in das Gesellschaftsrecht hinein, da sie die Meinungsfreiheit einschränken. Das geht über das digitale Leben hinaus, ebenso wenn China das Recht ihrer Bürger beschneidet und Google zensieren will.
Hallo Herr Kuhn,
danke für die Stellungnahme; etwas wofür ich Sie hier sehr schätze!
Die Rubrik "Auto" lese ich nur sehr selten, weil ich kein besonderer Autofan bin. Hingegen beträfe mich eine Kürzung der Pendlerpauschale schon recht deutlich, da ich das Auto *benutze*, um zu meiner Arbeit zu gelangen.
Als Internetnutzer der ersten Stunde kenne ich noch die Zeit, in der man sein Modem per Terminalkonsole überreden musste, die Verbindung herzustellen und dann diverse Protokolle "darüber stülpte", um Teil des Internets zu werden.
Seinerzeit sicherlich etwas für "Freaks", aber diese Schrecken hat es nun verloren und ist oft ganz unscheinbar Teil unseres Lebens, ohne dass wir über seine Funktion allzu viel wissen müssten.
Von diesem Ressort würde ich mir schon erwarten, dass gründlich recherchiert etwa erklärt würde, warum die Zensursula-, heute Censilia-Gesetze, ins Leere greifen, wie die Netze funktionieren, in denen tatsächlich Filme, Musik und eben leider auch Kinderpornos getauscht werden, etc etc...
Vom Politikressort würde ich mir darauf aufbauend aber eine gleichwertige Berichterstattung wünschen, darauf eingehend, welche Gefahren solche Bestrebungen bergen - ob nun im Kampf gegen Kinderpornos oder illegale Downloads. Ist dieses Gezumpel erst installiert, haben die Zensoren freie Bahn. Dort müsste es so erklärt werden, dass auch Leute, die die Materie nicht so sehr kennen und sich auch nicht für iPads, Google-Phones und neue Speicherchips interessieren, dennoch verstehen.
Diese Leute lesen diese Kolumne nämlich genauso wenig wie ich etwa die Auto-Kolumne, sind aber auch davon betroffen. Sie sollten es nicht erst erfahren bzw. verstehen, nachdem es zu spät ist!
Lieber Kulturoptimist,
wollen Sie mich denn arbeitslos machen?
Scherz beiseite: Ich denke, das Thema "Digitalisierung der Gesellschaft und ihre Folgen" findet mit Recht seinen Platz hier. Das Ressort war übrigens noch nie ein reines Computerressort, das würde dem Thema "Digitales Leben" in seiner Bandbreite nicht gerecht werden. Oder wollen Sie, dass hier nur noch Texte über iPad & Co stehen?
Beste Grüße,
Johannes Kuhn, sueddeutsche.de
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