Die ersten Online-Tagebücher wurden angeblich bereits Mitte der 90er aufgeschlagen. Wer sich heute für mehr oder weniger schlaue Einträge Fremder interessiert, der wird Schwierigkeiten haben, die wahren Perlen zu finden.

Die Anzahl der Weblogs übersteigt längst das zahlenmäßig Vorstellbare. Die wahren Perlen zu finden ist deshalb keine leichte Aufgabe. Immerhin, so stellte die kürzlich stattfindende "re:publica"-Konferenz - eine Versammlung für Blogger - in Berlin fest, sind nicht alle Inhalte banal und irrelevant, wie manche Gegner abschätzig glauben.

Blogs

(© Foto: iStockPhoto)

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So wie es im Internet Suchmaschinen für Webseiten gibt, existieren sie auch für Weblogs. Ein simples Schlagwort im Suchfenster unter www.blog-sucher.de, search.blogger.com oder www.blog-web.de genügt, um eine Liste an digitalen Tagebüchern ausgespuckt zu bekommen. Für Freunde schlechter Scherze oder gelungener Witze lohnt etwa das Eintippen von "Satire".

Vorschlag des Blog-Suchers: unter anderem der (oder auch: das) Aschenbecher-blog.de - "ein Blog, so krank wie das Rauchen selbst". So zumindest kündigt sich die Seite selbst ganz unverfroren an. Und da Raucher ja bekanntermaßen in einer ungewissen Zeit leben, können sie sich hier schon mal auf ein rauchfreies Leben einstimmen: Der Blog will beweisen, dass Aschenbecher "nicht immer nur als Raucherzubehör zum Einsatz kommen müssen".

Nicht nur Belustigendes

Noch mehr Sinnfreies, aber Amüsantes für zwischendurch bieten so nett betitelte Partnerseiten des Aschenbecher-Blogs wie zimmerpflanzerl.de, wurstfriedhof.de oder kopfschuettel.de. Letzterer etwa ist hauptsächlich gedacht für Männer, die über seltsame weibliche Angewohnheiten schmunzeln.

Ein Blog über "die alltäglichen charmanten Dinge der Frauen", immer schön demonstriert an wirklich herzhaft amüsanten Dialogen zwischen Männlein (der Blogger, Bernd Günter) und Weiblein (seine Angetraute). Essenzielle Themen unter anderem: "Auto und Parken" sowie "Beauty und Kleidung". Und die sind wirklich zum Kopfschütteln komisch.

Nicht nur Belustigendes hat die Blogwelt zu bieten, sondern tatsächlich auch Ernsthaftes und vor allem Praktisches. Viel Geld lässt sich zum Beispiel mit einem Blick auf den erst kürzlich neu eröffneten Kostenlos-Blog www.heute-umsonst.de sparen.

(Fast) jeden Tag stellt die Seite einen Tipp online, wie und wo es heute etwas für lau im Internet zu ergattern gibt: Wie inseriert werden kann, ohne etwas abdrücken zu müssen, steht dort geschrieben. Oder, wie kostenlos eine Homepage erstellt werden kann.

Ein 365-Tage-Adventskalender sozusagen. Damit auch keine bösen Überraschungen auf den User warten, werden alle Angebote redaktionell geprüft. Übrigens - noch nicht angepriesen auf Heute-Umsonst, aber vielleicht bald: Mit Hilfe der Seite www.blog.de können Blogs umsonst erstellt werde.

Genug gespart?

Wer genug gespart hat, der kann sein Wissen um sportliche Highlights gemeinsam mit einem gewissen Kai Pahl aufpolieren und www.allesaussersport.de ansurfen. Der Name des Weblogs führt dabei allerdings in die Irre - denn statt "alles außer Sport", gibt's da "nur Sport".

Der selbsternannte TV-Sport-Maniac achtet nach eigenen Angaben bei Sport im Fernsehen auf Qualität, "um nicht unnötig viele Gehirnzellen absterben zu lassen" - und schreibt dann ausführlich darüber. Was er dabei genau ausschließt oder besonders empfehlenswert findet, muss jeder Besucher selbst herausfinden.

Falls jemand anderer Meinung sein sollte: Bei der regen Diskussion zu den Artikeln kann jeder mitbloggen und selbst den Sportkenner raushängen lassen.

Aktuell und brisant

Richtig ernst und ziemlich sozialpolitisch wird es unter www.besserewelt.blog.de. Der Blogger, der sich Richard von der Leyen nennt, will mit seinen Einträgen Licht in die düstere Welt der Politik bringen. "Ich will die Welt verbessern, indem ich Klarheit erschaffe", so startete er sein Tagebuch am 23. März 2007 euphorisch. "Ich putze Ihre politische Brille!"

Der eifrige Herr von der Leyen ist nämlich ziemlich unzufrieden mit dem Journalismus in Deutschland, der es seiner Meinung nach nicht schafft, den Bürgern die politischen Bewegungen im Lande verständlich zu machen. Das ist weder banal noch irrelevant, sondern aktuell und brisant.

Leser empfehlen 

(Julia Schöppner/teleschau)