Bing-Chef Weitz im Interview Zehn Jahre Zeit für den Sieg über Google

Stefan Weitz, Chef von Microsofts Suchmaschine Bing, über riesige Datenmengen im Netz und den Wettlauf mit dem Marktführer.

Interview: Thorsten Riedl

SZ: Mr. Weitz, Google hat die Suche im Netz revolutioniert. Was macht Microsoft? Die Firma ahmt mit dem eigenen Angebot Bing den Erfolg nach.

Weitz: Die Diskussion hatte ich mit einem Taxifahrer gestern auch. Ja, wir sind in einigen Bereichen, bei Betriebssystemen oder Office-Software, führend. Auf andere Geschäfte sind wir erst später gekommen.

SZ: Als Bing-Chef muss das frustrierend sein: immer nur der Zweite ...

Weitz: Als Nummer zwei hat man die Chance, Dinge auszuprobieren. Das habe ich dem Taxifahrer auch erklärt. Die von Google können das nicht so einfach. Bei denen hängen 96 Prozent des Umsatzes an der Internetsuche. Wir bei Microsoft schauen uns an, wo ein Geschäft in zehn Jahren steht, dann wollen wir vorn sein. Schauen Sie sich unsere Spielkonsole Xbox an. Da hätten wir vor zehn Jahren auch sagen können: "Sony führt den Markt an, da wagen wir uns nicht rein."

SZ: Heute ist Microsoft bei TV-Konsolen gleichauf mit Sony. Heißt das, Sie können Google bei der Web-Suche auch noch einholen?

Weitz: Bei der Suche, die wie bei Google auf Algorithmen basiert? Unwahrscheinlich. Obwohl: Google hat vor zehn Jahren auch Altavista entthront, weil sie die Suche ganz neu angepackt haben - so wie wir heute das Thema komplett anders angehen. Also: Wer weiß ... Wir müssen die Leute dazu kriegen, uns mal auszuprobieren. Viele sagen dann: "Oh, ich wusste gar nicht, dass so etwas geht!"

SZ: Aber alle Welt googelt sich durchs Leben. Braucht die Welt überhaupt noch eine weitere Suchmaschine?

Weitz: Wir wollen nicht nur ein Ersatz für Google sein. Wir haben etwas Interessantes herausgefunden: Die meisten Leute sind glücklich mit der Web-Suche, zugleich geben sie aber an, nur eine von vier Sucheingaben führe zum Erfolg.

SZ: Wie kann das denn sein?

Weitz: Traditionelle Suchmaschinen können kaum noch die Menge an Daten erfassen, die ins Netz strömt. Die Such-ergebnisse werden folglich immer schlechter. Tag für Tag produziert die Menschheit fünf Exabyte an Daten, also fünf Milliarden Gigabyte, oder das Zweifache der Datenmenge, die bis zum Jahr 2003 insgesamt erfasst wurde. Täglich. Unvorstellbar.

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