Straßenschau für kommerzielle Zwecke: Es gibt keinen Anlass, Google und seiner Datensammlerei mit Street View mehr Vertrauen zu gewähren als Lidl oder der Bahn.
Stellen wir uns vor, der Staat machte so etwas. Stellen wir uns vor, die CIA führe im Einverständnis mit den deutschen Behörden und im Zuge des Anti-Terror- Kampfes mit Kameraautos durch die deutschen Straßen, um "Schläfer" aufzuspüren. Oder: Das Bundesinnenministerium betriebe als Ergänzung zur Volkszählung eine Hauszählung, genannt "optische Hauserfassung", und zu diesem Zweck führen durch die Straßen diese Autos, auf denen die Kameras montiert sind, die jede Fassade, jeden Bürgersteig und jede Garage abfotografieren.
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Noch in diesem Jahr will der US-Konzern Google seinen umstrittenen Kartendienst Street View in 20 deutschen Städten starten. (© ddp)
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Es käme zu einem Volksaufstand. Im Internet wäre der Teufel los. Das Verfassungsgericht würde mit Klagen bombardiert. Stellen wir uns weiter vor, es würde bekannt, dass im Zuge der optischen Erfassung (die Behörden bezeichnen das als Panne) im Vorbeifahren Daten aus privaten Wlan-Netzen abgesaugt worden sind. Karlsruhe würde dem Spuk mit einer Eilentscheidung ein Ende machen.
Das Projekt heißt in Wirklichkeit nicht "Hauserfassung", sondern "Street View". Es wird nicht vom Staat, sondern (samt der erwähnten Panne) vom Internet-Konzern Google verantwortet. Es handelt sich um eine Totalerfassung des öffentlichen Raums zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die einzelnen Aufnahmen als solche sind rechtlich wenig problematisch; das ist Fotografie, sie ist zulässig, solange die Privatsphäre geachtet wird.
Das Problem der Aufnahmen ist ihr Umfang, ihre Bündelung, globale Verbreitung und Unauslöschlichkeit. Google macht seine Straßenschau nicht für die innere Sicherheit, sondern für kommerzielle Zwecke. Macht das die Datensammelei besser? Google verdient sein Geld mit Werbung und trachtet mit Street View nach dem lokalen Markt. Google behält, anders als der datensammelnde Staat, die erhobenen Daten nicht für sich im Vorratsspeicher, sondern macht seine Hauserfassung der Allgemeinheit zugänglich - ansonsten könnte die Firma ja damit keine Werbeeinnahmen erzielen.
Imperiale Züge
Google stellt seine Straßenschau ins Netz. Das macht den Konzern in den Augen begeisterter Onliner zum Wohltäter. Google wird daher von ihnen verteidigt, als handele es sich um den heiligen Nikolaus der Moderne, und als würden die unverständigen Street-View-Kritiker die guten Gaben aus dem Sack klauen wollen. Wie gut sind die guten Gaben? Die von Street View aufgenommenen Gesichter und Kfz-Kennzeichen werden zwar meist unkenntlich gemacht; aber Googles Umgang mit den Rohdaten ist undurchsichtig, und Googles Auftreten in der Öffentlichkeit ist selbstherrlich; das Gebaren trägt imperiale Züge.
Google fotografiert, bei Google Earth hoch vom Himmel; oder Google fährt, bei Street View, in den Straßen umher wie ein Hoheitsträger. Google nimmt für sich in Anspruch, der Öffentlichkeit einen Mehrwert zu verschaffen. Ein Teil der Öffentlichkeit empfindet dies tatsächlich als Mehrwert, der andere als Unwert.
Im Märchen wird Stroh zu Gold gesponnen, Google macht aus Daten Geld. Der Konzern lebt von der ungeheuren Datenmasse, die er requiriert. Man bereichert den Konzern selbst dann noch, wenn man der Street-View-Erfassung widerspricht: Dann verfügt Google nämlich auch noch über die Daten des Widersprechenden samt Angaben darüber, wo er wohnt und welche Immobilien er noch besitzt. Der Google-Konzern ist in einer komfortablen Situation, solange nicht er die Leute fragen muss, ob sie mit der Erfassung einverstanden sind, sondern die Leute ausdrücklich erklären müssen, dass sie nicht einverstanden sind.
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Proteste gegen ACTA
Das Unverständliche an dieser Diskussion ist, dass alle Probleme im Zusammenhang mit StreetView bereits 1999 (!) schon einmal erörtert und vom Landgericht Hamburg mit einer bundesweit geltenden Einstweiligen Verfügung gegen so einen Dienst beantwortet wurden.
StreetView hieß damals City Server, die Firma, die bundesweit alle Häuser aufnahm, nicht Google, sondern Tele Info Verlag, und alle, wirklich alle Fragen, die heute die Gemüter so erhitzen, gab es damals auch schon, einschließlich der Frage nach Lösschung und Unkenntlichmachung. Wer es nicht glaubt, kann es hier nachlesen:
www.datenschutzzentrum.de/material/themen/gebaeude/index.htm
Jeder, der sich damit beschäftigt, hätte mit zwei, drei Clicks und Google's tätiger Mithilfe darauf kommen können, sich inzwischen mal die damalige - und heute noch gültige - Entscheidung des LG Hamburg zu besorgen. Da steht alles drin, auf was es heute auch noch ankommt. An der Rechtslage hat sich nichts zu Gunsten von Google geändert.
Und wenn schon der Schleswig-Holsteinische Landtag am 9.7.1999 dazu einen Beschluss fasste, dann müsste sich doch wenigstens ein Parlamentarier oder ein Journalist von Bedeutung daran erinnern können. Falls nicht, hier der Wortlaut der damals einstimmig ergangenen Entschließung zum Thema "Gebäudeerfassung in Schleswig-Holstein".
Die Entschließung hatte folgenden Wortlaut:
1. Der Landtag missbilligt, dass in Schleswig-Holstein ein privater Verlag für Vermarktungszwecke eine flächendeckende fotografische Gebäudeerfassung durchführt, ohne vorher die Zustimmung der Betroffenen eingeholt zu haben und ohne auf die zahlreichen Widersprüche Betroffener angemessen zu reagieren.
2. Der Landtag bewertet die Gebäudeerfassung in Übereinstimmung mit dem Landesbeauftragten für den Datenschutz und dem Landesverband "Haus und Grund" als Beeinträchtigung schutzwürdiger privater Interessen und ermuntert die Betroffenen zur Wahrnehmung der verfügbaren rechtlichen Abwehrmöglichkeiten.
3. Der Landtag bittet die Landesregierung, sich dafür einzusetzen, dass die EU-Datenschutzrichtlinie in Bundesrecht umgesetzt wird, damit ein wirksamer Schutz der Bürgerinnen und Bürger gegen die unzulässige kommerzielle Verarbeitung personenbezogener und personenbeziehbarer Daten geschaffen wird.
Aus der Pressemitteilungvom 13. Juli 1999 des Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein.
Haben das wirklich alle vergessen?
Achja noch etwas zum Thema 2,50m-2,90m Kamerahöhe ...
der Größte Mensch der Erde ist etwa 2.56m oder größer wenn ich nicht irre. Sollte man ihm die Augen ausstechen? ....
Und was ist mit Doppelstock Bussen? Millionen Menschen fahren täglich damit und können aus einer Höhe von schätzungsweise 3.80m in Gärten schauen und über Mauern blicken... sie können von da auch Gebäude Knipsen.. es gibt sogar welche die haben kein Dach damit es besser geht... diese Fotos landen auch oft im Web auch teilweise auf der Google Map. Also müsste man diese Busse auch verbieten...
Am besten verbieten wir Kameras generell und Menschen müssen zum Schutz der Privatsphäre ab sofort vermummt rumlaufen.
Jegliche Elektronische Datenverarbeitungsanlage wird abgeschafft. Stifte, Papier alles verboten man könnte etwas aufschreiben was andere mitbekommen ;)
Nein also Ernsthaft... welche Daten hat Google Streetview (NUR DARUM GEHT ES GERADE!) denn gesammelt die es nun auch verwerten wird.
Fotos... aus ca. 2-3m Höhe erstellt... von öffentlich befahrbaren Straßen aus (Sorry Laubenpieper). Und nun schieben echt Menschen Panik weil jemand in den USA die eigene Hauswand sehen könnte? Das ist doch schon mehr als Paranoid.
Private dinge sollten verfremdet werden dürfen (und das tun sie auch) also wenn man auf der Straße läuft und plötzlich die Hose verliert z.B. ist das durchaus eine Verfremdung wert!
Wenn man beim betreten oder verlassen eines Bordells geknipst wird... ist das vielleicht auch noch eine Verfremdung wert.
Aber all diese Vorgänge können auf Antrag auch verfremdet werden!
Und... im Voraus geht das wohl kaum... ausser man hat gerade gesehen das Google Car war vor seiner Nase und weis das genau dieses Foto verwendet wird.
Hätte ich ein Haus mit Garten, dann würde ich warten bis es online ist und dann entscheiden ob es Verfremdet werden muss.
Dang Bing Maps in der Vogelperspektive hat man ja bereits jetzt eine super 360° fast 3D Ansicht von Gärten, Straßen, Häusern...
Also wenn es um Hausfassaden geht ist es ABSURD das gegen Google gehetzt wird.. wenn es darum geht die eigene Person zu verfremden weil man so grauenhaft aussieht ;) dann macht es Sinn, denn die 3D/Bird und Satellitenansicht lässt keine Personen erkennen.
Wobei ich empfehle eine MAske zu tragen weil besonders in Städten wie Berlin an vielen Ecken Webcams sind und man auch dauernd eine Überwachungskamera vor der Nase hat und hunderte oder tausende M
Ich weis nicht auf welcher Grundlage Sie diesen Artikel geschrieben haben.
Vielleicht sollten Sie sich mal mit dem Thema Kunsturhebergesetz, Panoramafreiheit und Recht am eigenem Bild genauer auseinandersetzen bevor Sie einen Artikel darüber schreiben...
Dieser Artikel ist Subjektiv geschrieben, ich ging davon aus das die Presse die Pflicht hat möglichst Objektiv zu berichten... wenn ich einen Bericht schreibe versuche ich dieser Pflicht auch entsprechend nachzukommen.
Ich habe geradezu das Gefühl, das Fehlinformationen seitens einiger Medien absichtlich gestreut werden um mehr Menschen auf ihre Seiten zu locken...
Auf welcher Rechtlichen Grundlage sollten denn bitte Verfassungsrechtliche Klagen durch das Fotografieren von Landschaften in der Öffentlichkeit stattfinden?!
Nach Ihrer Ansicht macht sich jeder Strafbar der in der Öffentlichkeit eine Lokalität/Landschaft Fotografiert und diese Fotografie verkauft.
Soweit kommt es noch...
Und was die Sache mit den W-LAN Daten angeht, wer Daten öffentlich unverschlüsselt sendet muss ziemlich blöde sein. Ist doch gut das es aufgedeckt wurde und Google so dazu angestoßen hat das die Anbieter von W-LAN Access Points in Zukunft ihre Geräte eher Grundverschlüsselt verkaufen.
Wenn die Nutzer ab und zu mal entsprechende IT-Dienstleister für ein paar Euros nutzen würden, dann wäre Ihnen das nicht passiert. Geiz ist geil Mentalität ist halt nicht gut für den Datenschutz.
Selbst Regierungsmitarbeiter sagen das Google Streetview die völlig falsche Plattform für die Datenschutz Diskussion ist. Und wer Ahnung von der Materie (IT, Fotografie) hat der weis das auch.
Abseits von Streetview ist ja auch die Frage was Google als "Datenkrake" böses mit den Daten bisher getan hat oder tun könnte. Das schlimmste ist vermutlich wenn ein fremder erfährt wer man ist. Denn Die Daten die Google hat von einem sind in der Regel.. IP Adresse, Surfverhalten.... wer Google Services (freiwillig) nutzt der gibt Ihnen auch noch Daten wie Handynummer, Name, eMail Adresse, Kalenderdaten (Da kann jetzt alles mögliche drinne stehen). Und auch der derzeitige Aufenthaltsort kann bekannt gegeben werden.
Allerdings ist die Nutzung genau wie bei Kundenkarten und Bankkarten freiwillig.
Auf der einen Seite wollen die Leute immer alles Kostenlos haben, auf der anderen aber das keinerlei Daten von Ihnen verwendet werden... soetwas gibt es nicht.
Aber das ist ein völlig anderes Thema und h
Die beste Zusammenfassung der Bedenken an Google-Streetview war in der letzten Wochenendausgabe im Wirtschaftsteil der SZ als Karikatur dargestellt.
Dirk Meissner formulierte in seiner Cartoonserie "Hippenstocks Strategien" zu einer Szene mit Chef und überlasteten Mitarbeiter folgenden Satz:
"Ich habe mir bei Google Earth einmal angeschaut, wie Sie so wohnen ... Mensch, jetzt seien Sie doch froh wegen der Überstunden."
"mein Haus auf allen Innenansichten, die von/über der/die Stadt gemacht werden, zu sehen"
Ihr Haus, auch mit Bewohnern und in die Fenster hinein aufgenommen?
Sei meinen wohl nur die Fassade. Bei Google werden aber auch die Menschen mit aufgenommen und veröffentlicht, teilweise sogar in ihren privaten Räumlichkeiten, wenn der Vorhang gerade nicht vorgezogen oder das Fenster auf ist. Ich schätze mal, dass Ihre Ansichtskarten nicht so detaillierte Einblicke gewähren.
Paging