Betrug beim Online-Dating Gebrochenes Herz, verlorenes Geld

Die Partnersuche im Internet ist längst salonfähig, viele Menschen suchen online nach Mr. oder Mrs. Right. Doch nicht immer geraten sie an den Richtigen: Mit üblen Tricks nutzen Betrüger die romantischen Gefühle der Bindungswilligen aus.

Von Johannes Kuhn

US-General John Abizaid ist ein adretter Mann: Seine 60 Lebensjahre sind dem ehemaligen Mitarbeiter des Zentralkommandos der Armee nicht anzusehen, das graumelierte Haar, die blauen Augen und der charismatische Blick vermitteln Autorität und Sensibilität. Wer sich auf Dating-Plattformen im Netz bewegt, könnte ihm schon einmal begegnet sein. Dort trägt er Namen wie Desmond Williams oder Walter Smith, bekleidet meist einen hohen Posten beim US-Militär, ist verwitwet, hat ein Kind im Teenageralter und sucht nach der wahren Liebe.

Online-Liebesbetrug ist nicht nur ein Problem der Dating-Seiten.

(Foto: dpa)

John Abizaid führt kein Doppelleben - es ist sein Foto, das Betrüger für das sogenannte "Romance Scamming" verwenden. Dieser Liebesbetrug funktioniert immer ähnlich: Eine Nachricht eines kultivierten wie attraktiven Fremden, die Suggestion von Liebe auf den ersten Klick, lange Chat-Konversationen, entstehende Vertrautheit.

Doch dann taucht meist ein Problem auf: "Dann heißt es 'Ich kann nicht zu dir kommen, weil ich mir das Flugticket nicht leisten kann', oder 'Mein Sohn hatte einen Unfall, ich kann die Krankenhausrechnung nicht zahlen'", sagt Dorren Schlicht, Sprecherin der Online-Partnerbörse Parship. Dem Geständnis folgt der flehende Wunsch, Geld über Finanzdienste wie Western Union zu erhalten. Ist der Betrag eingegangen, bricht der Kontakt ab.

In Internet-Foren melden sich immer wieder betroffene Männer und Frauen zu Wort, die sich ihre Hilfsbereitschaft und Liebe vier- bis fünfstellige Beträge kosten ließen, um dann zu erfahren, dass sie reingelegt wurden. "Manchmal bauen die Betrüger über Monate, gar Jahre ein Vertrauensverhältnis auf", sagt Monica Whitty von der Universität Leicester, die für eine Studie Opfer interviewt hat. "Deshalb schmerzt das gebrochene Herz weit mehr als das verlorene Geld."